Raus aus dem Euro

So retten Währungsflüchtlinge ihr Vermögen

Die Griechenland-Krise zeigt: Der Euro ist keine sichere Währung mehr. Für Anleger gibt es gute Alternativen in Norwegen oder der Schweiz.

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Notenbanker sollten sich ein wenig mit Geld auskennen. Da mag eine Randnotiz dieser Woche die Anleger nachdenklich stimmen. Die Notenbanken der Welt haben ihre Währungsreserven umgeschichtet. Der Dollar und der Euro verlieren an Bedeutung.

Bei dem Großreinemachen gab es einige überraschende Gewinner, allen voran die norwegische Krone, den Austral-Dollar, den Kanada-Dollar und die Schweden-Krone. Auch Gold war bei den Institutionen gefragt. Nach jahrzehntelanger Edelmetallaversion traten viele Institutionen am Goldmarkt wieder als Käufer auf.

Jede Notenbank gebietet über einen Bestand fremder Devisen. Manche verfügen nur über einige Milliarden, andere – wie die mächtige People’s Bank of China – über Billionen von Dollar.

Der Geldschatz kann wie eine Art Kriegskasse genutzt werden, um in schlechten Zeiten zugunsten der eigenen Währung zu intervenieren. Folglich sind die Notenbanker peinlich darauf bedacht, diesen Staatsschatz zu hüten. Da die „Herren des Geldes“ tiefen Einblick in das Marktgeschehen haben, ist es für Anleger interessant zu sehen, wie sie ihre Positionen setzen.

Die Folgen sind weitreichend: Heute gilt es bei Sparern bereits als selbstverständlich, sein Vermögen nicht nur in eine einzige Anlageklasse zu stecken, sondern zu streuen. Indessen reicht es nicht mehr aus, das Vermögen auf Aktien, Anleihen und Rohstoffe zu verteilen, es muss auch in verschiedene Währungen diversifiziert sein.

Instinktiv spüren viele Bundesbürger, dass mit ihrem Geld etwas schiefläuft. Nichts wie raus aus dem Euro, sagen sie sich. Aus dem diffusen Unbehagen mit der Währung wird eine handfeste Investmentmaxime. Intelligente Anleger haben erkannt, dass es in Zeiten wie diesen notwendig ist, eine zusätzliche Versicherung zu haben in Gestalt von Devisen.

Selbst große Währungen wie Dollar und Euro können ins Trudeln geraten und damit Vermögen vernichten. Wer sich als Sparer nur auf eine Währung stützt, setzt seinen Wohlstand unter Umständen beträchtlicher Gefahr aus.

Für die beiden großen Reservewährungen Dollar und Euro sind die Entscheidungen der Notenbanken wenig schmeichelhaft: Vor allem der Dollar sinkt in der Gunst der internationalen Geldhüter. Die globale Reservewährung stellt nur noch 60,7 Prozent der Bestände.

Damit setzt sich der Abstieg des Greenback (wie der Dollar wegen der moosgrünen Rückseite der Banknoten auch genannt wird) fort: Noch Ende 2010 waren 61,5 Prozent der Reserven in Dollar investiert. In der Hochzeit der USA-Herrlichkeiten, kurz nach der Jahrtausendwende, machte der Dollar fast 73 Prozent aller Devisenbestände aus.

Für Euro-Fans gibt es jedoch keinen Grund zu jubeln: Der Euro konnte sein Gewicht zwar von 26,2 auf 26,6 Prozent vergrößern. Diese auf den ersten Blick erfreuliche Nachricht relativiert sich jedoch schnell. Zum einen liegt der Wert noch immer ein gutes Stück unter dem alten Hoch: Zu seinen besten Zeiten stellte die Einheitswährung rund 28 Prozent der Devisenreserven.

Zum anderen ist diese leichte Zunahme sogar eine Verschlechterung, wenn man berücksichtigt, dass der Eurokurs in der ersten Jahreshälfte deutlich angezogen hat. Unter dem Strich ist also eher davon auszugehen, dass Notenbanken Euro-Reserven abgebaut haben.

Neben Dollar und Euro haben traditionell der japanische Yen und das Britische Pfund eine Rolle als Wertaufbewahrungsmittel. In den Portfolien der Notenbanken sind sie mit jeweils rund vier Prozent vertreten.

Der Anteil der anderen Währungen ist zum vorherigen Zeitraum um zehn Prozent gestiegen. Was Notenbanken können, können auch private Anleger inzwischen problemlos: Eine Vielzahl von Produkten erlaubt es ihnen, ihre Abhängigkeit vom Euro zu reduzieren.

Bei Aktien ist die Devisendiversifikation gleichsam eingebaut, zumindest gilt das bei global agierenden Börsenunternehmen. Der deutsche Technologiekonzern Siemens macht nur noch zehn Prozent seiner Umsätze in Deutschland. Beim Getränkehersteller Coca-Cola aus den USA sieht es nicht anders aus. Gut zwei Drittel werden außerhalb des nordamerikanischen Heimatmarktes erzielt.

Anders Anleihen: Der Wert von Festverzinslichen hängt ebenso wie der von Bargeld an der Währung, in der sie aufgelegt sind. In Zeiten, in denen die Zukunft von Euro und Dollar zweifelhaft geworden ist, sollten Anleger ihre Papiergeld-Investments diversifizieren. Dafür kommen verschiedene Vehikel infrage. Wer in der Lage ist, sein Kapital für einen längeren Zeitraum zu entbehren, kann sich Festverzinsliche kaufen, die auf eine Hartwährung lauten.

Solche Währungen stellen in erster Linie Staaten, die nicht die Schuldenprobleme der USA und Eurolands kennen: Zu Fluchtwährungen sind zum Beispiel der Austral-Dollar, die Norwegen-Krone und vor allem der Schweizer Franken avanciert. Der Nachteil an Anleihen ist, dass sie eine feste Laufzeit haben. Verkaufen Anleger vor Fälligkeit, können mögliche Wechselkursgewinne zum Euro durch etwaige Kursverluste aufgezehrt werden.

Wer jederzeit Zugriff auf sein Kapital behalten will, ist mit Währungskonten oder Zinszertifikaten besser bedient. Zinszertifikate sind börsengehandelte Papiere, die ein Tagesgeldkonto in einer Fremdwährung simulieren. Der Kurs des Zertifikats gibt die Wertentwicklung wieder, die Anleger mit den Zinsen in der Fremdwährung und mit der Wechselkursentwicklung erzielen.

Beim Austral-Dollar waren das zum Beispiel zwölf Prozent auf Jahressicht. Der Nachteil der Zertifikate: De jure handelt es sich um Schuldverschreibungen, meist von Banken. Geht der Emittent pleite, können Anleger ihr Geld verlieren.

Anders sieht es bei Fremdwährungskonten aus, die Geldhäuser mit Sitz in Deutschland anbieten. Diese Konten sind durch den Einlagensicherungsfonds geschützt. Handelt es sich um EU-Währungen, unterliegen sie zusätzlich noch der gesetzlichen Einlagensicherung.

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