Italiens Bonität

An den Finanzmärkten ist die Panik zurück

Die Sorge der EU um Italien schürt die Nervosität an den Märkten. Die Banken stehen stark unter Druck, sie halten 90 Prozent des Risikos.

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Die Panik soll eingebremst werden – das war das klare Ziel der EU-Finanzminister. Sie verkündeten, dass Banken, die durch den Stresstest fallen, notfalls auch mit Hilfe von Regierungen rechnen können. Das Signal an die Märkte war bitter nötig. Denn die Panik war bereits zurück an den Finanzmärkten.

An der deutschen Börse wurden mehrmals Aktien automatisch vom Handel ausgesetzt, nachdem die Kurse von Finanztiteln rapide abgerutscht waren. Dieser „Notstopp“ greift automatisch, sobald ein Kurs bestimmte Limits überschreitet.

Ihren Ausgangspunkt hatte die Nervosität in Italien genommen. Schon seit Freitag wurden dort die Aktien der Großbanken mehrfach automatisch vom Handel ausgesetzt. Binnen weniger Tage hatte die Großbank Unicredit mehr als 20 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Erst im Verlauf des Nachmittags drehte die Aktie wieder ins Plus. „Es gibt keine Erklärung anhand fundamentaler Daten für die Panik an den Börsen “, sagt Renato Panichi, Bankenexperte der Ratingagentur Standard and Poors. „Die großen italienischen Banken sind vergleichsweise gut kapitalisiert.“

Seit Tagen wird in der EU über Italiens Bonität diskutiert. Europäische Banken halten dabei 90 Prozent des Risikos gegenüber dem italienischen Staat. Hätte man die Griechenland-Frage geklärt, so müsste man sich mit Italien jetzt erst gar nicht erst befassen, ist aus dem Markt zu hören. Eine freiwillige Gläubigerbeteiligung an einer Umschuldung in Griechenlands scheint inzwischen in weite Ferne gerückt zu sein.

Offensichtlich gibt es keinen Lösungsvorschlag, der einen offiziellen Zahlungsausfall verhindern kann. Doch im Vergleich zu den Forderungen gegenüber Italien sehen jene gegenüber Griechenland wie ein Kinderspiel aus: Deutsche Finanzinstitute haben 116 Milliarden Euro an Italien verliehen – bei Griechenland sind es lediglich 17 Milliarden Euro.

Zwar ist ein Zahlungsausfall Italiens derzeit nach gängiger Auffassung im Markt nicht denkbar, dennoch hinterlässt die Debatte ihre Spuren. Denn sobald Italien höhere Zinsen für seine Staatsschulden zahlen muss, verlieren aktuelle Staatsanleihe-Portfolien an Wert. „Auf Institute, die große Volumina an italienischen Staatspapieren halten, kommen massive Abwertungen zu – das nimmt der Markt vorweg“, sagt Bankenprofessor Dirk Schiereck.

In Deutschland sind es Commerzbank und Deutsche Bank, die gegenüber Italien die höchsten Forderungen haben. Anstatt die Märkte zu beruhigen, könnten die Stresstests die Volatilität sogar noch steigern, warnte Michael Kemmer, Geschäftsführer des Bundesverbands der Banken.

Dabei bereitet ihm weniger die Bekanntgabe der durchgefallenen Institute, als vielmehr die zusätzlichen Informationen Sorge: „Die Inhalte könnten gar zu Spekulationen gegen einzelne Institute genutzt werden. Daher sollten weitaus weniger Details veröffentlicht werden als bislang vorgesehen“, fordert Kemmer. Dem Vernehmen nach sollen sechs spanische Institute durchgefallen sein. Nach gängiger Einschätzung sollen alle deutschen Institute bestanden haben. Insgesamt wird mit einer zweistelligen Zahl von Durchfallern unter den 91 Teilnehmern gerechnet.