Börsen-Bericht

Dax-Anleger blenden Risiken zwischenzeitig aus

Die Sorgen um die Schuldenkrise tritt kurzzeitig in den Hintergrund. Der deutsche Leitindex kann zulegen. Selbst Finanzwerte erholen sich.

Dank guter Unternehmenszahlen aus den USA haben die Dax-Anleger das Thema Schuldenkrise am Dienstag zumindest vorerst ad acta gelegt. Das deutsche Börsenbarometer legte um 1,5 Prozent auf 7215 Zähler zu.

Für Kauflaune sorgte vor allem, dass sich der weltgrößte IT-Dienstleisters IBM nach einem erfolgreichen zweiten Quartal höhere Jahresziele zutraut. „Das stimmt hoffnungsvoll und hilft den Anlegern, sich ein bisschen von der Schuldenmisere in den USA und Europa abzulenken“, sagte ein Händler.

Die gute Stimmung schlug vor allem auf die Technologie-Werte durch: Der TecDax legte von den Nebenwerte-Indizes mit einem Plus von 1,9 Prozent am stärksten zu. Zu den Favoriten zählten hier Software AG und Dialog Semiconductor, die sich in der Spitze um mehr als sieben beziehungsweise knapp sechs Prozent verteuerten. Im Dax legten Infineon um 3,3 Prozent zu.

Deutlich von ihren jüngsten Verlusten erholen konnten sich am Dienstag die Finanzwerte. Commerzbank und Deutsche Bank kletterten um 4,5 Prozent und 2,6 Prozent in die Höhe. Der europäische Bankenindex lag gut zwei Prozent im Plus.

Zwei Tage vor dem Sondergipfel am Donnerstag werde zwar weiter um das zweite Rettungspaket für Griechenland gerungen, aber das blende der Markt heute offenbar völlig aus, sagte ein Börsianer. Laut einem Entwurf der Arbeitsgruppe der Euro-Länder werden derzeit drei Optionen zur Beteiligung des Privatsektors an dem neuen Hilfspaket untersucht: ein Schuldenrückkauf, ein Vorschlag gemäß dem französischen Modell eines Zahlungsaufschubs für Griechenland und eine Steuer für den Finanzsektor. „Sollte (...) keine adäquate Lösung präsentiert werden, drohen neue Turbulenzen mit möglicherweise schwerwiegenden Folgen“, urteilten die Analysten der Metzler Bank.

Auch der anhaltende Schuldenstreit in den USA mache neue Kurseinbrüche wahrscheinlich, sagte ein Börsianer. Sollte die Schuldengrenze nicht rechtzeitig angehoben werden, droht im August der Zahlungsausfall. Experten befürchten dann eine weltweite Finanzkrise.

Keinen guten Tag erwischten Adidas, die die kurze Verliererliste im Dax mit einem Minus von 2,8 Prozent anführten. Händler erklärten die Abschläge mit der Sorge vor schwachen Quartalszahlen. „Wir haben gehört, dass Analysten Bedenken wegen der Entwicklung im zweiten Quartal haben“, sagte ein Börsianer. Andere berichteten über ähnliche Gerüchte. Adidas lehnte einen Kommentar zu den Spekulationen ab. Der Sportkonzern legt seine Zahlen am 4. August vor.

Ein skeptischer Kommentar von JP Morgan hat Symrise laut Händlern ins Straucheln gebracht. Die Aktien des Duft- und Aromenherstellers notierten mit einem Minus von bis zu 6,8 Prozent auf 18,91 Euro im MDax auf dem niedrigsten Stand seit Mitte März.

Eine schwächere Nachfrage und höhere Rohstoffpreise sollten sich bei den Zahlen zum zweiten Quartal negativ bemerkbar machen, schrieben die Analysten. Sie senkten das Kursziel für die mit „Neutral“ bewerteten Aktien auf 22 von 25 Euro.