Anlagetipp

Wie Sie Ihre Comic-Sammlung zu Geld machen

Geld verdienen mit bunten Bildern: Einzelne Comic-Hefte sind leicht Tausende Euro wert. Erforderlich sind aber Expertise, Glück und Geduld.

Foto: pa/dpa / pa/dpa/ComicConnect Corp

Vielleicht haben Sie selbst noch so einen Schatz daheim, ohne davon zu wissen. Band 1 der legendären Disney-Reihe "Lustige Taschenbücher" in der ersten Auflage von 1967 etwa, Titel "Der Kolumbusfalter". Den könnten Sie jetzt richtig zu Geld machen. Jedenfalls dann, wenn Sie vor langer, langer Zeit entsprechende Vorkehrungen getroffen haben, als da wären: Buch nicht anfassen, geschweige denn lesen, am besten sogar einschweißen und vor Sonneneinstrahlung geschützt lagern. Dann könnte das Objekt eventuell dem "Zustand 0" entsprechen, der in der Branche der Comicsammler das Ideal darstellt - keine Eselsohren, lose Einbände oder Malereien im Innern - und damit durchaus 1500 Euro an Verkaufserlös einbringen, wie sich etwa auf der Internet-Seite comic-guide.de ermitteln lässt.

Haben Sie den "Kolumbusfalter" also tatsächlich noch? Aber natürlich gelesen, mehrfach an Freunde verliehen und hier und da die Filzstifte ausprobiert, die 1969 unterm Weihnachtsbaum lagen? Tja, dann ist das Buch jetzt wohl leider nur noch im "Zustand 4". Es "besitzt noch Lesewert" und darf sogar "nicht unbedingt appetitlich" wirken, aber den Marktwert gibt comic-guide.de dann auch mit lediglich noch 100 Euro an.

Das Beispiel zeigt schon: Mit Comics Geld verdienen ist möglich. Wer allerdings nicht über entsprechende Expertise und damit Marktgespür verfügt und bei seiner Sammlerei nicht systematisch vorgeht, ist auf pures Glück angewiesen, um einmal einen mehr oder weniger großen Coup zu landen. So wie Robert Irwin. Der US-Amerikaner kaufte vor mehr als 70 Jahren in Kalifornien für zehn Cent Heft 27 aus der Serie "Detective Comics". Das war genau die Ausgabe, in der der Fledermausmann Batman 1938 als neue Heldenfigur eingeführt wurde. Diese Tatsache macht das Heftchen zum wahren Schatz: Bei einer Versteigerung brachte das seltene Exemplar seinem Besitzer nach Auskunft des Auktionshauses Heritage Auctions vor wenigen Tagen satte 490.000 Dollar (rund 368.000 Euro) ein.

Und das ist noch nicht mal der Höchstpreis, zu dem ein Comic-Strip den Besitzer gewechselt hat. So gilt heute als teuerster Comic aller Zeiten die Originalzeichnung des "Tim und Struppi"-Erfinders Hergé mit dem Titel "Die Zigarren des Pharaos". Sie soll einen Verkaufserlös von rund 500.000 Euro eingebracht haben. Preise im unteren fünfstelligen Bereich sind dagegen im Handel mit den gezeichneten Geschichtchen durchaus keine Seltenheit.

Früher wurden die Heftchen meist entsorgt

Wie bei allen Gütern wird der Preis auch bei Comics durch das Zusammenspiel aus Angebot und Nachfrage bestimmt. Und da gibt es auf diesem Markt ein paar Aspekte zu beachten. Zum Beispiel, dass sich die Sammelleidenschaft für Comics in Deutschland - anders als bei Briefmarken oder Münzen - erst seit den 70er-Jahren verbreitet hat. Zuvor waren die Heftchen überwiegend nach dem Lesen weggeworfen worden - was die beste Voraussetzung für eine echte Knappheit ist, die dann bei entsprechender Nachfrage für Traumrenditen sorgt.

Angesichts der teilweise rasanten Preissteigerungen rückte Anfang der 90er-Jahre unter Sammlern die Frage nach dem Zustand eines Comics mehr und mehr in den Vordergrund. "Die Masse der vorhandenen Exemplare wurde natürlich als Gebrauchsgegenstand betrachtet und weist somit entsprechende Spuren auf", sagt Frank Luley von der Bremer Comic-Mafia. Wirklich gut erhaltene Heftchen oder Büchlein, vor allem aus den 50er- oder 60er-Jahren, sind somit also eine Rarität - und werden entsprechend hoch gehandelt.

Mickey Maus von 1951

Luleys bester Deal etwa war eine Erstausgabe der Micky-Maus-Hefte aus dem Jahr 1951. "Das ist im lesbaren Zustand durchaus für 1000 Euro zu bekommen. Wir hatten mal ein fast perfektes, nur mit dem Hauch eines Knicks versehenes Exemplar, das wir dann für 15.000 Euro verkauft haben." Im Zustand 0, der laut Luley so gut wie nicht vergeben wird, wäre das Heft gern noch mal 5000 Euro mehr wert gewesen.

Und wenn man heute den Grundstein für späteren Reichtum mit Comics legen will? "Wer neu im Markt ist, sollte sich ein Segment vornehmen, mit dem er seit seiner Kindheit vertraut ist", rät Luley. Lucky Luke, Bessy, Micky Maus, Tim und Struppi oder Asterix etwa. Dort fällt es am leichtesten, sich einen Überblick zu verschaffen. "Außerdem: Das ganze soll in erster Linie Hobby sein - wenn dann mal ein Reibach winkt, umso besser." Und wenn nicht, bereitet ein eventueller Kauf zumindest Freude beim - vorsichtigen - Lesen.

Von Käufen über das Internet rät der Comic-Experte eher ab: "Wie der Zustand eines Exemplars definiert wird, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Das führt fast zwangsläufig zu Missverständnissen - und Enttäuschungen." Besser geeignet sollten seriöse Händler sein, am besten mit Ladengeschäft. Und auch auf Auktionen lässt sich sicher das eine oder andere gute Stück erstehen.