Vorsicht, Falle!

So vermeiden Urlauber horrende Handyrechnungen

Smartphone-Nutzer möchten auch im Urlaub nicht auf Internet verzichten. Wer nicht aufpasst, erlebt bei der Heimkehr eine böse Überraschung.

Foto: dpa-tmn

Ihr Trip in die USA war kurz, fünf Tage bloß. Doch das hat schon für eine saftige Handyrechnung gereicht. Nachdem Jennifer Götz wieder in Deutschland gelandet war, erhielt sie von ihrem Mobilfunkbetreiber die Mitteilung, dass sie neben den üblichen Kosten auch 330 Euro für die mobile Internetnutzung zahlen müsse. "Ich habe etwa einmal am Tag kurz meine E-Mails gecheckt und dann sofort wieder das Daten-Roaming deaktiviert", schildert Götz im Internetforum von reclabox.com . "Nun sehe ich es nicht ein, diese Kosten tragen zu müssen."

Das wird sie wohl aber müssen – es sei denn, ihr Mobilfunkbetreiber drückt ein Auge zu. Mit den 330 Euro an Internetkosten ist Götz sogar noch vergleichsweise glimpflich davongekommen. Denn die Internetnutzung im Ausland mit dem Handy oder Laptop kann schnell mehrere Tausend Euro verschlingen. Bereits eine halbe Stunde mobiles Surfen verbraucht etwa 10 Megabyte, wer sich bloß zehn Minuten YouTube-Videos anguckt, nutzt sogar 25 Megabyte. In Deutschland ist das oft kein großes Problem. Denn mit einer Flatrate für die mobile Datennutzung sind Verbraucher hierzulande auf der sicheren Seite.

Wer aber im Urlaub oder auf der Geschäftsreise im Ausland surfen möchte, muss mit deutlich höheren Kosten rechnen – und nicht selten mit überraschend hohen Rechnungen. Nach Informationen der EU zahlen Nutzer im Schnitt 2,50 Euro für jedes verbrauchte Megabyte an Daten.

Wenn es nach der Europäischen Kommission geht, soll sich das zumindest in Europa in Zukunft ändern. Denn anders als das Telefonieren hat sie das mobile Surfen im EU-Ausland bislang nicht mit Preisgrenzen reguliert. „Für das Telefonieren im Ausland hat sich dieser Schritt bereits bewährt“, sagt Thomas Bradler, Telekommunikationsexperte bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Bisher hat lediglich die schon gültige Kostenbremse für das Daten-Roaming die Verbraucher entlastet: Mobilfunkbetreiber müssen die Internetverbindung kappen, sobald ein Betrag von 59,50 Euro erreicht ist. Wer weiter surfen möchte, muss ausdrücklich sein Einverständnis geben. Doch Vorsicht: Wer die Sperre aufhebt, sollte sie vor der nächsten Reise ins Ausland wieder aktivieren lassen.

Ab Sommer 2012 will EU-Kommissarin Neelie Kroes nun auch die Datenpreise nach unten drücken. Mobilfunkbetreiber sollen dann nur noch maximal 90 Cent pro Megabyte innerhalb der EU verlangen dürfen. Schrittweise soll dieser Höchstpreis bis 2014 auf nur noch 50 Cent ohne Mehrwertsteuer sinken.

Damit reagiert die Kommission auf die zunehmende Verbreitung des mobilen Internets. Denn immer mehr Menschen surfen mit ihrem Laptop, Tablet-Computer oder dem Smartphone – halb Computer, halb Handy – auch unterwegs im Netz. „Das mobile Internet hat sich in weiten Teilen der Bevölkerung durchgesetzt“, sagt Friedrich Joussen, Präsidiumsmitglied des Hightech-Verbandes Bitkom. Allein der Absatz von Smartphones in Deutschland wird nach seiner Einschätzung in diesem Jahr um 36 Prozent auf 10,1 Millionen Geräte steigen.

Verbraucher profitieren von fallenden Preisen

Schon in diesem Sommer profitieren Verbraucher von fallenden Preisen, zumindest innerhalb der EU. Mit speziellen Datentarifen der Anbieter surfen sie sogar schon heute günstiger, als es die angepeilte EU-Preisobergrenze von zunächst 90 Cent pro Megabyte vorsieht. Pünktlich zur Feriensaison senkte O2 zu Beginn dieses Monats den Preis für sein Datenpaket „Internet Day Pack EU“.

Statt der bisherigen 15 Euro zahlen die Kunden seit einigen Tagen nur noch 10 Euro. Gleichzeitig verdoppelt das Unternehmen das verfügbare Datenvolumen auf 100 Megabyte. Danach können die Nutzer zum gleichen Preis zwar weitersurfen, allerdings mit einer gedrosselten Geschwindigkeit. Für August kündigte das Unternehmen eine neue Option an, das Smartphone Day Pack EU. Hier zahlen O2-Kunden 3,50 Euro pro Tag und dürfen 10 MB verbrauchen.

