Thomas Straubhaar

"Ratingagenturen gießen Öl statt Wasser ins Feuer"

Der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts kritisiert die Macht der Ratingagenturen. Sie könnten mit ihren Noten Länder vor sich hertreiben.

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Der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Thomas Straubhaar, hat die Ratingagenturen angegriffen. Diese hätten inzwischen auch eine politische Macht erlangt, die es ihnen "erlaubt, die Regierungen vor sich herzutreiben", sagte er im Deutschlandradio Kultur.

Die Bewertungsagenturen hätten viel früher warnen müssen und nicht jetzt, wo es darum gehe, Probleme zu lösen. "Sie gießen jetzt Öl statt Wasser ins Feuer und verschärfen das Problem", sagte der HWWI-Chef.

Es sei zwar ursprünglich aus Verbraucherschutz-Gründen gut gemeint gewesen, die Ratings der Agenturen für verbindlich zu erklären. Aber „genau mit dieser gut gemeinten Absicht hat man jetzt die Ratingagenturen eben so mächtig werden lassen“, sagte Straubhaar weiter.

„Entscheidend wäre es, wenn man schlicht und ergreifend die Marktmacht der Ratingagenturen brechen würde, indem man sagt: Diese Urteile sind zwar interessant, sie können unter Umständen durchaus hilfreich sein für die eigene Meinungsbildung, aber sie dürfen eben nicht verbindlich sein“, fügte er hinzu.

Standard & Poor's-Deutschlandchef rudert zurück

Nach der Kritik an den Ratingagenturen hat der Deutschlandchef von Standard & Poor's, Torsten Hinrichs, sanfte Töne angeschlagen. „Ich glaube, dass die Sparmaßnahmen und die Fiskalmaßnahmen, die die Staaten inzwischen getroffen haben, durchaus irgendwann greifen werden“, sagte er im Deutschlandfunk. „Ich hoffe, dass wir in der Lage sind, in der nahen Zukunft auch durchaus positivere Kommentare geben zu können.“

Die Ratingagentur Moody's hatte die langfristigen Staatsanleihen von Portugal um vier Stufen von „Baa1“ auf „Ba2“ abgestuft – und damit auf „Ramsch“-Niveau.

Ratingagenturen könnten ihre Länderratings nicht einfach aussetzen, sagte Hinrichs. Es sei aber möglich, „dass Institutionen wie die EZB oder andere ihre Berücksichtigung von Ratings für eine Zeit aussetzen in ihrer eigenen Anlageentscheidung.“

Er sei sich der Verantwortung der großen Ratingagenturen bewusst, sagte der Deutschlandchef der US-Ratingagentur. „Wir versuchen, zu dieser Verantwortung und zu dem großen Ganzen beizutragen, indem wir Transparenz schaffen für alle Beteiligten über Bonitäten und indem wir unsere mögliche Handlungsweise (...) im Vorfeld erläutern.“