Schnäppchenjäger

Für 250 Euro sieben Tage lang nach Mallorca

Wer flexibel ist bei Reisedauer und Urlaubsziel, hat gute Chancen viel Geld zu sparen. Die besten Angebote gibt es am Flughafen oder online.

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Der Plan ist einfach: Ich will in den Süden, und zwar so schnell wie möglich. Last Minute also. Das wird bestimmt nicht leicht, denke ich mir, wo doch bereits im März groß verkündet wurde, dass 2011 das Frühbucherjahr schlechthin ist. Ob ich da wohl überhaupt noch etwas bekomme?

„Wer jetzt noch schnell weg will, kommt auch weg“, beschwichtigt Torsten Schäfer vom Deutschen ReiseVerband (DRV). Zwar hätten in diesem Jahr tatsächlich schon sehr viele Deutsche frühzeitig ihren Urlaub gebucht, aber in fast allen Urlaubsregionen seien auch noch Kapazitäten frei.

Die wichtigste Einschränkung und gleichzeitig der größte Vorteil am Last-Minute-Reisen: Man muss flexibel sein. „Last-Minute-Reisen sind etwas für spontane, ungebundene Menschen, meist Paare, denen es grundsätzlich egal ist, wo sie hinfliegen. Sie können günstiger sein als frühgebuchte Reisen, allerdings ist auch das Angebot eingeschränkt“, erklärt Schäfer. Spontan, flexibel, egal wohin – das klingt genau nach dem, was ich suche. Bleibt die Frage: Wie komme ich jetzt schnell und vor allem günstig weg?

Laut Reiseexpertin Beate Wagner von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ist es preislich egal, ob ich meinen Spontanurlaub im Internet , im Reisebüro oder am Flughafen buche. Sie rät: „Das Wichtigste ist immer, Preise zu vergleichen. Nach unseren Erfahrungen liegt die Preisspanne für vergleichbare Angebote bei mehreren Hundert Euro.“

Mein erster Anlaufpunkt: der Flughafen Berlin-Tegel. Der Reisemarkt liegt etwas versteckt hinter einem schmalen Gang, neben dem Souvenirshop die Rolltreppe hoch. Dicht an dicht sind hier kleine Reisebüros gedrängt mit Namen wie „Flyyourlife extra“, „Last Minute Paradies“, „Airport One“ oder „Lastminutepur.de“.

Wer gleich morgen verreisen will, hat schlechte Karten

Die Schaufenster sind bis zum letzten Zentimeter mit Reiseausschreibungen beklebt, große, leuchtende Zahlen preisen „7 Tage Kos mit Übernachtung und Frühstück für nur 337 Euro“ an oder „1 Woche Tunesien im 4-Sterne-Hotel, All Inclusive für 555 Euro“. Ich bin total überfordert und flüchte mich ins erste Reisebüro. Drin bedecken noch mehr A4-Zettel mit Reiseangeboten die Wände, zwei Damen sitzen hinter dem Tresen und warten auf Reisehungrige.

Ich will kurzfristig verreisen, teile ich den beiden mit, möglichst schnell. Doch ich werde enttäuscht: „So richtiges Last Minute mit Am-selben-Tag-Verreisen gibt es eigentlich gar nicht mehr“, erklärt mir die freundliche Frau im Reisebüro. Last Minute, das bezeichne heute eine Abreise innerhalb der nächsten vier bis sechs Wochen.

Trotzdem will sie mir helfen, empfiehlt, möglichst erst nach den Sommerferien in den Urlaub zu fahren. Wo ich denn hinwolle? Ans Meer? Die Türkei sei dieses Jahr um 30 Prozent teurer geworden. „Unter 400 Euro für eine Woche Halbpension, drei Sterne, geht da gar nix, auch nicht Last Minute.“

Sie empfiehlt mir, nebenan zu l’tur zu gehen, dort gebe es noch klassische Last-Minute-Angebote. Gesagt, getan. Tatsächlich stehen hier unter den großen Zahlen im Schaufenster auch exakte Reisedaten. Ich kann zum Beispiel in zwei Tagen nach Rhodos fliegen, mit Frühstück, 7 Tage für 307 Euro. Oder morgen nach Las Palmas: Für 425 Euro bekomme ich eine Woche Halbpension. „Diese Preise sind tatsächlich fix, das können Sie jetzt hier buchen“, sagt Verkäuferin Beatrix Soell.

Immer mehr Deutsche buchen im Netz

L’tur ist stolz darauf, der „Erfinder des Last Minute“ zu sein, wie mir auch die Pressesprecherin Nina Meyer bestätigt. Sie hat fünf Tipps für Kurzentschlossene parat. „Erstens: auch wenn es schwerfällt, nicht direkt am Anfang der Ferien verreisen.

