Euro-Krise

Schweizer Banken leiden unter risikoscheuen Kunden

Die Euro-Krise trifft Schweizer Banken durch die Hintertür. Ihre Kunden parken ihr Geld auf dem Konto, weil der starke Franken Rendite kostet.

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Anleihen von Griechenland und Portugal haben die Schweizer Großbanken kaum in ihren Büchern. Aber der starke Franken und umsatzschwache Finanzmärkte konfrontieren Credit Suisse und UBS sehr wohl mit der Schuldenkrise. Wenn die beiden führenden eidgenössischen Geldhäuser Ende des Monats ihre Halbjahresabschlüsse vorlegen, werden sie wohl Kostensenkungen ankündigen.

„Die Angst vor einem Stellenabbau geht seit einiger Zeit um“, sagte ein Portfolio-Manager bei einer Großbank: „Es gibt in der Branche alle Arten von Gerüchten und Spekulationen.“ Die Euro-Schuldenkrise hat reiche Kunden der Vermögensverwaltungsbanken risikoscheu gemacht, diagnostiziert Chris Iggo, Chief Investment Officer von Axa Investment Managers. Wenn sie ihr Vermögen überhaupt noch zur Bank bringen und nicht lieber gleich in sichere Immobilien investieren, lassen sie es schlicht und einfach auf dem Konto liegen. Rund ein Drittel der Vermögen ist nach Angaben der Banken so geparkt – drei Mal so viel wie in normalen Jahren.

Die Bank muss das Geld verzinsen, Gebühren und Kommissionen lassen sich so nicht verdienen. Aber selbst wenn Geld investiert ist, bringt es den Banken weniger ein. Bei Schweizer Banken ist mehr als die Hälfte der Kundengelder in fremden Währungen angelegt. In Franken gerechnet, wird das Geld immer weniger.

Die darauf fälligen Gebühren nehmen ab, während die Kosten zum größten Teil weiterhin in Franken anfallen. Der Gewinn aus dem für die Banken wichtigen Vermögensverwaltungsgeschäft gerät daher unter Druck. Bei UBS lauten jeweils etwa 30 Prozent der verwalteten Vermögen auf Euro und Dollar, die allein im zweiten Quartal zum Franken acht bis neun Prozent verloren haben.

Im Investmentbanking schlagen Währungseffekte nicht so stark zu Buche. Nicht nur die Einnahmen, sondern auch die Kosten werden überwiegend in Dollar und in Pfund Sterling gerechnet. Aber, so ZKB-Bankenanalyst Andreas Venditti, die Schuldenkrise und abbröckelnde Kurse und Volumen an den Aktienmärkten drücken auf die Umsätze. Zwischen zwölf und rund 20 Prozent könnten weltweit die Einnahmen bei den Investmentbanken wegen der Euro-Krise im zweiten Quartal zurückgegangen sein, schätzt JP Morgan.

Angesichts kaum wachsender oder gar sinkender Einnahmen bei gleichzeitig steigenden Kosten droht ein Stellenabbau. „Die Kapazitäten sind zu groß, und das drückt auf die Margen“, sagte ein Londoner Investmentbanker, der nicht genannt werden wollte. Vor allem den Handel mit Aktien hätten Banken wie Barclays und Credit Suisse personell ausgebaut in der Hoffnung, dass die Märkte wieder anspringen.

Aber auch im auf Stetigkeit und Solidität bedachten Schweizer Vermögensverwaltungsgeschäft scheinen Entlassungen nicht mehr undenkbar. Die Beratungsgesellschaft PwC hat in einer Umfrage herausgefunden, dass sich erheblich mehr Schweizer Banken als bisher mit dem Gedanken tragen, Kundenberater zu entlassen, wenn sie die erwartete Leistung nicht bringen. „Früher ein ganz klares Tabu“, erklärt PwC-Experte Martin Schilling.

UBS kündigte kürzlich den Abbau von 500 Stellen in der Informatik an. UBS-Präsident Kaspar Villiger wollte weitere Stellenstreichungen nicht ausschließen. „Wir werden die Kosten stark bewirtschaften müssen“, sagte er in einem Interview der „SonntagsZeitung“. UBS habe Arbeitsgruppen eingerichtet, die auf der Suche nach Einsparmöglichkeiten seien, berichtete der „Tages-Anzeiger“.

Es sei mit Tausenden von Betroffenen zu rechnen. UBS wollte den Bericht nicht kommentieren. Auch Credit Suisse will sich zu Berichten über einen geplanten Stellenabbau nicht äußern. Die zweitgrößte Schweizer Bank bezifferte den währungsbedingten Vorsteuerverlust in der Vermögensverwaltung im ersten Quartal auf 130 Mio. Franken.

„Es läuft etwas“, sagte Vontobel-Analystin Teresa Nielsen. Es würden wohl auch Pläne für einen Stellenabbau gewälzt. Die Finanzmärkte dürften sich auch im zweiten Halbjahr nicht nennenswert erholen, und auch die Währung werde ein Problem bleiben. Die Aktien von UBS und Credit Suisse notieren in der Nähe ihrer Jahrestiefs. Ein scharfes Kostensenkungsprogramm könnte den Titeln Schub verleihen.