Börsen-Bericht

Unsicherheit lähmt Aktienmärkte – Dax knapp im Plus

Die Schuldenkrise in Europa und in den USA lähmt die Anleger. Im Dax behaupten sich Autowerte und Fresenius. Im MDax gewinnt Boss.

Die Ungewissheit über die Schuldenprobleme in den USA und Europa und den Ausgang des europäischen Bankenstresstests hat den deutschen Aktienmarkt am Freitag gelähmt. Der Dax und schloss mit einem Plus von 0,1 Prozent bei 7220 Punkten, nachdem er im Handelsverlauf um den Schlusskurs vom Vortag gependelt war.

Auf Wochensicht verlor der deutsche Leitindex 2,5 Prozent. „Es gibt ein großes Gemisch an Unsicherheitsfaktoren – da wagt sich kaum jemand, bei Aktien zuzugreifen“, sagte ein Händler. Der EuroStoxx50 ging mit einem Abschlag von 0,6 Prozent bei 2679 Zählern aus dem Handel. Die großen US-Indizes lagen bei Handelsschluss in Europa leicht im Plus – gestützt von unerwartet starken Quartalszahlen von Citigroup und Google.

Neben der europäischen Schuldenkrise rückt der zähe Haushaltsstreit in den USA immer stärker in den Fokus der Anleger. Nach Moody's drohte auch die Ratingagentur Standard & Poor's mit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit gedroht, sollten die politischen Lager in Washington weiter keine Lösung finden. Präsident Barack Obama braucht die Zustimmung des Kongresses, um die Verschuldungsgrenze von derzeit 14,3 Billionen Dollar anzuheben.

Falls die Gespräche scheitern, sind die USA voraussichtlich ab dem 2. August zahlungsunfähig. Für Verstimmung sorgte laut Börsianern auch die Kehrtwende von US-Notenbankchef Ben Bernanke, der am Mittwoch zunächst Spekulationen auf ein baldiges drittes Konjunkturprogramm der Fed für die lahmende US-Wirtschaft angefacht hatte. Am Donnerstag ruderte der Währungshüter vor dem Bankenausschuss des Senats jedoch wieder zurück. Die Notenbank sei derzeit nicht bereit, die Geldpolitik ein weiteres Mal zu lockern, da die Inflation seit Ende 2010 zugenommen habe, erklärte er. Für Enttäuschung sorgten am Markt US-Konjunkturdaten zur Industrieproduktion und zum Verbrauchervertrauen.

Vor der Veröffentlichung der Stresstest-Ergebnisse vor Börsenchluss zählten die Finanztitel zu den größten Verlierern. Die Commerzbank-Aktie war mit einem Minus von knapp drei Prozent Schlusslicht im Dax. Deutsche Bank büßten 1,5 Prozent ein. Der europäische Bankenindex notierte 0,9 Prozent schwächer.

Autowerte sind die Gewinner

Zu den größten Gewinnern zählten Titel aus der Autobranche, nachdem Goldman Sachs die Kursziele mehrerer Werte angehoben hatte. Volkswagen legten um 2,9 Prozent zu , BMW stiegen um 2,4 Prozent. Der Volkswagen-Konzern punktete zudem mit einem Auslieferungsrekord im ersten Halbjahr. Im MDax arbeiteten sich Continental und Leoni weit nach oben vor. Nachsitzen mussten dagegen ElringKlinger, die nach einer Verkaufsempfehlung der Goldman-Analysten um 3,7 Prozent abrutschten und damit zu den schwächsten Werten im MDax zählten.

Auf der Gewinnerliste im Dax standen auch die Aktien der Deutschen Börse. Nach dem Etappensieg auf dem Weg zur Fusion mit der Nyse legten sie 1,9 Prozent zu. Die zum Tausch angedienten Aktien notierten 1,2 Prozent im Plus. Vorläufigen Zahlen zufolge sind mehr als 80 Prozent des Grundkapitals für den Tausch in Aktien des neuen Unternehmens angedient worden. Notwendig waren 75 Prozent. Die Luft sei jetzt erst einmal etwas raus, nachdem die Fusion vonseiten der Aktionäre abgesegnet worden sei, sagte ein Händler.

Angesichts der Unsicherheit an den Märkten waren die als defensiv geltenden Gesundheitswerte Fresenius und Fresenius Medical Care Spitzenreiter im Dax – mit Zuwächsen von knapp vier beziehungsweise gut drei Prozent. Ein besonderer Hintergrund des Anstiegs sei nicht zu erkennen, sagten Händler.

Nach den Commerzbank-Titeln zweitschwächster Wert im Leitindex war die Infineon-Aktie, die Händlern zufolge von einem skeptischen Analystenkommentar ausgebremst wurde. Die Aktien des Chipherstellers fielen um 2,4 Prozent auf 7,27 Euro. Börsianern zufolge hat ein großes US-Investmenthaus das Kursziel auf acht von 8,80 Euro gesenkt.

Spitzenwert im MDax waren Hugo Boss, die um 6,7 Prozent auf 77 Euro hochschossen und zeitweise sogar ein Allzeithoch von 77,25 Euro erreichten. Der Modekonzern hat nach einem Gewinnsprung im ersten Halbjahr seine Jahresprognose für 2011 heraufgesetzt. Die Zahlen hätten die Erwartungen deutlich übertroffen, sagte ein Händler. Unter den größten Verlierern im Nebenwerteindex waren Wincor Nixdorf mit einem Abschlag von 3,8 Prozent. Die Aktie sei unter die Tiefstände der vergangenen Monate gefallen, das habe den Verkaufsdruck erhöht, sagte ein Händler.