Dreiste Fallen

So schützen Sie sich vor Dieben im Urlaub

Touristen sind bei Dieben beliebte Opfer. Reisende sollten sich vor Urlaubsbeginn unbedingt informieren, was im Ernstfall zu tun ist.

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Der Tourist an sich ist für Diebe eine leichte Beute: Abgelenkt von der ungewohnten Umgebung trägt er einiges an Wertsachen mit sich herum – von Bargeld über Schmuck bis zur teuren neuen Digitalkamera. Dazu kommen die Reisedokumente, EC- und Kreditkarten.

Fast jeder sechste Deutsche ist laut Reiseversicherer Elvia im Urlaub schon mal Opfer eines Diebstahls geworden. Reisende sollten wissen, wie sie sich schützen und was sie im Ernstfall tun sollten.

Vorsichtsmaßnahmen:

Urlauber sollten immer den Safe im Hotelzimmer nutzen oder nach dem hoteleigenen, meist größeren Tresor fragen, rät Brigitta Mehring vom Rechtsschutzversicherer ARAG. „Bei ordnungsgemäßem Gebrauch haften in Deutschland und dem europäischen Ausland die Hoteliers.“

Vermieden werden sollte die Mitnahme von größeren Mengen Bargeld, rät Bettina Dittrich von der Verbraucherzentrale Sachsen. Außerdem sollte der Hotelschlüssel ihrem Rat zufolge idealerweise nicht an der Rezeption abgegeben werden. Gerade auf belebten Plätzen sollte man seine Umgebung gut im Blick behalten.

Versicherungsschutz:

Wer trotzdem Opfer eines Diebstahls wird, ist manchmal besser geschützt als er denkt. Denn in bestimmten Fällen kommt die Hausratversicherung für die Schäden auf. Sie zahlt, wenn ins Hotelzimmer eingebrochen und dort etwas gestohlen wird. Es muss sich aber um einen Einbruch handeln – der Reisende sollte also das eingeschlagene Fenster oder die aufgebrochene Tür fotografieren, um den Schaden von seiner Versicherung ersetzt zu bekommen.

Auch bei Diebstählen von Wertsachen aus verschlossenen Spinden am Strand oder in Schwimmbädern zahlt die Hausrat-Police. Die Versicherung springt noch in einem anderen unschönen Fall ein: Wenn man Opfer eines Raubüberfalls wird, bei dem Gewalt angewendet oder auch nur angedroht wurde. Bei einfachem Diebstahl aber zahlt die Hausratversicherung nicht. Wenn man also Opfer eines Taschendiebs wird oder wenn die Putzfrau etwas mitgehen lässt, wird der Schaden nicht erstattet.

Mit einem Schutz für solche Fälle bewerben die Anbieter ihre Reisegepäckversicherungen. Lilo Blunck, Vorsitzende des Bundes der Versicherten (BdV), warnt aber, dass die Reisegepäckversicherungen in vielen Fällen am Ende nicht zahlten. „Bei Diebstahl werfen die Gesellschaften den Geschädigten oft vor, grob fahrlässig gehandelt zu haben“, sagt die Verbraucherschützerin. Das kann bei Taschendiebstahl schon geschehen, wenn man den Reißverschluss der Handtasche nicht zugemacht hat.

Relativ sicher zahlt die Reisegepäckversicherung nur, wenn jemand mit dem Schlüssel in das Hotelzimmer gelangt ist und das Gepäck im Hotelzimmer entwendet wurde. Unter dem Strich aber rät BdV-Expertin Blunck von der Reisegepäckversicherung ab: „Jeder sollte sich überlegen, ob er nicht besser alle wirklich wertvollen Sachen zu Hause lässt und keine Reisegepäckversicherung abschließt.“

Verhalten nach einem Diebstahl:

Nach einem Diebstahl ist das Wichtigste die sofortige Kontaktaufnahme mit der örtlichen Polizei und der Versicherung, sagt ARAG-Expertin Mehring. „Sollte nämlich keine Anzeige erstattet oder der Diebstahl nicht unverzüglich bei der Versicherung gemeldet werden, besteht kein Anspruch auf eine Erstattung des Schadens.“

Die Anzeige sollte nicht nur bei einem Streifenbeamten, sondern direkt auf dem zuständigen Revier aufgegeben werden. Bei Sprachproblemen sollte man sich an den Reiseleiter oder das örtliche Büro des Reiseveranstalters wenden. Auch die Benennung von Zeugen kann helfen, die eigenen Ansprüche zu untermauern.

