Börsen-Bericht

Dax-Anleger gönnen sich Pause von der Euro-Krise

Nach starken Verlusten hat sich der Dax erst einmal wieder ins Plus gerettet. Die Angst vor einer Eskalation der Euro-Krise lässt nach.

Nach den jüngsten Turbulenzen ist an den europäischen Aktienmärkten wieder etwas Ruhe eingekehrt. Die Anleger haben ihre Angst vor einer Eskalation der Schuldenkrise erst einmal vom Tisch gewischt. „Nach den Kursverlusten der vergangenen Tage ist Durchatmen angesagt“, sagte ein Händler. Der Dax, der seit Wochenbeginn knapp drei Prozent verloren hat, kletterte bis zum Mittag um 0,8 Prozent auf 7228 Punkte.

Der EuroStoxx50 notierte 0,7 Prozent fester. Allerdings zweifelten Händler daran, dass die Erholung von langer Dauer ist. Kopfzerbrechen bereitete die Herunterstufung Irlands durch Moody’s auf Ramschniveau. Die Ratingagentur hatte den Schritt mit der höheren Wahrscheinlichkeit eines zweiten Hilfspakets begründet.

In puncto Griechenland warten die Anleger laut Börsianern weiter auf klare Signale von Seiten der europäischen Spitzenpolitiker. Die Euro-Finanzminister hatten bei ihrem jüngsten Treffen angesichts der drohenden Staatspleite des Landes auch eine Umschuldung nicht mehr ausgeschlossen. Spekulationen auf einen kurzfristigen Sondergipfel zur Schuldenkrise wurden durch die Bundesregierung gedämpft. Am Vorabend hatte Finanzminister Wolfgang Schäuble noch erklärt, womöglich müssten die Staats- und Regierungschefs der EU persönlich zusammentreffen, um den Finanzmärkten mehr Vertrauen zu geben, dass die aktuelle Krise überwunden werden kann.

Gestützt wurde der deutsche Aktienmarkt von den Autowerten. Daimler, BMW und Volkswagen legten jeweils gut zwei Prozent zu und belegten damit die ersten drei Plätze im Dax. Laut Händlern reagierten die Aktien auf das weiterhin robuste Wirtschaftswachstum in China. Das Bruttoinlandsprodukt erhöhte sich im zweiten Quartal um 9,5 Prozent gemessen am Vorjahreszeitraum.

Das war zwar der geringste Zuwachs seit knapp zwei Jahren, doch wurden die Prognosen der Analysten leicht übertroffen. Positiv wirkte sich auch noch die Anhebung der Prognose bei BMW vom Vortag aus. Die Münchener schraubten am Dienstag ihren Ausblick für das laufende Jahr nach oben und rechnen 2011 nun mit einem Rekordabsatz von über 1,6 Millionen Autos.

Abschläge mussten dagegen Henkel und Beiersdorf hinnehmen. Die Aktien verloren 1,8 beziehungsweise 1,5 Prozent. L’Oreal fielen an der Pariser Börse um 6,6 Prozent auf 82,10 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit knapp drei Monaten. Dem weltgrößten Kosmetikersteller macht die schwache Nachfrage in Nordamerika und Osteuropa zu schaffen.

Auch wenn L’Oreal an seinen Jahreszielen festhalte, sorge die enttäuschende Entwicklung für schlechte Laune im gesamten Sektor, sagte ein Händler. Im MDax trieben die gut laufenden Geschäfte mit der Pharmaindustrie die Aktien von Gerresheimer auf ein Drei-Jahres-Hoch.

Die Papiere des Spezialverpackungsherstellers verteuerten sich in der Spitze um 8,7 Prozent auf 35,25 Euro. Im MDax, der 0,9 Prozent im Plus notierte, lagen sie damit auf der Pole Position. Mit seinen Zuwächsen im zweiten Quartal übertraf der Düsseldorfer Konzern die Analystenschätzungen. „Das Gesamtbild stimmt, damit könnte auch das zweite Halbjahr positiv überraschen“, sagte ein Händler.