Versicherungen

Japan-Katastrophe trifft Erstversicherer kaum

Die großen deutschen Versicherungen sind kaum von Japan betroffen. Besorgt sind sie vor allem wegen des rückläufigen Geschäfts mit Lebenspolicen.

Foto: Infografik WELT ONLINE

Die Welt ist nicht nur rund, sondern auch eng vernetzt. Viele Unternehmen, mit denen wir tagtäglich zu tun haben, agieren mittlerweile global. Versicherer sind da keine Ausnahme. Die Katastrophen in Japan aber sind den deutschen Versicherern trotzdem ferner als zunächst befürchtet. Für Privatkunden erwartet die Assekuranz kaum steigende Prämien für Policen.

Weder bei Allianz noch HUK möchte man derzeit schon von einem verstärkten Druck auf die Prämien sprechen. Allenfalls Transport- und Betriebsausfallversicherung, also Industrieversicherer, seien betroffen. Frank Keuper, Experte für Schadenversicherungen beim Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und außerdem Deutschland-Chef bei Axa, pflichtet in einer ersten Einschätzung bei: „Ich sehe nicht, dass wir bei den Erstversicherern dramatische Auswirkungen haben werden – alle prüfen aber noch wie hoch die Risikopotenziale in ihren Büchern sind“, sagt Keuper. Branchenweit sei jedoch das Auslandsgeschäft nicht groß, zumal eine Versicherung gegen radioaktive Strahlung grundsätzlich ausgeschlossen sei.

Für 2011 machen den durch den kalten Winter und Stürme des vergangenen Jahres gebeutelten Versicherern weniger Naturkatastrophen denn das Geschäft mit Lebenspolicen Sorgen. Weil immer weniger Menschen ihr Auskommen im Alter über sie absichern, verliert der bisherige Wachstumsbringer mehr und mehr an Gewicht. Insgesamt geht GDV-Präsident Rolf-Peter Hoenen bisher von einem leichten Plus für das angelaufene Jahr aus. „Das hängt alles ganz massiv von den Lebensversicherungen ab – und die Sparte wächst momentan fast ausschließlich durch das Geschäft mit Einmalbeiträgen.“ Lebenspolicen gegen Einmalbeitrag hatten den Versicherern im vergangen Jahr ein Einnahmeplus von 4,3 Prozent auf 178,8 Mrd. Euro verschafft. Rechnet man deren Anteil heraus, bleibt noch ein mageres Plus von 0,5 Prozent.

Bei Lebensversicherungen gegen Einmalbeitrag werden die Beträge nicht monatlich, sondern auf einen Schlag eingezahlt. Anleger nutzten sie in der Niedrigzinsphase oft als sichere, meist kurzfristige Geldanlage, was der Sparte Leben 2010 ein Plus von sechs Prozent bescherte. Das Geschäft mit klassischen Policen ging aber um 1,4 Prozent zurück. Knapp 30 Prozent Plus legten die Einmalbeitragspolicen hin (2009: 60 Prozent).

Mit diesem Bonbon dürfe man aber nicht fest rechnen: „Dieses Geschäft ist volatil“, sagt Hoenen. Es hänge schließlich massiv von Märkten und Zinsniveau ab. Skeptisch sehen die Versicherer die Kapitalvorschriften „Solvency II“, die ab 2013 höhere Eigenkapitalforderungen von ihnen fordern: Die Regeln seien noch alles andere als ausgereift.

Für privat Krankenversicherte sieht Reinhold Schulte, Chef des Verbandes der privaten Krankenversicherungen, anziehende Prämien wegen der kürzlich gefallen EuGH-Entscheidung zu Unisex-Tarifen, laut der eine Beitragsdifferenzierung nach dem Geschlecht zukünftig unzulässig ist. Und auch in der Auto-Versicherung könnten die Beiträge weiter steigen: In der gesamten Schaden- und Unfallversicherung werde sich die jüngste Trendwende auch dieses Jahr mit einem Plus fortsetzen. Im Jahr 2010 waren die Prämien für die Auto-Versicherung erstmals seit sechs Jahren gestiegen.