Geldpolitik

EZB signalisiert Zinsanhebung trotz Japan-Krise

Die Inflationsrate in der Eurozone ist zu hoch. Nach EZB-Chef Trichet deutet nun ein weiteres Ratsmitglied eine Zinserhöhung an.

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Trotz der gestiegenen Risiken für die Weltwirtschaft durch die Katastrophe in Japan hält die Europäische Zentralbank (EZB) Kurs auf die erste Zinserhöhung seit fast drei Jahren. Wegen der spürbar steigenden Preise signalisierte EZB-Ratsmitglied Yves Mersch am Montag die Bereitschaft zu einer Zinserhöhung im April.

Die EZB sei auf ein „entschlossenes und rechtzeitiges“ Handeln vorbereitet, schrieb Mersch in einem Bericht der von ihm geleiteten Luxemburger Notenbank: „Wir werden die angemessenen Entscheidungen treffen, um mittelfristig Preisstabilität zu wahren.“

Die Teuerungsrate in den 17 Euro-Ländern liegt mit 2,4 Prozent derzeit klar über der Marke von zwei Prozent, bis zu der die Währungshüter von stabilen Preisen sprechen. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat deshalb für April eine Zinserhöhung angedeutet - es wäre die erste seit Juli 2008.

Der Leitzins liegt seit knapp zwei Jahren auf dem Rekordtief von einem Prozent. Billiges Geld schiebt die Wirtschaft an, kann bei besserer Konjunktur aber auch die Inflation anheizen.

Einige Experten erwarten aber, dass die EZB den Zinsschritt aufschiebt. „Die EZB wird diese Ankündigung wieder kassieren“, sagte etwa der Chefvolkswirt der UNO-Konferenz für Welthandel und Entwicklung (UNCTAD), Heiner Flassbeck.

Die massiven Zerstörungen durch das Jahrhundertbeben haben in Japan die Produktion in vielen Fabriken lahm gelegt. Dadurch fehlen auch europäischen Unternehmen wie dem Autobauer Opel wichtige Bauteile. Experten befürchten zudem, dass die Japan-Krise auch die Stimmung von Unternehmen und Verbrauchern drückt.

Die EZB hält wegen der Finanzkrise nicht nur die Zinsen auf einem Rekordtief, sondern stattet auch die Finanzinstitute mit viel Geld aus. Die Bundesbank will diese üppige Liquiditätsspritzen eher früher als später abgesetzt sehen.

„Sie sind schädlich, wenn sie als Dauermedikation verabreicht werden“, heißt es im Monatsbericht der Bundesbank. Andernfalls würden auch Geschäftsbanken über Wasser gehalten, die am Markt keine Mittel mehr erhielten. „Damit entsteht die Gefahr, dass eine notwendige Restrukturierung in Teilen des Bankensystems verzögert wird oder ganz unterbleibt.“