Börsen-Bericht

Kurssturz bei italienischen Bankentitel drückt Dax

Sorge um eine Ausweitung der europäischen Schuldenkrise trifft vor allem die Finanzwerte. Mögliche Kapitalerhöhung lässt RWE abrutschen.

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Angst vor Überschwappen der Schuldenkrise auf Italien belastet Börsen - EU-Spitzentreffen in Brüssel

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Ein Kurssturz italienischer Bankentitel hat am deutschen Aktienmarkt für Verunsicherung gesorgt. Der Dax notierte bis Freitagmittag nur noch 0,1 Prozent im Plus bei 7479 Zählern, nachdem er zuvor 0,5 Prozent fester gelegen hatte. Die Papiere der UniCredit waren um bis zu 6,6 Prozent abgerutscht und zeitweise vom Handel ausgesetzt worden. Intesa Sanpaolo und Banco Popolare gaben ebenfalls mehr als vier Prozent nach.

Allerdings sollen alle fünf italienischen Banken Branchenkreisen zufolge den EU-Stresstest bestanden haben. „Es gibt keine Probleme“, sagte eine der mit dem Ausgang der Prüfung vertraute Person am Freitag. An den Tests nahmen UniCredit, Intesa Sanpaolo, UBI Banca, Banca Monte dei Paschi di Siena und Banco Popolare teil.

„Nachdem Griechenland gerettet ist, schießen sich die Anleger auf die nächsten verschuldeten Staaten in Südeuropa ein und dazu gehört nun einmal auch Italien“, sagte ein Händler. Der italienische Leitindex fiel um mehr als zwei Prozent. Die Risikoaufschläge (Spreads) zehnjähriger italienischer Staatsanleihen zu den entsprechenden deutschen Papieren stiegen um 248 Basispunkte.

Hoffen auf US-Arbeitsmarktdaten

Am Morgen hatte die Hoffnung auf eine Erholung der US-Konjunktur die Dax-Anleger noch in Kauflaune versetzt. Die Regierung der größten Volkswirtschaft legt am Nachmittag den Arbeitsmarktbericht für Juni vor. „Nach den starken Zahlen der privaten Arbeitsagentur ADP vom Vortag hoffen nun viele auch hier auf eine Überraschung“, sagte ein Händler. Die Privatwirtschaft hatte im Juni deutlich mehr Stellen geschaffen als von Experten vorhergesagt.

Die Sorge um eine Ausweitung der europäischen Schuldenkrise traf vor allem die Finanzwerte. Commerzbank und Deutsche Bank fielen um 1,2 beziehungsweise 0,6 Prozent. Der europäische Bankenindex gab um mehr als ein Prozent nach.

Angeführt wurde die Verliererliste im Dax allerdings von RWE: Die Aktien gaben im Dax bis zu vier Prozent auf 36,98 Euro ab, weil der Energiekonzern zur Absicherung seines Kreditratings eine Kapitalerhöhung erwägt. Mit der Atomwende der Bundesregierung wäre eine Kapitalerhöhung keine Überraschung mehr, urteilte ein Händler. Nach der Warnung der Ratingagentur S&P dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis auch E.on unter Zugzwang gerate. S&P hatte am Donnerstag mitgeteilt, die Agentur schätzte die Kreditwürdigkeit des Energiekonzerns vorsichtiger ein als bislang, weil sich das Risikoprofil nach dem politischen Beschluss des Atomausstiegs verschlechtert habe. E.ON notierten 1,2 Prozent schwächer.

Keinesfalls in Shoppinglaune waren die Anleger auch bei Metro-Aktien: Die Aktien des Handelsriesen verbilligten sich um 1,3 Prozent auf 40,29 Euro. Die Analysten von Bofa/Merrill Lynch äußerten sich laut Händlern skeptisch zu den Gewinn- und Umsatzzielen des Konzerns. Sie setzten die Aktien auf „Underperform“ von „Neutral“ und senkten das Kursziel auf 42 (52,50) Euro.

Die Aktien der Deutschen Börse profitierten erneut von dem grünen Licht der Nyse-Aktionäre für den Zusammenschluss mit der Deutschen Börse und verteuerten sich um 2,1 Prozent auf 55,66 Euro. Auf der außerordentlichen Nyse-Hauptversammlung am Donnerstag hatte eine Mehrheit für die Fusion gestimmt. Die Entscheidung der Deutsche-Börse-Aktionäre ist noch offen.

Deutlich ins Minus rutschten dagegen Vossloh, die bis zu 14,2 Prozent auf 81,79 Euro abgaben. Sie waren damit so billig wie seit Mitte März nicht mehr. Nach der Rücknahme der Prognose für das laufende Jahr hat der Verkehrstechnikkonzern auch seine Ziele für 2012 gestrichen. „Die Prognose für 2012 ist hinfällig“, sagte ein Firmensprecher.