Grameen-Bank

Friedensnobelpreisträger Yunus klagt gegen Rauswurf

Bangladeshs Zentralbank hat Nobelpreisträger Yunus zwangsweise in Rente geschickt. Das will der Mikrokredit-Banker nicht akzeptieren.

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Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus ist gegen seine Abberufung als Direktor der Grameen-Bank in Bangladesh vorgegangen. Nach Angaben seiner Anwältin Sara Hossain hat Yunus vor dem Obersten Gerichtshof Berufung gegen die Entscheidung der Zentralbank eingelegt. Noch im Laufe des Tages sollte eine Anhörung stattfinden.

Die Zentralbank in Dhaka ordnete laut Fernsehberichten vom Mittwoch seine Ablösung an. Hintergrund sind Vorwürfe, dass Yunus über die bindende Altersgrenze von 60 Jahren hinaus im Amt geblieben sei. Der 70-Jährige ist Gründer der Grameen-Bank, die Mikrokredite an Arme vergibt und damit versucht, die Armut der Bevölkerung in Bangladesh zu lindern. Erst kürzlich war Yunus unter Druck geraten, als Ministerpräsidentin Sheikh Hasina die Grameen Bank und andere Mikrofinanz-Institutionen beschuldigte, hohe Zinsen zu erheben und das „Blut der armen Schuldner auszusaugen“.

Schuldner reagierten betroffen auf die Abberufung. Das sei eine schlechte Nachricht, sagte die 25-jährige Shefali Akter, die seit 2002 zwei Darlehen in Höhe von umgerechnet rund 720 Euro in Anspruch genommen hat. „Wir wissen, dass er ein geachteter Mann ist. Er hat dem Land Ehre gebracht. Wir alle respektieren ihn“, sagte die im nördlich gelegenen Bezirk Mymensingh lebende Akter.

Yunus gilt als Kritiker der Regierung, die mit 25 Prozent an der Bank beteiligt ist. Nach Angaben der Grameen-Bank wurde er 2000 auf unbestimmte Zeit zum Direktor des Instituts ernannt. Die normale Altersgrenze gelte in seinem Fall nicht, da die Bank gemäß einem Sondergesetz aus dem Jahr 1983 betrieben werde. Yunus gilt als einer der Begründer des Mikrofinanz-Gedankens. 2006 wurde er dafür mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Derzeit hat die Bank neun Millionen Schuldner, 97 Prozent davon sind Frauen. Diese nutzen das Geld, um über die Runden zu kommen oder um ein kleines Geschäft zu gründen.