Rohstoff-Produkte

Warum Anleger nicht von der Preisrallye profitieren

Für Anleger bleibt oft nur der Abraum: Trotz Superzyklus bei den Rohstoffen enttäuschen viele Indexfonds und Zertifikate.

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Marius Kloppers weiß, wie der Hase läuft. Zielstrebig schmiedet sich der Boss des weltgrößten Bergbaukonzerns BHP Billiton ein Rohstoffimperium zusammen. Jetzt greift er nach dem kanadischen Düngemittelhersteller Potash Corp. Kloppers setzt darauf, dass Schätze der Erde immer gefragter und knapper werden – und die Preise entsprechend steigen. Manche Analysten reden wegen der Bevölkerungsexplosion und der Industrialisierung Asiens von einem „Superzyklus“.

Für Kloppers steht fest: Wer den Trend rechtzeitig erkennt und sich mit der gesamten Palette an Rohstoffen von Kalisalz über Gold, Uran bis hin zu Kupfer, Eisenerzen und Öl eindeckt, kann einen guten Schnitt machen. Schon jetzt ist der australische Multi an der Börse mit 181 Milliarden Dollar bewertet. Damit ist BHP Billiton der zehntgrößte Konzern auf dem Globus. Noch zur Jahrtausendwende spielten Bergwerksunternehmen in der Börsenoberliga keine Rolle.

Ganz anders heute: Unter den zehn größten Unternehmen der Welt finden sich drei Gesellschaften, die mit der Gewinnung von Öl, Gas, Erzen und anderen Schätzen der Erde ihr Geld verdienen. Mit Buddeln und Bohren lässt sich Kohle machen. Zumindest gilt das für Kloppers und die Seinen. Anleger hingegen haben es schwer, aus dem Superzyklus Gewinn zu schlagen. Nur wenige Produkte, die für Private zugänglich sind, geben die Wertsteigerungen der Rohstoffe weiter. Weizen hat zuletzt eine sagenhafte Rallye hingelegt. Das Getreide verteuerte sich in den Sommermonaten um 50 Prozent. Nicht so der Weizen-Indexfonds: dessen Kurs legte gerade einmal 20 Prozent zu.

Wer seit Ende 2006 mit von der Partie ist, sitzt auf einem Verlust von 26 Prozent, wohingegen der Agrarrohstoff 36 Prozent an Wert gewonnen hat. Noch schlechter erging es Anlegern, die mit Zertifikaten oder Indexfonds auf den Preisanstieg bei Mais setzten. Während der Mais-Preis seit Ende 2006 um 21 Prozent nach oben gesprungen ist, hat sich ein Mais-Zertifikat von RBS fast halbiert. Auch wer sich auf dem Kaffee-Markt einen Rendite-Kick holen wollte, wurde enttäuscht: Zwar war die Grundidee richtig – die Notierungen konnten sich innerhalb von dreieinhalb Jahren verdoppeln –, die Performance der entsprechenden Indexfonds war allerdings eher zum Einschlafen.

Energie-Anleger machen hohe Verluste

Ganz übel traf es Anleger, die sich zu kleinen Energie-Spekulanten aufschwingen wollten. Gemessen am Stand von Ende 2006 steht der Ölpreis 27 Prozent im Plus. Nicht so Zertifikate oder Indexfonds auf den Ölpreis. Sie notieren häufig deutlich niedriger. Der ETFS Crude Oil zum Beispiel bescherte Anlegern seither einen schmerzlichen Verlust von 42 Prozent. Den Vogel schießen Anlageprodukte auf Erdgas ab: Schlimm genug, dass sich die Notierungen des gasförmigen Energieträgers halbierten. Die Besitzer von Zertifikaten und Indexfonds traf es finanziell weitaus schlimmer: das normale Erdgas-Produkt liegt 85 Prozent im Minus. Wer die gehebelte Version erwarb, sitzt auf einem Kapitalverlust von 99 Prozent. Von 1000 Euro sind noch zehn übrig, die in etwa den Verkaufsgebühren eines günstigen Internet-Brokers entsprechen.

Tausende Anleger müssen sich mit dem Abraum des Rohstoff-Superzyklus zufrieden geben. Nach Informationen der Finanznachrichtenagentur Bloomberg sind allein dieses Jahr 277 Milliarden Dollar (circa 215 Milliarden Euro) in Rohstoff-Produkte geflossen. Grund für die schwache Ertragsentwicklung sind nicht allein die hohen Gebühren, die die Anbieter in ihre Taschen stecken. Vor allem zeichnen dafür die Eigenheiten des Rohstoffmarkts verantwortlich. Lediglich Gold und einige wenige andere Rohstoffe lassen sich problemlos ohne hohe Kosten und die Gefahr des Verderbens lagern: Weizen, Mais und Kaffee drohen zu verrotten, Öl- und Erdgas-Speicher sind teuer im Unterhalt. Rinder, Schafe und Schweine leben auch nicht ewig und sind für Investmentzwecke schwer zu stückeln.

Also weichen die Anbieter auf den Terminmarkt aus. Die Kontrakte laufen aber meist nur über drei Monate und müssen regelmäßig erneuert werden, damit das Zertifikat oder den Indexfonds weiter mit dem Rohstoff unterlegt ist. Bei diesem „Rollen“, wie dieser Vorgang in der Fachsprache heißt, fallen häufig Verluste an. Das liegt daran, dass der Preis für den neuen Kontrakt teurer ist als der auslaufende. Allein beim Erdgas entstehen auf diese Weise jährliche „Rollverluste“ von 20 Prozent. Das bedeutet, dass der Rohstoff erstmal um 20 Prozent zulegen muss, ehe der Anleger plusminus null ist. Häufig tun Sparer besser daran, sich die Aktien von Minengesellschaften zu kaufen als Zertifikate oder Indexfonds auf die Rohstoffe. Doch dafür muss BHP-Chef Kloppers auch künftig Gespür beweisen.