Zweitens: fast alle verreisen sieben oder 14 Tage. Variation hilft da, ein Schnäppchen zu finden. Drittens: Wählen Sie einen Abreisetag unter der Woche. Viertens: Schauen Sie über den Tellerrand hinaus und probieren ein Nachbarland als Abreiseort. Und letztens: Größere Flughäfen wie Frankfurt oder München werden stärker frequentiert und haben daher auch mehr Angebote.“

Ich habe genug von den Reisebuden am Flughafen und beschließe, zu Hause im Internet noch mal in Ruhe zu schauen. Schließlich buchen immer mehr Deutsche ihren Urlaub im Netz . 2009 haben Online-Reisebüros mit dem Verkauf von Urlaubsreisen, Flug- und Bahntickets sowie Mietwagen und Übernachtungen laut dem DRV einen Umsatz von rund 5,2 Milliarden Euro erzielt. Das sind 20 Prozent mehr als noch 2008.

Google spuckt mir bei der Suche nach Last-Minute-Reisen 308 Millionen Treffer aus. Von den ersten zehn Anbietern habe ich zumindest schon etwas gehört. Ich klicke Lastminute.de an. Hier wird direkt auf der Startseite ein Superschnäppchen angepriesen: Fünf Tage Dubai im Fünf-Sterne-Resort für schlappe 517 Euro, wenn ich in knapp einer Woche fliege. Das ist doch zu schön, um wahr zu sein. Klick.

Tatsächlich kann ich für den Preis auch nur in Hamburg abfliegen. Ein weiterer Klick auf „Prüfen“, und ich erhalte den Hinweis, dass meine Reise so nicht bestätigt werden kann, sondern lediglich eine „verbindliche Buchungsanfrage“ gestellt wird. Es könne sein, dass der Anbieter schon ausgebucht sei, steht da. Das will ich dann doch nicht und gehe zurück auf die Startseite. Als Top-Angebote werden mir hier vor allem Reisen in die Türkei und nach Ägypten angeboten, für unter 500 Euro ist aber kaum etwas dabei.

Ich surfe noch ein bisschen weiter. Auf der Startseite von 5vorflug.de wird kein einziges Angebot über 400 Euro beworben, richtige Schnäppchen also. Ich gebe „7 Tage Mallorca, 238 Euro“ eine Chance. Klick. Auf der nächsten Seite kann ich Hotels auswählen. Ein Viereinhalb-Sterne-Hotel in Playa de Muro macht mich neugierig – auch wenn meine Reise dann schon 293 Euro kosten soll. Klick. Und tatsächlich: Wenn ich morgen ab Köln fliege, bekomme ich das Schnäppchen. Allerdings ohne Verpflegung, damit würde es wieder deutlich teurer.

Je länger man wartet, desto günstiger wird die Reise

Ich hole mir Tipps vom Profi: „Je länger man wartet, desto günstiger wird es“, weiß Lamia Azimi, Geschäftsführerin von 5vorFlug, dem Last-Minute-Veranstalter von FTI Touristik. „Last-Minute-Profis beobachten die Preise am Markt langfristig und legen sich erst kurzfristig fest.

Der durchschnittlich günstigste Buchungszeitpunkt liegt bei uns sieben bis zehn Tage vor der Abreise.“ Besonders günstig komme man jetzt noch nach Spanien, in die Türkei oder nach Ägypten. Das sind gleichzeitig die beliebtesten Ziele der Deutschen für Flugreisen. Auch Griechenland liegt trotz der Finanzkrise und beißender Kritik an Deutschland nach wie vor hoch im Kurs.

Ich surfe weiter und stelle fest, dass die Angebote im Netz zwar auf den ersten Blick günstig aussehen, nach ein oder zwei Klicks und der Auswahl eines bestimmten Abflughafens und Reisezeitraums gleichen sich die Preise aber tatsächlich denen im Reisebüro an.

„Nur weil Schnäppchen draufsteht, kann man sich noch lange nicht darauf verlassen, dass es auch ein guter Preis ist“, warnt daher auch Beate Wagner von der Verbraucherzentrale. Sie rät, sich einen Überblick zu verschaffen, was den eigenen Präferenzen entspricht und wie viel dafür letztlich verlangt wird.

Dem stimmt auch Lamia Azimi vom Anbieter 5vorFlug zu. „Viele Wege führen zur Last-Minute-Reise. Online lassen sich die Preise am besten vergleichen – im Reisebüro erhält man dafür die beste Beratung und hat einen persönlichen Ansprechpartner.“

So habe ich auch einen besonders guten Tipp bekommen: Viele Anbieter verramschen ihre schlecht gelegenen Zimmer als „Economy-Zimmer“. Reiseberater müssen ihren Kunden das mitteilen, online kann man es leicht mal übersehen. Wie ich schnell und günstig wegkomme, weiß ich also jetzt. Bleibt nur noch die Frage: Wo soll ich eigentlich hin?