Börsen-Bericht

Japan-Erdbeben schickt Dax auf 8-Wochen-Tief

Das Erdbeben sorgt für deutliche Abschläge beim deutschen Leitindex. Erstaunlich: Trotz der unsicheren Lage in Japan steigt der Kurs des Yen.

Das verheerende Erdbeben in Japan hat der bereits getrübten Anlegerstimmung einen zusätzlichen Schlag versetzt. Seit einiger Zeit sorgen die Unruhen im arabischen Raum und die Furcht vor einer Verschärfung der europäischen Schuldenkrise für Nervosität an den Finanzmärkten. Unter Verkaufsdruck gerieten nun vor allem die Versicherer, die unmittelbar von den Verwüstungen in Japan betroffen sind.

Der Dax beendete den Xetra-Handel 1,2 Prozent im Minus bei 6981,49 Punkten. Dies ist der tiefste Stand seit acht Wochen. Der EuroStoxx50 verlor 0,8 Prozent auf 2884,97 Zähler. Auch an der Wall Street standen die Zeichen zum Wochenschluss auf Verkauf: Der Standardwerteindex Dow Jones notierte bei Börsenschluss in Deutschland 0,2 Prozent tiefer.

„Der Verkaufsdruck wird sich in der kommenden Woche voraussichtlich fortsetzen“, sagte Roelof-Jan van den Akker, Analyst bei ING Commercial Banking. Er halte einen deutlichen Kursrückschlag für möglich. „Längerfristig betrachten wir diese kurzfristige Schwäche aber als Einstiegsgelegenheit“, betonte er.

Das Japan-Beben schickte vor allem die Rückversicherer auf Talfahrt: Münchener Rück, Hannover Rück und Swiss Re brachen zwischen 3,5 und 5,3 Prozent ein. JPMorgan-Analyst Michael Huttner taxierte die Belastungen für die Branche auf „überschaubare“ ein bis zwei Milliarden Euro. Andere Assekuranzen wie die Allianz, Axa oder Generali gaben ebenfalls nach. Der europäische Branchenindex fiel 2,1 Prozent. Der KBW-Index für die US-Versicherer verlor bis zu 1,1 Prozent.

Im Dax brachen K+S zeitweise sogar um mehr als neun Prozent ein und schlossen 4,7 Prozent tiefer bei 51,67 Euro. Der Chemiekonzern BASF verkaufte seine restlichen Anteile an der ehemaligen Düngemittel-Tochter zum Preis von 50 Euro je K+S-Aktie.

Ein Erdbeben der Stärke 8,9 und ein darauffolgender zehn Meter hoher Tsunami verwüsteten den Norden Japans. Hunderte Menschen kamen ums Leben, der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo zufolge brach im etwa 500 Kilometer nördlich von Tokio gelegenen Atomkraftwerk Onagawa ein Feuer aus.

Vor diesem Hintergrund legte der Yen zu. Börsianer spekulierten, dass Japaner - wie auch schon nach dem schweren Beben von Kobe im Jahr 1995 - Auslandsinvestments auflösten und das Geld in ihre Landeswährung zurücktauschten. Dollar und Euro fielen daraufhin um jeweils rund ein Prozent auf 81,88 beziehungsweise 113,44 Yen.

Gespannt warteten Anleger zudem auf Signale, wie die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone der Schuldenkrise Herr werden wollen. EU-Kreisen zufolge könnte Griechenland aufgefordert werden, dem Beispiel Portugals zu folgen und seinen Sparkurs zu verschärfen.

Die Bemühungen Portugals ließen die Finanzmärkte aber unbeeindruckt. Die Kosten zur Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren Kredites an das südeuropäische Land stiegen dennoch um 16.000 auf 520.000 Euro. Griechische Credit Default Swaps (CDS) zogen ebenfalls an. Hier kostete eine entsprechende Kreditausfall-Versicherung 1,05 Millionen Euro.

Griechische Finanzwerte legten dagegen zwischen drei und sechs Prozent zu. „Nach Aussagen von EU-Vertretern zur Senkung von Zinsen für die Rettungskredite und einer Verlängerung der Rückzahlungsfrist sind die Erwartungen an den EU-Gipfel gestiegen“, sagte Analyst Nick Koskoletos von Eurobank Securities.

Mit Erleichterung reagierten Investoren darauf, dass es in Saudi-Arabien angesichts massiver Polizei-Präsenz keine größeren Protestkundgebungen gab. Der Preis für ein Fass (159 Liter) der Nordsee-Ölsorte Brent, der vor allem von der Furcht der Anleger vor einem Übergreifen der Unruhen auf den weltweit wichtigsten Rohöl-Lieferanten in die Höhe getrieben wurde, fiel um mehr als ein Prozent auf 113,92 Dollar ab.