Private Vorsorge

Viele Riester-Anbieter legen Kosten nicht offen

Nur jeder vierte Riester-Vertrag weist die Kosten laut einer Studie klar und nachvollziehbar aus. Ein Beipackzettel soll das Chaos entwirren.

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Groß war der Aufschrei, als der Ergo-Konzern einräumen musste, bei tausenden Riester-Verträgen zu hohe Gebühren kassiert zu haben. Die Kunden bekommen nun Geld zurück. Doch es ist eher ungewöhnlich, dass ein Versicherer zu viel berechnet. Üblicherweise läuft es so: Die Gebühren von Riester-Verträgen sind mathematisch sauber kalkuliert – aber so unverständlich präsentiert , dass ein normaler Sparer sie schlicht nicht nachvollziehen kann. Auch deshalb steht die Riester-Rente seit ihrer Einführung im Jahr 2001 in der Kritik. Verständlicher sind die Verträge und ihre Kosten deshalb über die Jahre aber nicht geworden.

Wie aus einer Untersuchung des unabhängigen Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) hervorgeht, die "Morgenpost Online“ vorliegt, weist nur ein Viertel aller Anbieter die Kosten von Riester-Versicherungen und Riester-Fondspolicen klar und nachvollziehbar aus. Zwar gibt es die gesetzliche Pflicht, die Gebühren, die für Abschluss und Management des Vertrags anfallen, in Euro anzugeben.

Bei der Umsetzung der Regel sind die Anbieter aber erfinderisch. „Es gibt große Unterschiede bei der Transparenz gegenüber dem Kunden“, sagt IVFP-Geschäftsführer Michael Hauer. „Teils werden die Kosten nur im Fließtext abgebildet und über undurchsichtige Zeiträume hinweg kumuliert.“

Für die Studie wurden 80 Tarife von 65 Anbietern verglichen. Betrachtet wurden klassische Riester-Rentenversicherungen und Riester-Fondspolicen. Auch in anderen Punkten sind viele Versicherer den Kunden gegenüber nicht offen. Zwar führen 80 Prozent der Anbieter laut Studie inzwischen die Kosten für eine Kündigung des Vertrages genau auf.

Wer freiwillig mehr Geld in seinen Riester-Vertrag einzahlt, als er zur Erlangung der staatlichen Förderung müsste, wird dagegen oft über die Kosten im Unklaren gelassen. Nur die Hälfte der Anbieter weist der Untersuchung zufolge gut nachvollziehbar aus, welche Gebühren für die Aufstockung anfallen.

Ebenfalls nur bei der Hälfte der Gesellschaften stehen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen im Internet, ein Viertel bietet eine Modellrechnung für interessierte Sparer an. „Die Gesellschaften werden zwar transparenter, sind aber immer noch nicht da, wo sie sein sollten“, sagt IVFP-Geschäftsführer Hauer mit Blick auf ähnliche Studien des Instituts in den vergangenen Jahren. „Ein durchschnittlicher Kunde kann die meisten Verträge immer noch nicht verstehen.“

Bundesregierung plant Beipackzettel

Das will die Bundesregierung nun ändern. Künftig soll es für Riester-Verträge ein Produkt-Informationsblatt geben, mit dem sich der Sparer schnell und übersichtlich ein Bild machen kann. „Das Informationsblatt soll einen verständlichen und knappen Überblick über die wesentlichen Merkmale des Vertrags einschließlich der Kosten geben“, sagt ein Sprecher des federführenden Bundesfinanzministeriums. „Dadurch wird eine bessere Vergleichbarkeit und mehr Transparenz hergestellt.“

Die neuen Regeln, die in der Frühphase der Abstimmung sind, sollen bis Jahresende beschlossen sein und ab 2013 gelten. Auf zwei Seiten soll der Sparer dann alles Relevante nachlesen können: Leistungen, Garantien, Kosten und Risiken. So sollen die Produkte in fünf Risikogruppen eingeteilt werden. Mehrere Szenarien zur künftigen Rendite sollen auf dem Infoblatt durchgespielt werden. Zudem ist geplant, dass jeder Riester-Sparer einmal jährlich über den Stand seines Vertrages informiert wird – also etwa über die bisherige Rendite, die angefallenen Kosten oder das garantierte Kapital zu Beginn der Auszahlphase.

Verbraucherschützer begrüßen das geplante neue Infoblatt. „Wir halten das für eine sehr notwendige Sache, um die Angebote tatsächlich vergleichen zu können“, sagt Lars Gatschke vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Doch es gibt auch Kritik: „Wir haben massive Probleme mit den geplanten Kennziffern zur Rendite-Minderung“, sagt Gatschke.

So will die Bundesregierung mit einer recht komplexen mathematischen Größe ausweisen lassen, wie die Kosten auf die Rendite drücken. Die Verbraucherschützer schlagen stattdessen eine Rechengröße vor, mit der man den Renditeverlust in Euro und Cent ausrechnen könnte. Kritik gibt es auch am Ausweis der Kosten an sich: Hier soll es einen Katalog von sieben verschiedenen Varianten geben.

Die Angabe der Kosten in Euro und Cent, wie sie jetzt noch Pflicht ist, soll dann allerdings wegfallen. „Hier muss es klare Angaben geben, damit niemand anfängt, zu tricksen und die Produkte schön zu rechnen“, fordert Gatschke. Die Wechselkosten sollen zudem nach dem Willen der Bundesregierung auf 150 Euro begrenzt werden – allerdings nur beim alten Anbieter. Was der neue Anbieter verlangt, soll nicht gedeckelt werden.

Ein weiterer Kritikpunkt der Verbraucherschützer: Das neue Infoblatt soll nur für Verträge gelten, die ab 2013 zertifiziert – also staatlich als Riester-Produkte anerkannt – werden. „Wir fürchten, dass die Anbieter auf Vorrat zertifizieren lassen“, sagt Gatschke. „Dann könnte es Jahre und Jahrzehnte dauern, bis das Infoblatt sich wirklich durchsetzt.“ Die Verbraucherschützer fordern stattdessen, dass die neuen Regeln für alle Verträge gelten, die ab dem Jahr 2013 verkauft werden.

Auch die Versicherungswirtschaft begrüßt die neuen Regeln übrigens, übt aber ebenfalls Kritik: Unter anderem weist sie darauf hin, dass eine so knappe Darstellung der Riester-Produkte schlicht unmöglich sei. Die geplanten insgesamt 18 Kriterien passten nicht auf zwei Seiten, moniert der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Nur die Aufzählung der 18 Punkte im Gesetzentwurf nehme schon mehr als eine Seite ein.