Geldanlagen

Dax-Stratege rechnet mit Anstieg auf 8300 Punkte

Das erste Halbjahr 2011 ist trotz Euro-Krise für Dax-Anleger gut verlaufen. Viele Experten rechnen mit einer weiteren Rallye bis zum Jahresende.

Foto: Infografik Welt Online

Das Jahr 2011 ist ein gutes Aktienjahr. Die Aussage mag manch einen Anleger überraschen, sorgten doch Themen wie Griechenland und die schwächelnde US-Konjunktur in den vergangenen Wochen für ein kräftiges Auf und Ab der Kurse. Doch zumindest der Blick auf den Deutschen Aktienindex (Dax) lässt keinen anderen Schluss zu. Der Leitindex stieg in den ersten sechs Monaten um fünf Prozent auf 7376 Punkte. Damit liegt der Index voll im Soll. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr ist eine Rendite von acht Prozent gut möglich, was dem Durchschnitt der vergangenen Jahrzehnte entsprechen würde. Auch andere große Indizes bewegen sich in der Pluszone. Der europäische Euro-Stoxx-50 immerhin zwei Prozent, der amerikanische S&P 500 knapp fünf Prozent. Nur der japanische Nikkei liegt seit Jahresbeginn wegen der Folgen der Nuklearkatastrophe 3,5 Prozent unter seinem Startwert zu Jahresultimo 2010.

Pünktlich zur Jahresmitte haben wieder die Optimisten unter den Anlegern das Kommando übernommen – zumindest am deutschen Aktienmarkt. Die Bullen, wie sie in Anlehnung an das Symboltier für steigende Kurse genannt werden, versprühen so viel Zuversicht wie seit Ende 2010 nicht mehr. Viele einstige Bären, sprich Pessimisten, nehmen mittlerweile eine neutrale Position ein oder sind direkt in das gegnerische Lager übergelaufen. Das fanden die Stimmungsforscher von Cognitrend in dieser Woche heraus. Seit November 2006 war das Bärenlager nicht mehr so leer. Cognitrend fragt Woche für Woche 150 institutionelle Investoren nach ihrer Meinung.

Einer der größten Optimisten sitzt derzeit bei dem Analysehaus Silvia Quandt Research: „Selbst bei konservativen Annahmen in unserem Bewertungsmodell dürfte der Dax bis Jahresende auf ein neues Hoch von 8300 Punkten steigen“, sagt Chefstratege Ralf Grönemeyer. Und damit noch nicht genug: Sollten die Anleger von einer Lösung der Schuldenkrise ausgehen, seien sogar deutlich höhere Niveaus möglich. Die globale Unsicherheit bezüglich der weiteren Wirtschaftsentwicklung habe zwar zugenommen, räumt Grönemeyer ein, allerdings stiegen die Prognosen für die Gewinne deutscher Unternehmen für 2011 und 2012 immer noch weiter.

Auch bei der Fondsgesellschaft HSBC Asset Management sieht man das Verhältnis von Unternehmensgewinnen zu aktuellen Kursen weiterhin in einem gesunden Verhältnis – sprich, aus Sicht der dortigen Experten sind die Notierungen noch nicht zu hoch. „Die Chancen auf einen deutlichen Kursgewinn bis zum Jahresende stehen gut“, sagt Christian Heger, Chefanleger bei der Deutschlandtochter von HSBC Asset Management. Er erwartet den Dax bis Jahresende bei 7800 Punkten, was einer Rendite von zwölf Prozent auf Jahressicht entsprechen würde. Dem Euro-Stoxx-50 traut er 3100 Punkte zu, allein vom aktuellen Stand aus entspräche dies einem Plus von knapp zehn Prozent.

