Börsen-Bericht

Schuldenkrise schickt Euro und Dax auf Talfahrt

Der Euro fällt auf den tiefsten Stand seit vier Monaten. Der Dax verliert fast zwei Prozent, der italienische Leitindex ist mit drei Prozent im Minus.

Der Euro ist unter die Marke von 1,40 US-Dollar gesunken. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung im Tief 1,3930 Dollar und damit so wenig wie seit Mitte März nicht mehr. Ein Dollar war zuletzt 0,7179 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montagmittag auf 1,4056 (Freitag: 1,4242) Dollar festgesetzt.

Die Schuldenkrise setzt den Euro zusehends unter Druck, nachdem er sich die vergangenen Wochen erstaunlich robust gezeigt hatte. Für Belastung sorgten zuletzt Ängste vor einer Ausweitung der Krise auf große Euro-Länder wie Italien und Spanien. Bislang war die Krise auf eher kleine Länder wie Griechenland, Irland und Portugal begrenzt.

Die Furcht vor einer Eskalation der europäischen Schuldenkrise hat den Dax erneut auf Talfahrt geschickt. Der Leitindex rutschte in den ersten Handelsminuten um 1,8 Prozent auf 7103 Punkte ab. Am Vortag hatte das deutsche Börsenbarometer wegen der wachsenden Zweifel an der Zahlungsfähigkeit Italiens bereits 2,3 Prozent schwächer geschlossen. Der italienische Leitindex sackte am Dienstag um mehr als drei Prozent ab.

Die Anleger blicken vor allem nach Brüssel, wo die EU-Finanzminister seit Montag über das zweite Rettungspaket für das hoch verschuldete Griechenland beraten. Die neuen Finanzhilfen wurden noch immer nicht beschlossen, sollen aber bald stehen. „Solange es keine Klarheit gibt, werden sich die Märkte nicht beruhigen – was wir brauchen ist ein starkes Signal“, sagte ein Händler.

Zu den größten Verlierern im Dax zählten in den ersten Minuten die Finanzwerte. Deutsche Bank und Commerzbank notierten 3,2 beziehungsweise 2,2 Prozent schwächer. Einziger Gewinner war Fresenius mit einem knappen Plus von 0,1 Prozent.

Asiatische Märkte auch im Minus

Die Verunsicherung wegen der Schuldenkrise in Europa und den USA hat auch die asiatischen Aktienmärkte ins Minus getrieben. In Tokio rutschte der Leitindex Nikkei unter die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten. Auf dem Verkaufszettel standen die Aktien von Banken und Exporteuren.

In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 1,4 Prozent schwächer bei 9926 Zählern. Der breiter gefasste Topix-Index verlor 1,5 Prozent auf 857 Punkte. Deutliche Verluste verzeichneten auch die Aktienmärkte in Hongkong, Shanghai, Singapur, Taiwan und Südkorea.

Analysten verwiesen darauf, dass alle bisherigen Bemühungen der Euro-Staaten zur Eindämmung der Schuldenkrise wenig gebracht hätten. „Selbst wenn sie sich auf milliardenschwere Rettungspakete für Griechenland und andere betroffene Staaten einigen sollten: Das Problem kann nur gelöst werden, wenn die Sparprogramme umgesetzt werden“, sagte Analyst Thomas Lam in Singapur. Zudem verwies er auf die verhärteten Fronten im US-Schuldenstreit zwischen Demokraten und Republikanern, was das Gesamtbild für die Weltwirtschaft ebenfalls trübe.

Zu den größten Verlierern zählten die Banken : Der japanische Banken-Index verlor zwei Prozent an Wert, der Aktienkurs des größten japanischen Geldhauses Mitsubishi UFJ Financial rutschte sogar knapp drei Prozent ins Minus. Bei den Exporteuren stach der Autohersteller Toyota hervor, dessen Papiere 1,9 Prozent an Wert verloren. Canon-Titel gaben 1,8 Prozent ab.

Die Euro-Finanzminister einigten sich am Montagabend erneut nicht auf ein zweites Rettungspaket für Griechenland. Zudem schlossen sie den Zahlungsausfall eines Landes nicht mehr demonstrativ aus.