Lukrative Alpenidylle

Scheichs lassen Schweizer Mietpreise explodieren

Bei ausländischen Investoren werden Eigenheime und Ferienhäuser in der Schweiz immer beliebter. Die Folge: Die Preise steigen immens.

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In der Tiefe glitzern die Wellen des Vierwaldstättersees im Sonnenlicht. Ringsum erhebt sich das Bergpanorama der Alpen-Nordkette. Schon vor mehr als 100 Jahren war der Bürgenstock ein beliebtes Ferienziel. Jetzt soll der 1128 Meter hohe und fast zehn Kilometer lange Bergrücken, der sich wie eine Zunge in das 114 Quadratkilometer große Gewässer bei Luzern schiebt, zum ganz großen Urlaubsmekka der Schweiz werden.

Für rund 300 Millionen Franken (254 Millionen Euro) will Qatari Real Estate Investment Company aus dem Emirat Katar die Bergspitze in ein Luxusressort wandeln: 400 Zimmer, dazu 60 Residence-Suiten, ein Kongresszentrum, Sport- und Freizeitangebote und eine CO2-neutrale Energieversorgung sollen betuchte Alpenliebhaber aus ganz Europa locken.

Bis zum Jahr 2014 soll das Megaprojekt vollendet sein. Doch am Immobilienmarkt in Nidwalden sind die Auswirkungen schon jetzt zu spüren. „Das geplante Ressort belebt die Region schon jetzt und lockt noch mehr internationales Klientel“, berichtet Vivien Engler, Geschäftsführerin von Engel & Völkers Wohnen Schweiz. Die Nachfrage nach hochwertigen Häusern und Apartments in Nidwalden ziehe an. „Das Preisniveau“, prognostiziert Engler, werde deshalb „konstant“ bleiben.

Diese Erwartungen hegen Experten derzeit nur bei wenigen Wohnimmobilienmärkten in der Alpenrepublik. Nachdem die Preise für Eigenheime und Eigentumswohnungen in den vergangenen Jahren rapide gestiegen sind, sieht die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Markt unter den kalten Gletschergipfeln heiß laufen.

Preise für Immobilien ziehen an

„Es gibt Anzeichen für eine Überhitzung“, sagt Notenbank-Vizepräsident Thomas Jordan. Sollten sich die Immobilien weiter verteuern, würde sich mittelfristig die „Wahrscheinlichkeit einer starken Preiskorrektur erhöhen“. Ob derartige Warnungen den Markt abkühlen können, ist allerdings ungewiss: Bereits vor einem Jahr mahnte die Nationalbank zur Vorsicht bei Wohnimmobilieninvestments – und dennoch zogen die Preise noch weiter an.

Der Index des Schweizer Immobilienberaters Wüest & Partner verzeichnete bei Einfamilienhäusern im vergangenen Jahr einen durchschnittlichen Preisanstieg von sechs Prozent – und im ersten Quartal dieses Jahres von weiteren zwei Prozent. Eigentumswohnungen verteuerten sich in den ersten drei Monaten dieses Jahres gegenüber dem Vorjahreszeitraum sogar um weitere fünf Prozent.

670.000 Euro beträgt inzwischen nach Berechnungen von Wüest & Partner schon der Durchschnittspreis für ein Eigenheim in der Schweiz. 4900 Euro beträgt im Mittel bereits der Quadratmeterpreis bei Eigentumswohnungen. Am teuersten ist es am Luganer See und am Lago Maggiore – 1,44 Millionen Euro müssen Käufer im Schnitt für ein Domizil in Ascona berappen.

Unter den Käufern sind auch zahlreiche Deutsche, die sich einen Zweitwohnsitz in der eidgenössischen Republik zulegen. In den vergangenen beiden Jahren waren sie dabei oftmals weniger von dem Wunsch getrieben, ein Domizil für die schönsten Tage des Jahres in den Alpen zu erstehen.

Viele Erwerber sehen die Schweiz vor allem als sicheren Zufluchtsort für ihr Geld angesichts der Finanz- und Eurokrise. Die Flucht hat die Alpenwährung allerdings dramatisch in die Höhe getrieben. Kostete ein Franken vor Beginn der Finanzkrise nur 0,60 Euro, sind es heute 0,84 Euro – ein Anstieg von immerhin 40 Prozent.

Wohnimmobilien werfen 50 Prozent mehr ab

Selbst wenn der Immobilienpreis selbst nicht gestiegen wäre, könnten jene Käufer, die sich Ende 2008 einen Zweitwohnsitz im Land der Eidgenossen zugelegt hatten, bereits einen kräftigen Gewinn auf dem Papier verbuchen.

Da sich Einfamilienhäuser seither selbst in weniger guten Lagen um mindestens 15 Prozent verteuert haben, fällt der Ertrag noch deutlich höher aus. Abzüglich der Nebenerwerbskosten haben Wohnimmobilieninvestments für Anleger aus dem Euro-Raum in den vergangenen zweieinhalb Jahren einen Buchertrag von fast 50 Prozent abgeworfen.

Was die Preise für Ferienimmobilien zusätzlich in die Höhe treibt, ist auch die Enge des Schweizer Marktes. Bislang dürfen Ausländer Zweitwohnsitze nur in speziell ausgewiesenen Sonderzonen erwerben. Die „Lex Koller“ genannte gesetzliche Regelung soll verhindern, dass Erwerber aus anderen Staaten die Immobilienpreise soweit in die Höhe treiben, dass einheimische Familien kein Grundeigentum mehr erwerben können.

Allerdings gibt es in immer mehr Kantonen nun Bestrebungen, die „Lex Koller“ aufzuweichen. „Eine Lockerung des Verbots macht den Bau von Wohnimmobilien attraktiver, würde die Wirtschaft in den Orten stärken und Arbeitsplätze sichern“, sagt Marc Alain Sahli, Abgeordneter der Schweizer Volkspartei (SVP) im Großen Gemeinderat von Interlaken. In wenigen Tagen entscheiden die Einwohner in der Stadt zwischen Thunersee und Brienzersee, ob in ihrer Kommune künftig mehr Ausländer Ferienimmobilien erstehen können.

Dass bei einem positiven Votum die Preise in den Zweitwohnsitzzonen merklich fallen werden, glauben Experten nicht . Die Nachfrage in- und ausländischer Erwerber nach Ferienimmobilien im großen Tourismuszentrum des Berner Oberlands mit den Renommiergipfeln Eiger, Mönch und Jungfrau sei ungebrochen, sagt Engel & Völkers-Expertin Engler.

Kaspar Boss, Mitglied der Initiative „Wohnraum muss bezahlbar bleiben“, die eine Aufweichung der „Lex Koller“ in Interlaken verhindern will, sieht noch einen weiteren Grund, warum sich der Markt kaum entspannen dürfte: „Es gibt hier praktisch keine Baulandreserven mehr.“