Zinsniveau

Sparzulage für Riester und Co. ist nun Gold wert

Geförderte Sparverträge stehen in Niedrigzinsphasen plötzlich blendend da. Vor allem Riester-, Rürup- und Betriebsrenten werden kräftig aufgewertet.

Foto: Infografik Morgenpost Online

Staatliche Förderung klingt für manche Sparer zunächst einmal nicht unbedingt attraktiv. Es regt sich der Verdacht der Fürsorge, der Bevormundung – vor allem aber klingt es nach vielen Formularen und Vorschriften. Tatsächlich ist die geförderte Altersvorsorge mit den vier Bausteinen Riester-Rente, Basisrente („Rürup“), betrieblicher Altersvorsorge und Wohn-Riester aufwendig gestaltet. Der Gesetzgeber wollte möglichst gerecht vorgehen und schuf ein feingliedriges Gerüst aus Fristen, Fördersätzen und Nebenbedingungen. Banken, Sparkassen und Versicherungen ihrerseits machen es den Kunden schwer, die verschiedenen Produkte miteinander zu vergleichen. Für jeden Berufstätigen ergibt es dennoch Sinn, näher hinzusehen. Denn gerade in der aktuellen Niedrigzinsphase wirken selbst kleine Förderbeträge über viele Jahre gerechnet wie ein Renditeturbo.

Für viele Angestellte ist die Riester-Rente erste Wahl, denn mit einem solchen Vertrag sind sie unabhängig vom Arbeitgeber. 145 Euro beträgt die staatliche Grundzulage maximal pro Jahr. Für jedes Kind, für das auch Anspruch auf Kindergeld besteht, addieren sich noch bis zu 185 Euro dazu. Für alle Sprösslinge, die seit 2008 geboren sind, gibt es gar bis zu 300 Euro. Außerdem erhalten Sparer über ihre Steuererklärung Geld zurück. Seit 2008 können sie höchstens 2100 Euro inklusive Zulage pro Jahr geltend machen. Die Zulage wird dann von der Steuerersparnis abgezogen.

Es gibt staatlich geförderte Banksparpläne, Fondssparpläne, klassische Rentenversicherungen oder auch Bausparverträge. Dabei hat jedes Angebot seine ureigenen Vor- wie auch Nachteile. Eines aber ist allen Riester-Produkten gemein: Sie garantieren den Erhalt des eingezahlten Geldes und der staatlichen Zulage – allerdings nur dem, der auch bis zum Ende der Ansparphase durchhält. Wer vorher abtrünnig wird, zahlt oft drauf. Denn die Gesellschaften dürfen sich ihre Gesamtkosten bereits in den ersten fünf Jahren Vertragslaufzeit von ihren Kunden zurückholen.

Wirklich geschenkt ist auch das Riester-Geld vom Staat jedoch nicht: Einen großen Teil der Zulagen und Steuervorteile holt sich der Fiskus später zurück – in Form einer Besteuerung im Alter. Alle, die sich 2040 oder später zur Ruhe setzen, erwartet eine enorme Steuerlast.

Etwas attraktiver kommt die betriebliche Altersvorsorge (BAV) daher, zumindest in der Ansparphase. Jeder der hierzulande 30 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hat das Anrecht, einen Teil seiner Bezüge für die betriebliche Vorsorge umzuwandeln. Bei der Betriebsrente kann der Arbeitnehmer in diesem Jahr bis zu 4440 Euro aus seinem Gehalt steuer- und bis zu 2640 Euro sozialversicherungsfrei investieren. Das Geld fließt direkt aus dem Brutto, niemand muss schon einmal versteuertes Einkommen einsetzen. Und auch die Beiträge für die Renten- oder Krankenversicherung sinken.

Zwar müssen im Gegenzug die ausgezahlten Beträge versteuert werden und es fallen auf Betriebsrenten auch Sozialabgaben an. Allerdings dürfte der Steuersatz im Alter wesentlich niedriger sein als im aktiven Arbeitsleben. Die steuerliche Förderung wirkt kräftig: „Aus einer Garantieverzinsung von 2,25 Prozent kann für die Sparer so rasch eine Rendite von 5,5 bis sechs Prozent herauskommen“, sagt Uwe Saßmannshausen von der Beratungsfirma Pension Solutions.

Selbständige dagegen werden vom Staat nur bei der Basisrente unterstützt. Diese „Rürup“-Verträge sind jedoch weder übertragbar noch beleihbar und auch nicht vererbbar. Verstirbt der Einzahler in der Ansparphase, fällt das Vermögen wie bei der gesetzlichen Rentenversicherung dem Kollektiv zu. Schlimmer noch: Die dem Riester-Sparer so geliebte Kapitalgarantie gilt nicht für die Basis-Rente. Die Einzahlungen kann der Rürup-Sparer als Sonderausgaben in der Steuererklärung abrechnen. Aktuell sind das 70 Prozent, also maximal 14.000 Euro. Für Eheleute verdoppelt sich der Betrag. Bis zum Jahr 2025 steigt die abzugsfähige Summe sukzessive an, bis auf 100 Prozent. Bis 2040 steigt allerdings auch der Anteil, den der Staat in der Auszahlungsphase wieder versteuern darf.