Diebstahl von Karten:

Das Einschalten der Polizei ist vor allem auch bei gestohlenen Kredit- und EC-Karten wichtig. Denn wenn ein Dieb mit gestohlenen Karten auf Shopping-Tour ist, kommen die Banken und Kartenherausgeber nur dann für Schäden auf, wenn eine polizeiliche Anzeige vorliegt. Bis zur telefonischen Kartensperre haftet sowieso der Kunde selbst.

Sofort nachdem man den Diebstahl bemerkt, „ist es daher wichtig, alle Bank- und Kreditkarten telefonisch sperren zu lassen“, erklärt Josephine Holzhäuser von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Erst nach der Sperre haftet die Bank für weitere Schäden.

Um den Sperr-Anruf im Zweifelsfall beweisen zu können, solle man sich den Namen des Mitarbeiters und die Uhrzeit des Gesprächs notieren, rät die Verbraucherschützerin. Noch besser ist es, wenn ein Zeuge während des Telefonats dabei ist.

Doch in einem durchschnittlichen deutschen Portemonnaie finden sich noch viel mehr Karten – etwa von Krankenkassen und Bibliotheken, von Videotheken und Fitnessstudios. Wer fürchtet, dass die Diebe auch mit einer dieser Karten Schaden anrichten könnte, sollte die Unternehmen sofort über den Verlust informieren. Denn je nach Vertragsregelung sind oft die Kunden für eventuell entstehende Schäden verantwortlich.

Verlust von Ausweispapieren:

Sind auch Reisepass oder Personalausweis weg, sollte man sich direkt zur deutschen Botschaft oder zum nächsten Konsulat aufmachen. Dort bekommt man einen „Reiseausweis als Passersatz zur Rückkehr in die Bundesrepublik Deutschland“. Zeit und unnötigen Ärger können sich Bestohlene sparen, wenn sie vor Urlaubsbeginn Fotokopien von allen abhanden gekommenen Ausweispapieren angefertigt haben und diese vorlegen können, rät ARAG-Expertin Mehring.

Den Personalausweis, Kfz-Papiere und den Führerschein können aber nur die Behörden in Deutschland ersetzen. Die Rückreise mit dem Auto kann man aber trotzdem antreten – eine von der örtlichen Polizei ausgestellte Verlustbescheinigung reicht hier aus.

Beschaffung von Bargeld:

Bargeld von der Botschaft gibt es nur in ganz wenigen Ausnahmefällen. Für Hotel- und Krankenhausrechnungen kommen die deutschen Auslandsvertretungen grundsätzlich nicht auf. Wer also im Urlaub ausgeraubt wurde und plötzlich nicht nur ohne Ausweis und Bankkarten, sondern auch ohne jeden Cent Bargeld dasteht, muss sich etwas einfallen lassen.

Wer eine Pauschalreise gebucht hat und mit einem Reiseveranstalter unterwegs ist, sollte sich zunächst an die Reiseleitung wenden. Bei vielen Veranstaltern ist es möglich, von Freunden oder Verwandten in der Heimat Geld auf ein Konto des Reiseanbieters überweisen zu lassen. Liegt eine Mail oder ein Fax mit dem Überweisungsbeleg vor, wird das Geld von der Reiseleitung vor Ort in bar ausgezahlt. Meist wird dafür nur eine vergleichsweise geringe Bearbeitungsgebühr fällig.

Noch schneller geht es bei den Geldtransfer-Dienstleistern Western Union und Moneygram. Diese gibt es in praktisch jedem Land der Welt und sie ermöglichen Geldtransfers ohne Konto. Zahlt ein Bekannter oder Angehöriger das Geld in einer deutschen Filiale ein, kann es an einer vorher verabredeten Filiale am Urlaubsort gegen Vorlage des Ausweises abgeholt werden.

Die Anbieter nehmen je nach Land Gebühren in Höhe von fünf bis zehn Prozent des Überweisungsbetrages. Moneygram verlangt beispielsweise für eine 500-Euro-Überweisung nach Spanien Gebühren in Höhe von 25,50 Euro, wer 500 Euro nach Italien überweisen will, muss dafür bei Western Union 27,80 Euro Gebühren berappen.