Staatsschulden

S&P und Moody's drohen Europäern mit Rating-Stopp

In Brüssel gibt es Erwägungen, Ratingagenturen für falsche Einstufungen haftbar zu machen. Doch S&P und Moody's wissen sich zu wehren.

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Der Streit zwischen den internationalen Ratingagenturen und der Europäischen Union nimmt an Schärfe zu. Die Agenturen drohen Branchenkreisen zufolge damit, ihre Bewertung der Zahlungsfähigkeit hochverschuldeter Euro-Staaten ganz einzustellen. In diesem Fall würden Investoren um diese Länder komplett einen Bogen machen, sagten Experten.

Sollte die EU die Agenturen tatsächlich für eine falsche Einstufung haftbar machen, könnten die Institute ihre Bewertungen ganz einstellen, hieß es in den Branchenkreisen. Hintergrund des Streits sind die jüngsten Herabstufungen von Staaten wie Portugal und Griechenland durch Agenturen wie Moody's, S&P oder Fitch.

Das Rating spielt eine entscheidende Rolle für den Zins, den die Länder bei Anleihen auf den internationalen Märkten zahlen müssen. Die EU-Kommission hat die jüngsten Herabstufungen massiv kritisiert und erwägt, eine Haftung einzuführen. Dies könnte im kommenden Jahr geschehen.

„Ratingagenturen sind nicht ausgelegt, um diese Art von Risiko zu tragen“, verlautete aus Branchenkreisen. Eine solche Regelung könnte zu einer „Rücknahme der Ratings in verschiedenen Bereichen“ führen.

In einem Dokument von S&P hieß es ebenfalls, als Folge sei „eine Einschränkung der Einstufung“ in Risikofällen denkbar. Entsprechende Sorgen würden auch von anderen Agenturen wie Moody's geteilt, hieß es dazu in den Branchenkreisen.

Experten sehen ein Dilemma. Die Ratingagenturen hätten in der Vergangenheit schlampig gearbeitet, sagte Sony Kapoor von der Denkfabrik Re-Define: „Ihre Einstufungen waren vor der Krise zu hoch und jetzt sind sie zu niedrig“, sagte er.

Allerdings führe an den Agenturen kein Weg vorbei, weil alle Beteiligten - von der EZB bis zu den Banken – auf die Noten zurückgreife. Die EU müsse vorsichtig vorgehen: „Wenn ein Land kein Rating erhält, verschwindet es für Investoren von der Landkarte“, warnte Kapoor.