Börsen-Bericht

US-Schulden und Bankenstresstest belasten den Dax

Mit großer Sorge beobachten die Anleger die Schuldenkrise in Europa und in den USA. Der deutsche Leitindex verliert erneut an Boden.

Der Dax hat weiter an Boden verloren. „Es gibt ein großes Gemisch an Unsicherheitsfaktoren – da wagt sich kaum jemand, bei Aktien zuzugreifen“, sagte ein Händler. Das deutsche Börsenbarometer gab um 0,3 Prozent auf 7192 Zähler nach, in der abgelaufenen Woche kommt der Leitindex auf ein Minus von 2,8 Prozent.

Neben der europäischen Schuldenkrise rückt auch der zähe Haushalsstreit in den USA immer stärker in den Fokus der Anleger. Nach Moody's hat nun auch die Ratingagentur Standard & Poor's mit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit gedroht, sollten die politischen Lager in Washington weiter keine Lösung finden.

Präsident Barack Obama braucht die Zustimmung des Kongresses , um die Verschuldungsgrenze von derzeit 14,3 Billionen Dollar anzuheben. Falls die Gespräche scheitern, sind die USA voraussichtlich ab dem 2. August zahlungsunfähig. Für Missmut sorgte laut Börsianern auch die Kehrtwende von US-Notenbankchef Ben Bernanke, der zunächst Spekulationen auf ein baldiges drittes Konjunkturprogramm der Fed für die lahmende US-Wirtschaft angefacht hatte.

Der Währungshüter ruderte jedoch vor dem Bankenausschuss des Senats jedoch wieder zurück. Die Notenbank sei derzeit nicht bereit, die Geldpolitik ein weiteres Mal zu lockern, da die Inflation seit Ende 2010 zugenommen habe, erklärte er. Neue Hinweise über den Zustand der US-Konjunktur erhoffen sich die Anleger von den anstehenden US-Konjunkturdaten. Auf der Agenda stehen unter anderem der New Yorker Industrieindex und das vorläufige Verbrauchervertrauen der Uni Michigan.

Im Blick haben die Investoren auch die Veröffentlichung der europäischen Bankenstresstests. Europaweit dürften bis zu 15 Banken durchgefallen sein, vor allem aus den Schuldenstaaten Spanien, Griechenland und Irland.

Als gefährdet gilt auch die österreichische Volksbanken-Holding ÖVAG. Die HSH Nordbank und die NordLB haben Kreisen zufolge nur knapp bestanden. „Böse Überraschungen erwarten wir nicht, sicher kann man sich aber erst sein, wenn die Fakten auf dem Tisch liegen“, sagte ein Händler. Im Dax zählten die Finanztitel zu den größten Verlierern. Commerzbank und Deutsche Bank büßten 1,9 beziehungsweise gut ein Prozent ein. Der europäische Bankenindex notierte 0,2 Prozent schwächer.

Autowerte gehören zu den Gewinnern

Zu den größten Gewinnern zählten dagegen die Autowerte: An die Spitze des Leitindex setzten sich BMW mit einem Plus von 1,6 Prozent auf 72,12 Euro. Goldman hatte das Kursziel auf 125 von 120 Euro erhöht. Eine ähnlich kräftige Kurszielanhebung auf 245 von 200 Euro ließ die Anleger bei Volkswagen zugreifen, die sich um 1,3 Prozent auf 148,65 Euro verteuerten. Gut kamen auch ein Auslieferungsrekord des Autokonzerns im ersten Halbjahr an. Daimler notierten gut ein Prozent fester.

Nachsitzen mussten dagegen ElringKlinger, die nach einer Verkaufsempfehlung durch die Goldman-Analysten im MDax um bis zu 3,7 Prozent abrutschten. Die Aktien des Autozulieferers Leoni arbeiteten sich dagegen auf der Gewinnerseite weit nach oben vor. In Reaktion auf eine Kurszielerhöhung von Goldman legten sie 1,6 Prozent zu.

Spitzenwert im MDax waren allerdings Hugo Boss, die in der Spitze um 7,1 Prozent auf einen Rekordwert von 77,25 Euro hochschossen. Der Modekonzern hat nach einem Gewinnsprung im ersten Halbjahr seine Jahresprognose für 2011 heraufgesetzt. Die Zahlen hätten die Erwartungen deutlich übertroffen, sagte ein Händler.