Finanzplätze

Nyse-Eigner segnen Fusion mit Deutscher Börse ab

Der Zusammenschluss von Deutscher Börse und Nyse rückt näher. Die Aktionäre des New Yorker Handelsplatzes haben mehrheitlich zugestimmt.

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Eigentlich sollte es eine nüchterne Geschäftsveranstaltung werden. In einem abgedunkelten Saal im siebten Stock der New Yorker Börse Nyse trafen sich die Aktionäre, um über den Zusammenschluss mit der Deutschen Börse abzustimmen. Doch die Dame, die sich als erstes zu Wort meldete, hatte ein anderes Anliegen. Sie erinnerte an den Holocaust und warnte vor einem Bündnis mit den Deutschen. „Es sind natürlich nicht die selben Leute wie damals“, sagte Evelyn Davis. Dennoch habe sie kein gutes Gefühl dabei, deshalb mahnte sie jeden Aktionär, mit „Nein“ zu stimmen.

Auf dem Podium nahmen Nyse-Chef Duncan Niederauer und seine beiden Kollegen aus dem Verwaltungsrat, Jan-Michiel Hessels und Marshall Carter, die Sorgen der Dame mit unbewegter Miene zur Kenntnis. Und die Herren mussten sich noch einige Fragen gefallen lassen. Denn wirklich erfreut waren zumindest die anwesenden Aktionäre nicht über die geplante Fusion. So war etwa Mawis Rodi wegen des stark schwankenden Wechselkurses zwischen Euro und Dollar verunsichert. Sie konnte insofern beruhigt werden, als sie sich künftig aussuchen kann, in welcher Währung sie ihre Dividende bekommt.

Dass die Aktionäre der Nyse das Megaprojekt ablehnen würden, war zwar nicht zu erwarten. Dennoch war Duncan Niederauer und seinen Kollegen die Erleichterung anzumerken, als um kurz nach halb neun das vorläufige Ergebnis verkündet wurde. 65,6 Prozent der Aktionäre stimmten dem Zusammenschluss zu. Notwendig waren mindestens 50 Prozent. Duncan Niederauer machte keinen Hehl daraus, dass er sich ein wenig mehr erhofft hatte. „Wir sind ein bisschen enttäuscht, dass so wenig Aktionäre abgestimmt haben“, sagte der Nyse-Chef. Immerhin war unter denjenigen, die teilgenommen hatten, die Meinung einhellig: 96 Prozent von ihnen hatten der Fusion ihr Okay gegeben.

Bis kommenden Mittwoch müssen sich nun die Anteilseigner der Deutschen Börse entscheiden. Von ihnen müssen 75 Prozent das Umtauschangebot annehmen. „Das wird ein spannendes Abenteuer“, sagte Niederauer. Denn dabei kommt es noch mehr auf den einzelnen Aktionär an als bei der Entscheidung in den USA. Und drei Viertel der Stimmen sind eine hohe Hürde. Allerdings habe er keinen einzigen Aktionär der Deutschen Börse getroffen, der dem Projekt ablehnend gegenüber stehe, so Niederauer. Sollte auch hier alles nach Plan laufen, liegt es an den Wettbewerbsbehörden, das Projekt möglichst bis Jahresende abzusegnen.

Wie viele Arbeitsplätze bei dem Zusammenschluss zur weltgrößten Börse wegfallen werden, ist nicht bekannt. In Deutschland befürchten die Arbeitnehmer, dass sie dabei das Nachsehen haben werden. Niederauer aber deutete an, dass sich Entlassungen in etwa an der derzeitigen Verteilung der Mitarbeiter orientieren würden. Zwei Drittel der Angestellten der geplanten Megabörse arbeiten außerhalb der USA. Folglich würden auch zwei Drittel der Entlassungen außerhalb der USA stattfinden.