Da gilt Sal. Oppenheim mit seiner Prognose schon fast als vorsichtig. 7650 Punkte beim Dax, 2940 Punkte beim Euro-Stoxx sind die Zahlen, die die Deutsche-Bank-Tochter ausgibt. „Es besteht aus Risiko-Sicht keine Notwendigkeit, ein Engagement in Aktien stark abzubauen oder ganz darauf zu verzichten“, sagt der oberste Anlagestratege Wolfgang Leoni. Deutschland bleibe die europäische Konjunkturlokomotive, auch wenn Europa insgesamt weiter unter der Schuldenkrise und der hohen Arbeitslosigkeit in vielen Ländern leiden werde.

So viele positive Stimmen lassen manch einen Anleger schon wieder vorsichtig werden. Denn es gilt: Wer mit steigenden Kursen rechnet, hat sich bereits mit Aktien eingedeckt. Und wenn keiner mehr Aktien kauft, können die Kurse auch nicht mehr steigen. Auch Gianni Hirschmüller von Cognitrend stuft den jüngsten Stimmungsaufschwung in die Kategorie „außergewöhnlich“ ein. Noch zu Wochenbeginn hätten viele Weltuntergangsstimmungen für Euroland, die Einheitswährung und die Aktienmärkte verbreitet. „Deswegen aber gleich ein schlechtes Omen für die weitere Entwicklung des Dax abzuleiten, wäre nicht angebracht“, so Hirschmüller. Vergangenen Herbst habe sich ein ähnlich hoher Stimmungspegel über Wochen halten können und dabei den Dax nicht am Steigen gehindert.

Daran glaubt Pessimist Heinrich Peters von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) nicht. Das vor allem durch die Schwellenländer getriebene Wachstum der Weltwirtschaft schwäche sich zusehends ab, zumal viele Länder in Asien und Lateinamerika mit der Bekämpfung ihrer hohen Inflation beschäftigt seien. Höhere Zinsen könnten dort und damit auch in Exportnationen wie Deutschland schnell das Wachstum dämpfen. „Mit den Konjunkturerwartungen bröckelt auch die Fantasie für die Gewinne der Unternehmen“, schreibt Peters. Mittlerweile würden weltweit bereits mehr Ergebnisprognosen nach unten korrigiert als nach oben. Seine Empfehlung: Zumindest vorübergehend lieber etwas mehr Bargeld halten und weniger Aktien. Die Helaba erwartet den Dax am Jahresende bei 6500 Punkten – ein Minus von mehr als zehn Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau.

Ein Hintertürchen lassen sich auch die Optimisten von HSBC Asset Management offen: Während des Sommers müssten noch einige belastende Faktoren gemeistert werden, schreiben sie. So gehen sie ebenfalls davon aus, dass die hohen Gewinnschätzungen für viele Unternehmen nicht mehr länger mit den Abschwächungstendenzen von Konjunkturindikatoren in den USA und Europa vereinbar seien. Chefstratege Heger rechnet bereits bei den demnächst zur Veröffentlichung anstehenden Geschäftszahlen für das zweite Quartal mit Enttäuschungen.

Zudem verweist er darauf, dass die milliardenschweren Ankaufprogramme der Europäischen Zentralbank und der US-Notenbank auslaufen . Das viele billige Geld hatte auch die Aktienmärkte gestützt. Die weiterhin schwelende Verschuldungskrisen in Europa und den USA täten ein Übriges. Einen wirklich großen Einbruch erwartet Heger allerdings nicht. „Anleger sollten die mögliche Konsolidierungsphase im Sommer nutzen, um sich für den von uns erwarteten freundlichen Jahresschluss zu positionieren“, lautet Hegers Ratschlag.

Die Saxo Bank hält sich in ihrem Ausblick aus all dem heraus: „Vorhersagen ähneln stets mehr einer Kunst als einer Wissenschaft, aber derzeit müssen wir mit einer maximalen Unsicherheit zurechtkommen.“ Da die Unsicherheit nach anhalten werde, versuchten sie sich lieber gar nicht erst an einer Prognose: Das Pulver trocken könnte ihrer Meinung nach die Gewinnerstrategie sein.