Auch die Telekom-Tochter T-Mobile wirbt seit Monatsbeginn mit günstigeren Tarifen für die mobile Internetnutzung im Ausland. 24 Stunden vor dem ersten Verbindungsaufbau können sich Verbraucher für eine der drei Optionen entscheiden: Mit dem DayPass Europe S darf der T-Mobile-Kunde in den Staaten Europas einen Tag lang 10 Megabyte Datenvolumen verbrauchen.

Dafür zahlt er 1,95 Euro pro Tag. Wer mehr als die 10 Megabyte benötigt, muss erneut eine Option hinzubuchen. Oder gleich eine höhere Datenmenge wählen. Denn im DayPass Europe M sind für 4,95 Euro pro Tag 50 Megabyte Volumen enthalten. Für den T-Mobile-Kunden lohnt sich die Buchung einer der Optionen. Denn ohne sie zahlt er pro verbrauchtem Megabyte über drei Euro.

Vodafone hat die Gebühren für seine Datenpakete ebenfalls reduziert, indem es nun für alle EU-Staaten einheitlich zwei Euro für 25 Megabyte verlangt. Vorher war das Surfen in einigen Ländern wie Polen deutlich teurer. Vertragskunden, die ohnehin eine Flatrate für mindestens 29,95 Euro pro Monat abgeschlossen haben, können in 22 ausgewählten Ländern genauso wie in Deutschland ohne Sorge vor einer horrenden Telefonrechnung mobil ins Internet.

Bestandskunden müssen für die sogenannte ReiseFlat Data 5,99 Euro pro Monat zahlen, für Neukunden und bei Vertragsverlängerung gibt es die Option derzeit kostenlos dazu. Zu den Flatrate-Staaten zählen etwa die Türkei oder Spanien. In den USA können Vodafone-Kunden diese Option nicht nutzen. Dort zahlen Verbraucher weiter im Vergleich zum EU-Raum hohe Summen fürs mobile Internet – nach oben unbegrenzt.

Kostenbremse nur innerhalb Europas

Die Kostenbremse von 59,50 Euro gilt nur innerhalb Europas. „Bei Staaten außerhalb der EU ist bislang wenig Bewegung“, sagt Verbraucherschützer Bradler. Ein genauer Blick auf die Kosten lohnt sich, denn die Unterschiede sind enorm: Vodafone verlangt für sein fünf Megabyte großes Tagespaket 15 Euro.

Der T-Mobile Tagestarif für mobiles Surfen in den USA beträgt 14,95 Euro für 10 Megabyte. O2 hat überhaupt kein spezielles Paket für Amerika geschnürt. Pro Megabyte zahlen ihre Vertragskunden dort zwölf Euro. Auch E-Plus bietet keine Paketlösung an, verlangt aber außerhalb der EU 2,49 Euro pro Megabyte.

Vor allem außerhalb der EU kann es deshalb lohnen, direkt im Urlaubsort über lokale Prepaid-Karten ein Guthaben fürs mobile Internet zu kaufen. Denn sie berechnen für die gleiche Datenmenge nur einen Bruchteil der Kosten. Aber auch die Mobilfunkanbieter in Deutschland bieten ihren Kunden bereits Prepaid-Karten für das mobile Surfen im Ausland an. Eplus etwa vertreibt seit Anfang Juni für das EU-Ausland eine Karte für 4,99 Euro, mit der sich Urlauber für sieben Tage 50 Megabyte sichern. Wer das Internet ohnehin nur sporadisch nutzt, um etwa seine E-Mails abzurufen, kann oft auch auf das lokale WLAN zurückgreifen.

In manchen Hotels, Internetcafés und Flughäfen ist das sogar kostenlos. „Wer im Ausland surfen möchte, sollte in ein Internetcafé gehen oder günstige WLAN-Hotspots nutzen“, rät deshalb Rafaela Möhl vom Verbraucherportal teltarif.de. „Das WLAN ist im Ausland teilweise verbreiteter als in Deutschland.“ Den Preis erfährt der Nutzer auf der Seite des Anbieters, die sich nach dem Öffnen des Browsers aufbaut.

Bezahlt wird meist per Kreditkarte. Um im Ausland die Kontrolle über seine Handyrechnung zu behalten, sollten Verbraucher auch einen genauen Blick auf die Einstellungen ihres Gerätes zum Daten-Roaming werfen. Denn viele der beliebten Applikations-Programme – Apps genannt – bauen in regelmäßigen Abständen selbstständig eine Internetverbindung auf, damit sie sich laufend aktualisieren können.

Auf diese Weise prüft die Software den Eingang neuer E-Mails oder fragt den gegenwärtigen Wetterbericht ab. Mit einer Flatrate in Deutschland ist das praktisch. Im Ausland aber können allein durch diese Einstellung extrem hohe Kosten auflaufen. „Mit dieser Funktion sollte man im Ausland aufpassen“, rät Möhl. Wer diese Einstellung im Urlaub nicht unbedingt benötigt, sollte sie nach Möglichkeit ausschalten.