Zertifikate

So gehen Sie mit gestressten Banken auf Renditejagd

Drohende Staatspleiten und neuer Stresstest sorgen für Verunsicherung bei Bankaktien. Experten halten die Risikoabschläge für übertrieben.

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Europas Banken kommen nicht zur Ruhe. Die Erleichterung nach der mühsam errungenen neuen Rettungslösung für Griechenland und der darin enthaltenen – für die Banken vergleichsweise günstigen Regelung – einer Beteiligung der privaten Gläubiger währte nur kurz.

Mit der Herabstufung der Bonität Portugals durch die Ratingagentur Moody’s sind die Schreckgespenster der Schuldenkrise zurückgekehrt und haben die Erholungsrallye der Bankaktien jäh beendet. Nachdem der Branchenindex für Bankaktien aus der Eurozone in der Vorwoche um rund zehn Prozent in die Höhe geschnellt war, sackte er in dieser Woche wieder um rund sechs Prozent in Tiefe und neutralisierte damit einen Großteil der zuvor erzielten Gewinne.

Mit der neuerlichen Kurskorrektur ist die Performance-Schere zwischen dem Banken-Index und dem im europäischen Vergleich nur moderat von Banken geprägten Dax wieder weiter aufgegangen: Während der Dax auf Jahressicht mit rund 25 Prozent im Plus liegt, weist der Bankenindex für den selben Zeitraum ein Minus von über zehn Prozent auf. Und ein rasches Ende der aus den Kursen ablesbaren Verunsicherung der Anleger in Hinblick auf die Finanztitel ist kaum abzusehen. Schon in dieser Woche drohen die nächsten beunruhigenden Nachrichten.

Die europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA wird demnächst die Ergebnisse der diesjährigen Stresstests für die Geldhäuser präsentieren. Nach Schätzungen der Ratingagentur Moody’s könnten bei der in diesem Jahr strenger ausgelegten Überprüfung rund 30 Prozent der 91 untersuchten Banken durchfallen und daher auf eine zusätzliche Kapitalzufuhr von außen angewiesen sein.

Dem gegenüber stehen bei einer Reihe von Großbanken überwiegend sehr positive Einschätzungen von Analysten, die den Bankaktien angesichts deutlich verbesserter Geschäftszahlen ganz erhebliches Erholungspotenzial zutrauen. Dies gilt allen voran für die beiden französischen Großbanken BNP Paribas und Société Générale.

Bei beiden Aktien häufen sich die Kaufempfehlungen, wobei die anvisierten Kursziele im Schnitt um deutlich mehr als 30 Prozent über den aktuellen Kursen liegen. Ungewiss bleibt jedoch, ob und wann die Börsianer bereit sein werden, dem Ruf der Analysten zu folgen. Dies gelingt nicht zuletzt deshalb, weil gerade die französischen Banken besonders stark in den kriselnden Staaten aus Südeuropa engagiert sind, weswegen deren Aktien sensibel auf jedwede neue Nachricht zur Schuldenproblematik reagieren. Dies macht sie wiederum attraktiv für risikoreduzierte Anlagen über Discountzertifikate.

Bei diesem Anlagetyp verzichten Investoren ab einer bestimmten Kursobergrenze („Cap“) auf darüber hinausgehende Kursgewinne. Gleichzeitig sichern sie sich beim Einstieg einen zum Teil sehr deutlichen Preisabschlag gegenüber der Aktie. Dieser Abschlag wird über die Laufzeit abgebaut, so dass am Ende auch dann hohe Renditen erzielt werden können, wenn die Aktie nicht oder nur moderat steigt.

Um bei Fälligkeit des Zertifikats den durch den Cap vorgegebenen Höchstbetrag zu erhalten, genügt es nämlich, dass die entsprechende Aktie am entscheidenden Bewertungstag dieses Kursniveau behauptet. Bei einem bis Juni kommenden Jahres laufenden Discountpapier auf die Aktie der Société Générale können Anleger so Renditen von beinahe 20 Prozent pro Jahr erzielen, ohne dass der Aktienkurs auch nur einen Cent zulegen müsste.

Risiken sind in Kurse eingepreist

Denn da die Aktie schon heute leicht über dem Cap von 40 Euro und damit über dem Maximalwert des Zertifikats notiert, würde auch ein weiteres Jahr ohne Wiederbelebung des Aktienkurses genügen, um den Maximalgewinn zu erzielen (WKN: VT062D). In der Renditeberechnung noch etwas attraktiver sind Papiere mit einer auf rund fünf Monate verkürzten Laufzeit.

Bei den auf den ersten Blick bei gleicher Ausstattung teureren Zertifikaten ist der bis zur Obergrenze verbleibende Maximalertrag zwar geringer. Bei Berücksichtigung des deutlich kürzeren Anlagezeitraums ergibt sich dennoch eine höhere annualisierte Rendite von bis zu 21,7 Prozent pro Jahr (WKN: CM20XF).

Solche hohe Ertragschancen kommen allerdings nicht von ungefähr. Denn sollte die Aktie entgegen aller positiven Analystenprognosen an Wert verlieren, drohen auch den Discount-Anlegern deutliche Kapitaleinbußen. Denn falls die Aktie am Ende unter dem Cap von 40 Euro notiert, erfolgt ein Ausgleich im Gegenwert des tatsächlichen Aktienkurses.

Liegt dieser unterhalb des Einstiegspreises, sind somit Verluste in beinahe unbeschränkter Höhe möglich. Um dieses Risiko zu reduzieren, kann auf Zertifikate mit niedrigeren Caps ausgewichen werden. Bei den Papieren auf die Société Générale sinkt die mögliche Rendite bei einem Cap von 30 Euro zwar auf „nur“ noch rund neun Prozent pro Jahr, dafür würde es per Fälligkeit aber auch erst bei einem Kurssturz um mehr als 30 Prozent tatsächlich zu Kapitalverlusten kommen (WKN: BN44YW).

Fazit: Nach Einschätzung der meisten Analysten sind die weiterhin bestehenden Risiken bei den Bankaktien längst in den Kursen eingepreist. Trotzdem ist unklar, ob und wann die Risikoabschläge abgebaut werden. Discounter liefern eine interessante Möglichkeit, um dies zu nutzen, da sie auch dann hohe Gewinne ermöglichen, wenn die erwarte Kurserholung der Aktien ausbleibt.