Börsen-Absturz

Euro-Krise macht die Dax-Rallye kaputt

Italien bringt das Fass zum Überlaufen. Die Angst vor einem Euro-Crash geht um. Sparer flüchten mit Geld und Aktien in Schweizer Franken oder Gold.

Hoch sind sie, noch, die Kursziele der Analysten, bis weit über 8000 Punkte sehen die Auguren den Dax bis Jahresende klettern. Doch während die Broschüren weiter von glänzenden Aussichten künden, verdüstert sich die Stimmung bei den Anlegern rapide. Noch vergangene Woche stand das deutsche Börsenbarometer kurz davor, sein Jahreshoch von Anfang Mai zu übertreffen. Jetzt geht die Crash-Angst um.

Die Massenarbeitslosigkeit in den USA , die steigende Inflation in China, vor allem aber die um sich greifende Euro-Krise lassen die Börsianer zittern: Ein Crash bei italienischen Staatsanleihen weckte am Montag die Sorge, dass die Schuldenkrise in der Währungsunion nicht mehr zu beherrschende Dimensionen erreicht. Aus Sicht vieler Marktteilnehmer ist eine Kernschmelze des Finanzsystems eine reale Gefahr.

Im großen Stil zogen Anleger zu Wochenbeginn ihr Geld aus allem ab, was nach Risiko riecht. Neben Peripherie-Anleihen zählen dazu vor allem die konjunktur- und stimmungsempfindlichen Dividendenpapiere. Der Dax lag zum Ende des elektronischen Xetra-Handels 2,3 Prozent im Minus. Auch an anderen Börsenplätzen in der Eurozone waren die Vorzeichen tiefrot.

Italiens Börse verliert vier Prozent

An der Mailänder Börse, die sich im Zentrum des Orkans befindet, ging es um vier Prozent nach unten. Gefragt war hingegen alles, was Sicherheit verspricht. Viel Geld strömte in die Staatsanleihen von Ländern, die von Investoren als solide eingeschätzt werden, allen voran die Schweiz, Schweden, Norwegen, Holland und Deutschland. Der Kurs der Bundesanleihen schoss nach oben, spiegelbildlich gab die Rendite nach. Am Abend lag die Verzinsung der deutschen Schuldtitel mit zehnjähriger Laufzeit bei 2,673 Prozent, also nur noch knapp über der offiziellen Inflationsrate von 2,3 Prozent.

Der Euro-Wechselkurs befand sich zeitweise im freien Fall. Zum Schweizer Franken verzeichnete die Gemeinschaftswährung ein Rekordtief bei 1,1673. Seit Anfang des Jahres hat der Euro zum Franken mehr als sechs Prozent an Wert verloren. Auch zum Dollar sackte der Euro ab, obwohl die US-Währung selber unter großen Problemen leidet. Am Nachmittag kämpfte der Euro um die psychologisch wichtige Marke von 1,40 Dollar.

Auch Gold profitierte von der Suche nach sicheren Häfen. Eine Feinunze (31,1 Gramm) des gelben Metalls kostete am Montag erstmals mehr als 1100 Euro. In Dollar gerechnet war Gold teilweise nur acht Dollar von seinem Rekordstand bei 1564 Dollar entfernt. Seit Anfang des Jahres hat der Goldpreis 9,5 Prozent zugelegt, Silber sogar 18,6 Prozent. Silber ist einerseits ein Industriemetall, dient andererseits aber ähnlich wie Gold als Fluchtwährung für Zeiten der Währungskrise.

Unter den Aktienindizes steht der Dax noch gut da. Gemessen am Stand von Jahresanfang brachte Anteilscheine deutscher Unternehmen Anlegern ein Plus von mehr als vier Prozent.

Doch anderswo liegen die Börsen teils deutlich im Minus. An der Börse des hochverschuldeten Euro-Staats Griechenland sackten die Kurse seit Januar um 20 Prozent ab. Doch selbst der Luxemburger Aktienmarkt verzeichnet ein Minus von zehn Prozent. Auch in Asien notieren viele Indizes im roten Bereich. Zuletzt musste die People's Bank of China den Leitzins zum fünften Mal in Folge anheben, um die Teuerung zu bekämpfen. Der jüngste Inflationswert lag bei 6,4 Prozent. Manchen Ökonomen sehen das Reich der Mitte in die Rezession gleiten. Das würde auch die exportabhängige deutsche Industrie treffen.

Pessimisten fürchten, dass die Summe der Negativfaktoren den Dax in einen neuen Bärenmarkt treiben könnte. Statistisch gesehen hätte der Markt durchaus noch Luft zu steigen. Trotz der Kursverdopplung seit März 2009 handelt es sich bisher um eine mittelstarke Hausse. Der Aufschwung der Jahre 2003 bis 2007 dauerte nicht nur länger, er war auch deutlich kräftiger. Damals legten die Kurse sogar um 268 Prozent zu. Allerdings war der vorangegangene Abschwung mit einem Minus von 73 Prozent auch besonders drastisch ausgefallen. Anderseits war die Hausse der Jahre 1997 und 1998 nach einem Plus von 73 Prozent und 265 Tagen vorbei.

Dax kann auf 4800 Punkte abstürzen

Sollte die Zuspitzung der Euro-Krise den Dax in den Börsen-Hades stürzen, müssen Anleger statistisch gesehen mit einem Abschwung von 43,4 Prozent rechnen. Das ist der Durchschnitt der Verluste in den vergangenen zwei Dekaden. Rechnet man den Salami-Crash nach der Jahrtausendwende heraus, ergibt sich immer noch ein zu befürchtendes Minus von 36 Prozent. Würde auf den Dax jetzt ein solcher durchschnittlicher Abschwung zukommen, würden Anleger den Index irgendwann 2012 oder 2013 bei 4817 Zählern wiederfinden. Im Mittel dauerte ein Abschwung am Aktienmarkt in den vergangenen zwei Jahrzehnten 432 Tage.

Gegen einen starken Absturz spricht indessen die niedrige Bewertung deutscher Aktien, die nichts mit den Übertreibungen der Millenniumseuphorie zu tun hat. Um sich gegen eine vorübergehende Schwäche abzusichern, nutzen immer mehr Anleger Short-Produkte, deren Kurs anzieht, wenn das Börsenbarometer fällt, etwa den Amundi ShortDax ETF (WKN: A0X9QV). Mit doppeltem Hebel wirkt der ETFX Dax 2xShort (WKN: A0X896): Verluste des Dax werden mit dem Faktor zwei in Gewinne umgewandelt.

Um für die Eventualität eines Euro-GAUs gewappnet zu sein, bieten sich Fremdwährungskonten in Hartwährungen wie Schweizer Franken oder Norwegen-Krone an, wie sie viele Banken im Sortiment haben. Sollte sich die Schulden- und Währungskrise zu einer allgemeinen Finanzkrise auswachsen, die die Stabilität des europäischen Banksektors in Mitleidenschaft zieht, wären allerdings wohl die Parallelwährungen Gold und Silber das einzig Wahre.

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