Trotz Schuldenkrise

Pimco greift bei italienischen Staatsanleihen zu

Bereits seit 2010 weiß Pimco-Analyst Andrew Bosomworth, dass Italien seine Schulden nicht los wird. Dramatisch sei die Lage jedoch noch nicht.

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Andrew Bosomworth ist ein Mann klarer Worte. Ende 2010 prophezeite er im Interview mit „Morgenpost Online“, dass die Euro-Krise auch 2011 die Finanzmärkte beherrscht und ein Land wie Italien über kurz oder lang auf die Unterstützung anderer EU-Mitglieder angewiesen sein wird.

Bosomworth leitet das Portfoliomanagement von Pimco in München. Die Tochtergesellschaft des Versicherers Allianz ist mit einem verwalteten Vermögen von einer Billion Dollar weltweit die Nummer eins unter den Anleiheinvestoren.

Morgenpost Online: Herr Bosomworth, wie dramatisch ist die Lage?

Andrew Bosomworth: Die Situation an den Kapitalmärkten ist kritisch. Italien hat viele Schulden und muss sich hohe Summen pro Jahr von Investoren ausleihen . Das Land kann es sich nicht leisten, von den Kapitalmärkten abgeschnitten zu werden.

Morgenpost Online: Noch bekommt Italien Geld.

Bosomworth: Das ist richtig. Der Donnerstag wird ein sehr wichtiger Tag, denn dann will sich Italien fünf Milliarden Euro am Kapitalmarkt besorgen. Dass sollte gelingen, sonst könnten die nächsten Schockwellen die Börsen erfassen.

Morgenpost Online: Nach Griechenland also nun Italien?

Bosomworth: Nein, Griechenland und Italien sind sehr unterschiedlich. Im Kern geht es natürlich in beiden Fällen um die zu hohe Verschuldung. Doch das Haushaltsdefizit in Italien ist geringer, die laufenden Steuereinnahmen sehr viel höher. Zudem wird der Großteil der Anleihen in Italien von einheimischen Sparern gehalten. Das reduziert die Gefahr, dass viel Geld aus dem Land abgezogen wird.

Morgenpost Online: Dann ist doch alles halb so schlimm?

Bosomworth: Locker sollte dies niemand nehmen. Italien ist einer der größten Anleihenschuldner der Welt, bald alle zwei Wochen muss das Land neue Anleihen emittieren, um auslaufende Papiere abzulösen. Wenn es da zum Käuferstreik kommt, schießen die Zinsen nach oben. Und bleiben die Zinsen dauerhaft auf hohem Niveau, werden allein dadurch die Schulden weiter steigen.

Morgenpost Online: Was muss geschehen?

Bosomworth: Es mag langweilig klingen, weil wir es immer wieder sagen: In allen südlichen Ländern der Eurozone müssen tief greifende Strukturreformen umgesetzt werden – Ankündigungen allein werden die Märkte nicht beruhigen.

Morgenpost Online: Es kann Jahre dauern, bis solche Reformen greifen.

Bosomworth: Die über Jahre hinweg aufgestauten Probleme lassen sich nun einmal nicht rasch lösen. Zunächst wäre für Länder wie Italien, Spanien oder Belgien schon dann viel gewonnen, wenn es endlich Fortschritte in Griechenland geben würde. Die Politik muss endlich erkennen, dass Sparen allein dort nicht hilft. Deshalb wird es aller Voraussicht nach eine Umschuldung geben müssen, eine geordnete wohlgemerkt, so wie sie längst angedacht ist.

Morgenpost Online: Ende 2010 forderten Sie noch den Austritt Griechenlands aus der Eurozone.

Bosomworth: Das ist nicht mehr kontrolliert zu machen. Ein Austritt würde mit einem ungeordneten Kapitalschnitt einhergehen und die Märkte ins Chaos stürzen. Zudem bin ich davon überzeugt, dass der politische Wille einfach zu groß ist, die Eurozone zusammenzuhalten.

Morgenpost Online: Allein mit einer Umschuldung ist es auch in Griechenland nicht getan. Wie lässt sich in den kommenden Wochen ein möglicher Dominoeffekt aufhalten?

Bosomworth: Ich erwarte derzeit nicht, dass die Situation außer Kontrolle gerät. Falls doch, ist die einzige Institution, die helfen kann, die Europäische Zentralbank. Sie müsste massiv Staatsanleihen kaufen und so den Zinsanstieg aufhalten.

Morgenpost Online: Das wird sie kaum wollen.

Bosomworth: Ihr würde nichts anderes übrig bleiben.

Morgenpost Online: Hat Pimco seine italienischen Staatsanleihen verkauft?

Bosomworth: Wir haben unsere Position bereits vor längerer Zeit deutlich reduziert. Die jüngsten Kursrückgänge halten wir jedoch aus fundamentaler Sicht für übertrieben und haben sie zu einzelnen Käufen genutzt. Wie gesagt, Italien ist nicht Griechenland.