Ölschock

Der Dollar taugt nicht einmal mehr als Krisenwährung

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Daniel Eckert

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Nach Lehman, nach dem 11. September und nach dem Kosovo-Konflikt profitierte der Greenback. Bei den Unruhen in Nordafrika ist das alles anders.

Kaufen, wenn die Kanonen donnern. Das galt einst ein auch für den Dollar. Die amerikanische Währung profitierte als sicherer Hafen regelmäßig, wenn es irgendwo auf der Welt knallte. Doch mit dem Status des Dollar als sicherer Hafen ist es offenbar vorbei. Nicht mal für Potentaten auf der Flucht scheinen die grünen Scheine noch Strahlkraft zu haben. Der Dollar ist ein fallender Stern.

Am Rang des Dollar als unumschränkte Leitwährung zweifeln immer mehr Kapitalmarktteilnehmer. „Globale Krisen lösen normalerweise Mittelzuflüsse in den Dollar aus“, sagt John Meyer, Analyst bei Fairfax IS. Diesmal sei das nicht der Fall. Gefragt sind hingegen Euro und Gold. Das gelbe Metall, die konkurrierende Krisenwährung, notierte am Dienstag bei 1421 Dollar nur zehn Dollar unter seinem Rekordhoch vom Dezember 2010. Der Euro lag bei 1,3838 Dollar knapp unter einem Dreimonatshoch.

Anders als früher profitiert der Dollar offenbar nicht mehr von Kriegen und Revolutionen. Die Unruhen in Nordafrika und im Nahen Osten konnten der US-Devise nicht helfen. Im Gegenteil: Seit Januar hat der Dollar gegenüber den wichtigsten Währungen fünf Prozent an Wert verloren. Zum Euro betrug das Minus fast sieben Prozent, obwohl die Kalamitäten der europäischen Währungsunion alles andere als überwunden sind.

Analytiker haben ihre Erwartungen an das Gipfeltreffen der Europäer Ende März zur Stabilisierung des Europa-Geldes bereits deutlich heruntergefahren. Bei früheren geopolitischen Krisen konnte der der Dollar zumeist deutlich zulegen: So war es in der Kosovo-Krieg von 1999, nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und nach der Lehman-Pleite von 2008.

Der Dollar ist noch aus anderem Grund ein fallender Stern: Auch China wendet sich mehr und mehr von der US-Devise ab. Das ist ein Paradigmenwechsel. Bisher hatten die Chinesen ihr Schicksal eng an das Amerikas geknüpft. Die Volksrepublik ist nach Daten des US-Finanzministeriums der größte Geldgeber der Vereinigten Staaten. Mit seinen regelmäßigen Käufen von amerikanischen Staatsanleihen hält Peking den Greenback seit Jahren über Wasser.

Auch wenn die Chinesen weiter US-Papiere erwerben, geht der Dollar-Anteil an den Gesamtreserven des Reichs der Mitte deutlich zurück. „Im Jahr bildete der Greenback noch 84 Prozent der chinesischen Devisenbestände, Ende 2010 waren es nur noch 48 Prozent“, sagt Yan Wang, Stratege beim renommierten kanadischen Researchhaus BCA.

Der Absturz des Dollar hat auch Gründe, die im Inneren der Vereinigten Staaten liegen. Um die strukturschwache US-Wirtschaft zu stützen, fährt die Notenbank Federal Reserve (Fed) eine Politik der rotierenden Gelddruckmaschine. In mehreren Tranchen hat die Fed 2,3 Billionen Dollar ins System gepumpt. Dieser Liquiditätsflut steht kein entsprechendes Mehr an Gütern und Diensten gegenüber. Unter dem Strich drückt das den Wert der ehemaligen Galionswährung der Weltwirtschaft.

Wie ernst es um den Dollar steht, offenbart die Langfristbetrachtung: Zum Euro, der mit genügend eigenen Problemen zu kämpfen hat, ist der Dollar seit dem Jahr 2000 bereits um mehr als ein Viertel abgesackt. Zum Austral-Dollar, einer durch die Rohstoffverkommen des Fünften Kontinents unterfütterten Währung, beträgt das Minus knapp 36 Prozent und zum Franken, der womöglich solidesten Währung nach dem Aufgehen der D-Mark im Euro, sogar fast 42 Prozent. Noch dramatischer sind die Wertverluste zur Krisenwährung Gold. Seit der Jahrtausendwende ist der Wert des Dollar gemessen in Feinunzen des Edelmetalls um 80 Prozent abgesackt.

Nicht alle Strategen glauben, dass die Dollar-Dämmerung bereits eingesetzt hat: „Verglichen mit dem Schweizer Franken oder der Norwegischen Krone wird der Greenback in diesen Zeiten womöglich schwach bleiben“, sagt Devisenstratege Hans-Günter Redeker von der BNP Paribas. Die Stabilität des Euro sei hingegen trügerisch: „Kommt es zu einem Ölpreisschock, ist die Eurozone ökonomisch viel anfälliger als Amerika.“ In dem Fall sei es auch mit der Stärke des Europageldes schnell vorbei. Westeuropa importiert 72 Prozent seines Öls, die USA 40 Prozent. Mit Bloomberg