MDax-Vorstände

In der zweiten Börsenliga halbiert sich das Gehalt

Der Vorstand eines MDax-Konzerns verdient im Schnitt 1,5 Millionen Euro. Das klingt nach viel – doch in der zweiten Liga gibt es deutlich mehr.

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Der Wirtschaftsaufschwung kommt nicht nur bei den Top-Managern der großen Dax-Konzerne an. Auch die Führungskräfte der zweiten Börsenreihe profitieren von steigenden Gewinnen und Aktienkursen. Die durchschnittliche Vorstandsvergütung im MDax erhöhte sich 2010 um gut 17 Prozent auf 1,55 Millionen Euro. Ein solcher Wert wurde zuletzt vor der Krise im Jahr 2007 erreicht. Das geht aus einer Auswertung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München hervor.

Insgesamt hat sich der Abstand zwischen beiden Börsenligen allerdings erhöht. Nach DSW-Berechnungen bekamen die Vorstände der ersten Reihe im vergangenen Jahr sogar 22 Prozent mehr, im Durchschnitt waren es pro Vorstand 2,9 Millionen Euro und damit knapp doppelt so viel. Die Vorstandsvorsitzenden kamen in Person von Volkswagen-Chef Martin Winterkorn knapp an die Zehn-Millionen-Euro-Marke heran.

„Die Vorstandsvergütungen liegen insgesamt auf einem hohen Niveau“, sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker und warnte vor neuen Gehaltsrekorden. „Wir sind der Überzeugung, dass Managergehälter über zehn Millionen Euro per anno nicht angemessen sind. Sie können, wie wir es in unserer Neidgesellschaft immer wieder sehen, den sozialen Frieden gefährden.“

Ein Problem sieht Hocker in diesem Zusammenhang in einigen Banken auch auf den Ebenen unterhalb des Vorstands. „Dort wird mitunter so viel Geld verdient, dass niemand mehr Vorstand werden will“, sagte er. Auch da sei der Gesetzgeber gefordert. In den Vereinigten Staaten und der Schweiz müssten die höchstbezahlten Manager im Unternehmen bereits aufgelistet werden. Als Beispiel wird hierzulande gerne die Deutsche Bank genommen. So wird immer wieder kolportiert, dass Anshu Jain, der oberste Investmentbanker und mögliche neue Bankchef, sehr viel mehr verdient als Josef Ackermann.

Grundsätzlich hat sich nach Ansicht der Aktionärsschützer die Diskussion um die Gehälter der Top-Manager in Zeiten wieder höherer Gewinne und Dividenden normalisiert. Dies liege auch daran, dass viele Unternehmen ihre Vergütungssysteme bereits durch die Hauptversammlung hätten beschließen lassen, so wie es das von der Bundesregierung nach den Erfahrungen der Wirtschaftskrise verabschiedete „Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütungen“ vorsieht.

Aktionärsschützer fordern bessere Transparenz

„Trotzdem ist weiterhin Wachsamkeit geboten“, sagte Hocker. Er forderte die Unternehmen in Deutschland auf, ihre Vergütungsberichte weiter zu optimieren und für größtmögliche Transparenz zu sorgen. Die Fülle an Informationen müssten für jeden Aktionär verständlich in Tabellen und Abbildung dargestellt werden.

So sei der Dreiklang zwischen fixer, variabler und aktienkursbasierter Vergütung noch klarer darzustellen. Im Sinne der Nachhaltigkeit sollten Bonuszahlungen zudem stärker vom langfristigen Erfolg abhängig gemacht werden und dieses auch für den einzelnen Anteilseigner sichtbar sein.

Besonders im MDax sehen die Aktionärsschützer beim Stichwort Offenheit Verbesserungspotenzial. Die dort vertretenen Gesellschaften würden deutlich hinter den Transparenzstandards der Dax-Unternehmen zurückbleiben, bemängelten die Experten der TU München. So legen 13 der 50 Index-Mitglieder die Vergütung ihrer Vorstände nicht individualisiert offen.

Ranglisten mit den Bezügen der Vorstandschefs beruhen daher zu einem guten Teil auf Schätzwerten, was nach Aussage der Studienautoren eine seriöse Gehaltsaufstellung anders als im Dax unmöglich macht. Auf Ebene des Gesamtvorstands ist die Sache dagegen klar, diese Zahlen sind dem Geschäftsbericht zu entnehmen.

Am meisten bekam laut DSW-Auswertung im vergangenen Jahr das Führungsgremium der Axel Springer AG. Jeder Vorstand des Verlags, zu dem auch Morgenpost Online gehört, wurde durchschnittlich mit 4,475 Millionen Euro vergütet – Pensionsansprüche sind dabei grundsätzlich nicht mit eingerechnet. Der Wert hätte im Dax zu Platz drei hinter der Deutschen Bank (6,526 Millionen Euro) und Volkswagen (5,058 Millionen Euro) gereicht.

Auf den weiteren MDax-Positionen liegen der Baukonzern Hochtief und der Sportartikelhersteller Puma. Während die Dax-Zahlen bereits seit Frühjahr bekannt sind, präsentieren die Aktionärsschützer regelmäßig im Sommer die Auswertung der MDax-Bezüge.

Im internationalen Vergleich ordnen sich die deutschen Vorstandschefs mit ihren Bezügen demnach zwischen den Kollegen aus Frankreich und der Schweiz ein. Weit enteilt sind die Unternehmenslenker in den USA. Dort verdient ein Vorstandsvorsitzender eines Mitglieds des Dow-Jones-Index durchschnittlich 12,093 Millionen Euro – im Dax kamen im vergangenen Jahr dank Fixum, Barvergütung und Aktien durchschnittlich 4,537 Millionen Euro zusammen.