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Warum Vola-Investments nur wenig Erfolg bringen

Viele Banker halten Vola-Indizes für die perfekte Absicherung gegen Aktien-Crashs. Doch die Angst vor Kursschwankungen hat es in sich.

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Risikostreuung gilt unter Anlageprofis als Grundvoraussetzung, um an der Börse langfristig Erfolg zu haben . Vermögende Investoren verteilen ihr Kapital auf Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe und verschiedene Währungen. Diese Strategie beruht auf historischen Erfahrungen, wonach sich die Anlageklassen nur selten in ein und dieselbe Richtung entwickeln.

Aktien und Anleihen bewegen sich oft konträr. Und die Rohstoffpreise hatten lange Zeit sogar den Ruf, sich komplett unabhängig von der Performance der anderen Märkte zu entwickeln. In der jüngeren Historie hat sich dieses Bild allerdings verändert. Gerade Aktien und Rohstoffe zeigten zuletzt auffällige Parallelen im Kursverlauf, vor allem dann, wenn es nach unten ging.

Viele Portfoliomanager suchen deshalb händeringend nach Alternativen, mit denen sich die Risiken noch besser diversifizieren lassen. Eine zunehmend wichtige Rolle spielt dabei die Assetklasse der Volatilität. Vola-Indizes wie der VDax (Deutschland), der VStoxx (Euroraum) oder der Vix (USA) spiegeln die Erwartungen der Marktteilnehmer bezüglich der zukünftigen Kursschwankungen der jeweiligen Aktienmärkte wider.

Dabei ist es fast immer so, dass es bei stark fallenden Aktienkursen zu einem deutlichen Anstieg dieser Vola-Indizes kommt, weil am Markt Angst vor weiteren heftigen Kursausschlägen herrscht. Damit eignen sich Vola-Produkte eigentlich perfekt zur Absicherung gegen Crashs an den Aktienmärkten.

Das Interesse an entsprechenden Produkten ist deshalb auch bei Privatanlegern hoch und wird durch das Angebot verschiedener Banken entsprechend befriedigt. Das Problem ist allerdings, dass sich die gängigen Vola-Indizes nicht eins zu eins abbilden lassen.

Stattdessen muss, wie bei vielen Rohstoffen, in Future-Kontrakte investiert werden, was in diesem Falle mit regelmäßigen Rollverlusten verbunden ist. Das kostet Performance und so werden die großen Erwartungen der Investoren an die Vola-Produkte in der Praxis nur selten erfüllt.

Die Société Générale-Tochter Lyxor hat jetzt einen neuen Anlauf unternommen und den ersten in Deutschland notierten Exchange Traded Fund (ETF) mit Anlagefokus Volatilität auf den Markt gebracht. Ein Mehrwert gegenüber den bisherigen Vola-Produkten soll die eingebaute Flexibilität bei der Auswahl der investierten Futures bringen.

In der Regel ist es nämlich so, dass die Kontrakte mit kurzer Restlaufzeit (ein bis zwei Monate) zwar sehr stark auf kurzfristige Vola-Ausschläge reagieren, auf lange Sicht aber extrem unter den hier vergleichsweise hohen Rollverlusten leiden. Bei den etwas länger laufenden Futures (vier bis sieben Monate) hingegen fallen sowohl die kurzfristige Korrelation zu den Vola-Indizes als auch der Einfluss der Rollperformance jeweils etwas geringer aus.

Bei dem neuen „S&P 500 Vix Future Enhanced Roll“-ETF findet deshalb, abhängig vom Volatilitäts-Niveau, eine kontinuierliche Umschichtung zwischen kurz- und mittelfristigen Future-Investments statt (WKN: LYX0L8). Nach einem ähnlichen Ansatz verfährt der allerdings nur über die Börse in London handelbare „Nomura Voltage Mid-Term Source“-ETF, bei dem die Anlage zwischen mittelfristigen Vola-Futures und US-Anleihen variiert (WKN: A1H8S2).

Andere Vola-Produkte fokussieren sich entweder auf kurz- oder mittelfristige Futures. Die Bilanz der vergangenen 18 Monate (für diesen Zeitraum liegen historische Daten aller Anbieter vor) ist trotz aller Optimierungsversuche ernüchternd.

Bei einem unter dem Strich nahezu unveränderten US-Vola-Index (Vix) liegen bis auf den dank des Anleihe-Exposures relativ stabilen Nomura-ETF alle Produkte deutlich im Minus. Auch der Enhanced-Roll-ETF von Lyxor hätte trotz der ausgeklügelten Strategie seit Ende 2009 einen Verlust von 50 Prozent zu beklagen gehabt.

Fazit: In Volatilität zu investieren ist ebenso verlockend wie kompliziert. Daran ändern auch die neuen, mit intelligenten Konzepten versehenen Produkte nichts. Auf lange Sicht lassen sich Verluste in normalen Marktphasen wohl kaum vermeiden. Bei kurzfristigen Volatilitäts-Ausschlägen können ausgewählte Produkte allerdings durchaus als Crash-Absicherung dienen.