Börsen-Bericht

Moody's USA-Schelte und Italien-Sorgen drücken Dax

Nach wie vor halten sich Anleger zurück. Der Grund: Der Warnschuss der Rating-Agentur Moody's die US-Bonität abzustufen und die Euro-Krise.

Der Warnschuss der Ratingagentur Moody's an die Adresse der USA und Unsicherheit über den nächsten Akt in Europas Schuldendrama hat die europäischen Aktienbörsen belastet. Der Dax fiel bis zum Mittag um 0,8 Prozent auf 7212 Punkte, die europäischen Stoxx50 verloren je 0,8 Prozent.

Die Börsen in Athen und Mailand gaben ebenfalls etwa je ein Prozent nach. „Die Anleger sind sehr nervös, daher sind die Umsätze auch gering. Keiner weiß so recht, was als nächstes kommt“, sagte ein Händler. „Wer kann, macht gar nichts.“ Auffällig sei aber, dass bei fallenden Kursen der Umsatz meist zunehme.

Moody's hatte mit einem umgehenden Entzug der Bonitäts-Bestnote für die weltgrößte Volkswirtschaft gedroht, da sich die Parteien in Washington bislang nicht auf eine Anhebung der Schuldenobergrenze einigen konnten. An der Wall Street hatte dies zu einer Eingrenzung der Gewinne geführt.

Für Unsicherheit sorgte am späten Vormittag die Ereignisse in Rom, wo die Regierung eine Abstimmung über das Sparpaket mit einer Vertrauensfrage verknüpfte. Zudem nahm Italien an den Rentenmärkten zusätzliche Gelder auf, musste dafür aber deutlich höhere Risikoaufschläge zahlen.

Für Gesprächsstoff bei den Unternehmen sorgte vor allem die Software AG, deren Aktien im TecDax um bis zu 16 Prozent auf 35,32 Euro einbrachen und auch die im Dax notierten SAP um bis zu drei Prozent auf 40,73 Euro ins Minus drückten. Das Darmstädter Softwarehaus hatte seinen Quartalsbericht vorgelegt und mitgeteilt, dass die Nachfrage nach der Implementierung von SAP-Produkten weiter hinter dem Vorjahr zurückgeblieben sei.

„Während wir die Schwäche aufgrund der Währungseffekte nachvollziehen können, sind wir über das schwache SAP Implementierungsgeschäft in Europa überrascht“, erklärte DZ-Bank-Analyst Oliver Finger.

Durchsuchungen im Zusammenhang mit Bestechungsvorwürfen bei Europas größtem Elektronikhändler Media-Saturn machten den Aktien der Konzernmutter Metro zu schaffen. Bis zu 1,7 Prozent auf 39,85 Euro haben die Titel nachgegeben und zählten damit im Dax zu den größten Verlierern. „Obwohl Media Saturn mit der Staatsanwaltschaft kooperiert, ist das negativ für Metro“, sagte ein Händler.

Gegen den Trend standen dagegen die Autowerte weiter hoch im Kurs: BMW stiegen um 1,4 Prozent auf 71,15 Euro, VW legten 1,4 Prozent auf 148,80 Euro zu und Daimler gewannen ein Prozent auf 53,70 Euro. „Der Autoindustrie trauen die Anleger nach den BMW-Zahlen weiterhin Außergewöhnliches zu, das ist schon überraschend, was da eingepreist wird“, kommentierte ein Börsianer.

Eckdaten der VW-Tochter Audi für das erste Halbjahr stützten die Tendenz.BASF profitierten von Aussagen des Branchenverbandes VCI, wonach die Branche auf ein neues Rekordjahr zusteuert. Die Titel drehten kurzzeitig ins Plus.

Im MDax verloren nach unter den Erwartungen liegenden Quartalszahlen die Aktien von Heidelberger Druck 2,9 Prozent auf 2,37 Euro. „Zum einen waren die Zahlen eine Enttäuschung, zum anderen ist der Ausblick ziemlich vage. Das kommt beim Anleger halt nicht gut an“, fasste ein Börsianer zusammen.