Frankfurt

Mitarbeiter fürchten Kahlschlag nach Börsen-Fusion

Deutsche Börsianer fürchten nach der Wall-Street-Übernahme um ihre Jobs. Der Betriebsrat erwartet ein Übergewicht auf Seiten der USA.

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Nach der Einigung auf eine Fusion der Börsen von Frankfurt und New York wächst bei der Belegschaft der Deutschen Börse die Sorge vor Einschnitten. Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Johannes Witt zeigte sich überzeugt: „Dieser Zusammenschluss geht zulasten der Mitarbeiter.“ Witt, der auch im Aufsichtsrat des Dax-Konzerns sitzt, sagte: „Vor allem die Mitarbeiter in der IT in Frankfurt und Luxemburg sind gefährdet.“ Die Sparte soll künftig von Paris aus geführt werden. Für den Bereich arbeiten etwa 1000 Mitarbeiter der Deutschen Börse in Frankfurt und Luxemburg.

Am Vortag hatten die Aufsichtsgremien von Deutscher Börse und NYSE Euronext grünes Licht für den Zusammenschluss gegeben. Die Konzernchefs betonten anschließend in einer gemeinsamen Pressekonferenz, es gehe um eine Fusion auf Augenhöhe. Chef (CEO) des Gemeinschaftsunternehmens soll der derzeitige NYSE Euronext-Chef Duncan Niederauer werden, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse, Reto Francioni, wird den Verwaltungsrat führen.

„Das beschworene Gleichgewicht zwischen den beiden Unternehmen wird nicht lange Bestand haben“, sagte Witt. „Am Ende wird einer das Übergewicht haben – und die Befürchtung ist, dass das doch New York sein wird: Der CEO steuert das operative Geschäft, die Aktionärsstruktur ist schon jetzt sehr angloamerikanisch.“ Die Deutsche Börse AG ist schon lang fest in ausländischer Hand. Fast zwei Drittel der Anteile werden von Investoren aus den USAund Großbritannien gehalten. Die NYSE Euronext, die als amerikanisch-europäisches Unternehmen 2006 entstand, befindet sich fest in US-amerikanischer Hand.

Insgesamt hält Witt den Börsengiganten, der nun geschmiedet werden soll, für zu unflexibel. „Ein solches Unternehmen ist viel zu komplex. Die Deutsche Börse in ihrer jetzigen Form hat schon genug Probleme, ihr integriertes Geschäftsmodell voll auszuschöpfen. Nun wird der Umsatz verdoppelt, aber die Probleme werden zugleich potenziert.“ Das Unternehmen werde „lange mit sich selbst beschäftigt sein und nicht so flexibel reagieren können wie der Markt und die Kunden das erwarten.

Ein so großes Unternehmen ist unbeweglich statt flexibel“, urteilte Witt. Die geplante Fusion benötigt noch die Erlaubnis der EU-Wettbewerbshüter. „Die Hochzeit kann nicht erfolgen, bevor sie unseren Segen bekommen hat“, sagte die Sprecherin von EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia. „Wir warten darauf, dass die Unternehmen ihr Vorhaben in Brüssel anmelden.“ Danach habe die EU-Kommission 25 Arbeitstage Zeit für eine Entscheidung. Inhaltlich wollte die Sprecherin die Pläne nicht kommentieren: „Wir werden den Fall analysieren und dann entscheiden.“