Börsen-Bericht

Dax-Anleger treten nach Kursrally auf die Bremse

Volkswagen übernimmt die Mehrheit von MAN und det Aktie verliert. Roland Koch kauft zum Amtsantritt Aktien seiner Baufirma.

Nach der Euphorie der vergangenen Tage haben die Anleger am deutschen Aktienmarkt zum Wochenauftakt etwas auf die Bremse getreten. Der Dax hielt sich mit einem Anstieg von 0,1 Prozent auf 7425 Zählern nur knapp im Plus. In der vergangenen Woche hatte die Aussicht auf eine Abwendung der Staatspleite Griechenlands dem Leitindex noch einen Kurszuwachs von mehr als vier Prozent beschert.

Die Finanzminister der Euro-Zone hatten am Wochenende die nächste Milliarden-Hilfstranche für das hoch verschuldete Land freigegeben. Ein zweites Hilfspaket für Griechenland soll in den kommenden Wochen ausgearbeitet werden. Daran sollen sich auch private Gläubiger wie Banken und Versicherungen beteiligen. „Das, was alle erwartet haben, ist eingetreten: Griechenland ist erst einmal aus dem Schneider“, sagte ein Händler.

Für Irritationen sorgte am Morgen allerdings S&P: Die beiden französischen Vorschläge für die Verlängerung von Laufzeiten griechischer Staatsanleihen könnten als teilweiser Zahlungsausfall gewertet werden, erklärte die Ratingagentur. „Das könnte im Tagesverlauf noch einmal für Ungemach sorgen,“ sagte ein Börsianer. Kursabschläge bei den Banken führten Händler allerdings eher auf Gewinnmitnahmen zurück.

„Die Finanztitel seien wegen der Erleichterung über die Griechenland-Hilfen in den vergangenen Tagen stark gestiegen, da machen jetzt einige Kasse“, sagte ein Börsianer. Deutsche Bank verloren bis zu 1,3, die Commerzbank bis zu 2,3 Prozent. Die Aktien hatten an den vergangenen fünf Handelstagen jeweils knapp sechs beziehungsweise 8,6 Prozent gewonnen.

Koch kauft Bilfinger-Berger-Aktien

Pünktlich zum Amtsantritt als Vorstandschef bei Bilfinger Berger hat Roland Koch erstmals Aktien des Bau- und Dienstleistungskonzerns erworben. Koch kaufte am Freitag 730 Papiere zu einem Gesamtpreis von knapp 50.000 Euro, wie das Unternehmen in Mannheim mitteilte. Der frühere hessische Ministerpräsident und CDU-Politiker hatte am selben Tag den Vorsitz des Bilfinger-Vorstands übernommen, dem er bereits seit März angehört.

Insgesamt erwarteten die Händler im Dax einen ruhigen Handel, da die Börsen in den USA wegen eines Feiertags geschlossen blieben.

Das Nachsehen hatten zum Wochenauftakt MAN, die sich um 1,5 Prozent auf 93,91 Euro verbilligten. Volkswagen hat den Münchener Lkw-Bauer unter seine Kontrolle gebracht . Der Wolfsburger Autobauer verfügte nach Ablauf der Annahmefrist für das Pflichtangebot über 55,90 Prozent der Stimmrechte an MAN. VW notierte 0,4 Prozent fester.

Bayer profitiert von Medikamenten-Zulassung

Auf der Gewinnerseite fanden sich dagegen Bayer wieder: Mit einem Plus von 1,5 Prozent waren sie Spitzenreiter im Dax. Ein Erfolg auf dem lukrativen Markt für Schlaganfall-Medikamente hat dem Pharmakonzern Auftrieb gegeben. Die US-Gesundheitsbehörde genehmigte am Freitag das Mittel Xarelto, das Bayer gemeinsam mit seinem US-Partner Johnson & Johnson auf den Markt gebracht hat. Das sei ein gutes Zeichen für Bayer, die zuletzt durch die Konkurrenz unter Druck geraten seien, sagte ein Händler.

Im MDAX saßen Praktiker auf der Strafbank: Die Aktien der Baumarktkette rutschten um bis zu 13,8 Prozent auf 4,12 Euro ab und waren damit so billig wie seit Ende April 2009 nicht mehr. Am Freitag hatten die Titel bereits mehr als 18 Prozent verloren. Praktiker habe sein Schicksal nicht selbst in der Hand, schrieben die Analysten von Cheuvreux laut Händlern in einem Kommentar.

Das Unternehmen hänge von den internationalen Märkten ab, da es in Deutschland offenbar auf keinen grünen Zweig komme. Die Analysten senkten das Kursziel auf 4 von 7,40 Euro und bekräftigten ihre Bewertung „Underperform“. Praktiker hatte am Freitag kurz vor Handelsschluss mitgeteilt, dass die Umsatz- und Ertragsentwicklung in Deutschland im zweiten Quartal hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei.