Börsen-Bericht

Anleger hoffen auf Bekämpfung der Euro-Krise

Der Dax hat die Kursverluste bis zum Handelsende eingrenzen können. Die Euro-Krise hatte die Märkte zuvor stundenlang in Atem gehalten.

Die Schuldenkrise in Europa hat die Finanzmärkte durchgerüttelt. Vor allem in den ersten Handelsstunden fürchteten Anleger, dass sich ein Übergreifen auf andere Sorgenkinder der EU kaum noch vermeiden lässt. „Weil nun auch Italien massiv unter Druck steht, ist die Unsicherheit einfach wahnsinnig groß“, sagte ein Händler.

Im Tagesverlauf machten sich aber Hoffnungen auf Fortschritte bei der Bekämpfung der Krise breit, nachdem sich ein EU-Sondergipfel zu dem Thema für Freitag abzeichnete. Der Dax rutschte bei hohen Umsätzen zeitweise um mehr als drei Prozent ab unter die Marke von 7000 Punkten. Der deutsche Leitindex schloss 0,8 Prozent schwächer bei 7174,14 Punkten.

Bereits am Vortag hatte er über zwei Prozent verloren. Der italienische Leitindex rauschte in der Spitze um 4,8 Prozent die Tiefe und notierte damit so niedrig wie seit April 2009 nicht mehr. Zum Handelsschluss hatte er seine Verluste aber wettgemacht und beendete den Tag 1,2 Prozent fester. An den US-Börsen wagten sich die Anleger nur zaghaft aus der Deckung, Dow Jones und S&P 500 notierten leicht im Plus. Der Euro fiel auf ein Vier-Monats-Tief von 1,3838 Dollar, kämpfte sich bis zum Börsenschluss in Europa aber wieder auf Sichtweite zur Marke von 1,40 Dollar heran.

Dazu trug auch ein unerwartet hohes US-Außenhandelsdefizit im Mai bei, was die Gewinne des Dollar abschmelzen ließ. Am Rentenmarkt kletterte die Rendite der italienischen zehnjährigen Staatsanleihen mit sechs Prozent auf den höchsten Stand seit 14 Jahren. Auch hier beruhigten sich die Kurse wieder, nachdem eine Auktion von italienischen Staatsanleihen mit zwölfmonatiger Laufzeit nach Einschätzung von Börsianern erfolgreich verlaufen war. Allerdings war die Rendite der Papiere mit 3,67 Prozent so hoch wie seit September 2008 nicht mehr.

Die wachsenden Sorgen vor einem Staatspleite Italiens hatten den Ausverkauf an den Märkten zuletzt beschleunigt. Das Mittelmeerland drückt ein Schuldenberg von rund 120 Prozent des jährlichen Bruttoinlandprodukts. Sollte Italien nun in den Teufelskreislauf steigender Zins- und Schuldlasten geraten, wären die Folgen weitaus gravierender als beim kleineren Griechenland. Experten gehen davon aus, dass der Euro-Rettungsschirm mit einer faktischen Staatspleite dieser Größe überfordert wäre. Nach Einschätzung von Händlern hoffen die Märkte jedoch, dass die EU die Krise doch noch in den Griff bekommt.

Auf einer Marathonsitzung hatten die Finanzminister der Eurogruppe in der Nacht zum Dienstag beschlossen, die Finanzhilfen für das ebenfalls schwer angeschlagene Griechenland länger und zu niedrigeren Zinsen als bisher geplant zu gewähren. Das zweite Rettungspaket für das Land wurde noch nicht beschlossen, soll aber bald stehen.

Griechische Pleite nicht ausgeschlossen

Eine Staatspleite Griechenlands wird von EU-Regierungsmitgliedern erstmals nicht mehr ausgeschlossen. Eine Achterbahnfahrt erlebten vor allem die Finanztitel: Der europäische Bankenindex verlor zunächst mehr als zwei Prozent, drehte dann aber ins Plus und schloss 0,1 Prozent im Minus.

Unicredit fielen in Mailand in der Spitze um acht Prozent auf 1,06 Euro, schlossen dann aber 5,9 Prozent höher. In Frankfurt kamen die Deutsche Bank und die Commerzbank zeitweise mit Abschlägen von mehr als fünf Prozent unter die Räder, bevor sie auf Erholungskurs gingen. Die Commerzbank wies zum Handelsende ein Minus von 0,3 Prozent und die Deutsche Bank einen Abschlag von einem Prozent aus.

Zu den größten Dax-Gewinnern zählte MAN mit einem Aufschlag von bis zu 2,9 Prozent. Händlern zufolge gab es Spekulationen, dass VW weitere Aktien an dem Lkw-Bauer zukauft. Analysten zufolge dürfte VW langfristig eine Dreiviertel-Mehrheit anpeilen, um bei MAN in allen Belangen regieren zu können. Die Wolfsburger hatten Anfang Juli 56 Prozent an MAN erworben. Ein Sprecher von VW sagte, man sei mit dem Ergebnis des Pflichtangebots zufrieden. Nun gelte es, die Freigabe der Kartellbehörden abzuwarten. MAN wollte sich dazu nicht äußern.

Die Anhebung der Gewinn- und Absatzprognose bei BMW schob die Aktien des Autoherstellers um 0,7 Prozent ins Plus. Die Zahlen zeigten, dass BMW sich in seinem Bereich gut behaupte, sagte Arndt Ellinghorst, Analyst bei der Credit Suisse. Die übrigen Autowerte zogen ebenfalls an: Daimler waren mit 1,2 Prozent größter Dax-Gewinner, Volkswagen gewannen 0,6 Prozent.