Zertifikate

Auf der Jagd nach Rendite mit Rabatt-Papieren

Die Japan-Krise hat die Börse durcheinander gewirbelt. Das Auf und Ab bietet mutigen Anlegern Gewinnchancen beim Derivate-Kauf.

Foto: w / w/WELT ONLINE Infografik

Auch wenn die konkreten wirtschaftlichen Folgen der Katastrophen-Serie in Japan noch nicht absehbar sind, haben viele Börsianer in den vergangenen Tagen bereits die Notbremse gezogen und ihre Aktienbestände deutlich reduziert. In Folge dieser "Panikverkäufe" sind die Kurse weltweit eingebrochen. Auch in Deutschland, wo einige Werte innerhalb weniger Stunden prozentual zweistellige Verluste verbuchten.

"Hauptsache raus" lautete das Motto, was dazu führte, dass die Deutsche Börse am Dienstag den umsatzstärksten Handelstag des Jahres registrierte. Und obwohl sich recht bald schon wieder die ersten Schnäppchenjäger einfanden, die bei den gesunkenen Kursen zugriffen, ist die zunehmende Verunsicherung der Anleger doch deutlich spürbar. Das zeigt sich auch an dem als Angstbarometer bezeichneten VDax New. Der Volatilitätsindex sprang im Wochenverlauf auf den höchsten Stand seit Mai 2010.

Die von dem Index abgebildeten impliziten Volatilitäten (Vola) zeigen an, mit welchen Kursschwankungen die Marktteilnehmer an der Terminbörse in der Zukunft für den jeweiligen Basiswert (hier den Dax) rechnen. Berechnet werden die Daten mit Hilfe der Notierungen bestimmter handelbarer Optionen, wobei es gerade bei starken Kursabschlägen oft zu stark steigenden Werten kommt.

Für Anleger sind solche Daten aber nicht nur als Indikator für die Stimmungslange der Profi-Investoren hilfreich. Denn die Volatilität ist auch ein wichtiger Einflussfaktor bei der Preisgestaltung vieler strukturierter Produkte. "Vor allem bei Discountzertifikaten sind die Konditionen umso attraktiver, je größer die implizite Volatilität ist", erläutert Heiko Weyand, Zertifikate-Experte bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Die Bank veröffentlicht jeden Monat eine Übersicht zu den aktuellen Volatilitäts-Daten der 30 Dax-Werte, die sich auf so genannte "At the money"-Optionen mit einer Restlaufzeit von zwölf Monaten beziehen.

Die höchsten Werte verzeichnet dabei zurzeit Infineon, während Fresenius Medical Care (FMC) am Ende der Vola-Rangliste notiert. Welche Auswirkungen dies für entsprechende Discountzertifikate hat, zeigt ein aktueller Vergleich. Bei einem Discountzertifikat auf FMC mit einem auf Höhe des aktuellen Kurses liegenden Cap sind auf Sicht von rund einem Jahr im besten Fall rund zehn Prozent Rendite zu erzielen (WKN: CG6R42). Ein vergleichbares Rabatt-Papier auf Infineon bringt es hingegen auf eine mehr als doppelt so hohe Renditechance von gut 20 Prozent (WKN: HV5G4M).

Doch nicht nur die Gewinnchancen werden von der Höhe der Volatilität beeinflusst. Auch bei dem so genannten Risikopuffer der Zertifikate spielt die Schwankungserwartung des Marktes eine besondere Rolle. Während es bei dem FMC-Discounter per Fälligkeit ab einem Aktienkursrückgang von gut neun Prozent zu Verlusten kommt, erzielen Anleger bei Infineon auch bei einem Kursrückgang von etwa 15 Prozent noch immer einen kleinen Gewinn.

Ob der Infineon-Discounter tatsächlich die bessere Wahl ist, wird sich aber trotzdem erst zum Ende der Laufzeit zeigen. Behalten die Marktteilnehmer Recht, dürfte es bei dem Chiphersteller bis dahin schließlich zu überdurchschnittlich hohen Kursschwankungen kommen, was die Gefahr erhöht, dass es auch zu wesentlich stärkeren Kursrückgängen und damit zu erheblichen Verlusten bei dem Zertifikat kommt. Die letzten 30 Tage dienen dabei als Warnsignal. Während die Aktie von FMC nur minimal an Wert verlor, ging es bei Infineon um 15 Prozent bergab.

In der Vergangenheit war es allerdings häufig so, dass die Kursschwankungen im Anschluss an eine Crash-Phase letztendlich geringer ausfielen als dies durch die hohen Volatilitäts-Werte zuvor angezeigt wurde. Dadurch bieten Phasen wie die derzeitige immer auch eine Gelegenheit, um mit Hilfe von Discountzertifikaten attraktive Renditen anzustreben. Die abgebildete Tabelle bietet Anlegern eine Übersicht über die aktuellen Konditionen bei ausgewählten Basiswerten, wenn als Ziel-Rendite ein Wert von zehn Prozent angenommen wird. Deutlich wird dabei, dass auch der Dax selbst vergleichsweise schlechte Konditionen ausweist. Dafür setzen Anleger hier aber auch auf einen breit gestreuten Index und tragen somit kein Einzelaktienrisiko.

Fazit : Zumindest an der Börse bedeutet jede Krise auch eine Chance. Die zunehmenden Sorgen der Anleger werden begleitet von erhöhten Schwankungserwartungen, die sich in einer steigenden Vola ausdrücken. Dadurch verbessern sich die Konditionen vieler Produkte wie zum Beispiel von Discountzertifikaten. Dabei gilt: Je volatiler der Basiswert, desto höher die Gewinnchancen.