Italien-Krise

Anleger in Europa verkaufen panikartig ihre Aktien

Die EU zittert vor einer Infektion Italiens mit dem Krisenvirus. An vielen Märkten fallen die Kurse, der Euro sackt ab. Die Politik beschwichtigt.

Die Schuldenkrise in Europa hat die Finanzmärkte am Dienstag durchgerüttelt. Immer mehr Anleger fürchten, dass sich ein Übergreifen auf andere Sorgenkinder der EU kaum noch vermeiden lässt. „Weil nun auch Italien massiv unter Druck steht, ist die Unsicherheit einfach wahnsinnig groß“, sagte ein Händler. Der Dax rutschte bei hohen Umsätzen zeitweise um mehr als drei Prozent ab unter die Marke von 7000 Punkten. Bis zum Mittag notierte der deutsche Leitindex noch 2,4 Prozent schwächer bei 7057 Punkten. Der italienische Leitindex rauschte in der Spitze um 4,8 Prozent die Tiefe, seit Monatsbeginn hat er mehr als neun Prozent verloren. Die Rendite der italienischen zehnjährigen Staatsanleihen kletterte mit sechs Prozent auf den höchsten Stand seit 14 Jahren. Der Euro fiel auf ein Vier-Monats-Tief von 1,3838 Dollar.

Die wachsenden Sorgen vor einem Staatspleite Italiens hatten den Ausverkauf an den Märkten zuletzt beschleunigt. Das Mittelmeerland drückt ein Schuldenberg von rund 120 Prozent des jährlichen Bruttoinlandprodukts. Sollte Italien nun in den Teufelskreislauf steigender Zins- und Schuldlasten geraten, wären die Folgen weitaus gravierender als beim kleineren Griechenland. Experten gehen davon aus, dass der Euro-Rettungsschirm mit einer faktischen Staatspleite dieser Größe überfordert wäre.

Commerzbank-Analystin Antje Praefcke rechnet aber damit, dass sich die Lage an den Märkten wieder beruhigt, wenn das zweite Rettungspaket für Griechenland steht. In Brüssel setzen die EU-Finanzminister am Dienstag ihre Beratungen fort. „Die Anleger wollen eine klare Linie sehen und wissen, wohin die Reise geht. Derzeit herrscht an den Märkten einfach nur Panik,“ sagte die Devisen-Expertin. Die Eurogruppe ringt schon seit fast zwei Monaten um eine neue Strategie zur Rettung Griechenlands. Das erste, 110 Milliarden Euro schwere Kreditpaket war nicht groß genug, um dem Land wieder auf die Beine zu helfen.

Anleger lassen Finanztitel fallen

Auf Talfahrt gingen an den Märkten erneut vor allem die Finanztitel: Der europäische Bankenindex verlor mehr als zwei Prozent, der griechische Bankenindex mehr als fünf Prozent. Unicredit in Mailand fielen in der Spitze um acht Prozent auf 1,06 Euro. Zwei Mal binnen zwei Stunden mussten die Titel an der Mailänder Börse wegen zu hoher Kursschwankungen ausgesetzt werden. Die Aktien haben allein seit Anfang Juli 30 Prozent an Wert verloren. Auch die Intesa Sanpaolo blieben unter Druck und verloren zweitweise 7,3 Prozent. In Frankfurt kamen die Deutsche Bank und die Commerzbank zeitweise mit Abschlägen von mehr als fünf Prozent unter die Räder. Einige Experten machen vor allem die Regierungen der EU für die Entwicklung verantwortlich: Sie hätten die Schuldenproblematik in einigen europäischen Ländern schon längst klären können, sagte Oon-Marc Valahu, Fondsmanager bei der in Genf ansässigen ClairInvest. „Sie haben es nicht getan, und nun greift es auf andere Märkte über.“