Bankenaufsicht zu streng

Finanzinstitut Barclays erwägt Wegzug aus London

Die britische Bank Barclays sitzt seit Jahrhunderten in London, denkt aber wegen strenger Regeln über Umzug nach. Das Wunschziel steht fest.

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Eine als zu streng empfundene Bankenaufsicht macht der britischen Bank Barclays offenbar die Heimat madig. Das Londoner Traditionshaus erwägt einen Umzug in ein ausländisches Finanzzentrum, wie aus mit der Sache vertrauten Kreisen verlautete. Damit würde sich die Bank die hohen Kosten sparen, die durch die härteren Eigenkapitalvorschriften auf sie zukämen.

Dem „Wall Street Journal“ zufolge ist eine Verlegung des Konzernsitzes nach New York im Gespräch. Dies würde die Bank zunächst mehrere Hundert Millionen Pfund kosten, berichtete die Zeitung. Barclays prüfe derzeit, ob ein Umzug sinnvoll sei. Es gebe bereits erste Gespräche mit den US-Aufsichtsbehörden. Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg sagte, ein Umzug der Bank in seine Stadt wäre „großartig“. Allerdings biete New York keine speziellen Anreize dafür an. Die Bank wollte sich nicht äußern.

Sie hatte zwar bereits deutlich gemacht, einen Verbleib in London zu bevorzugen, wo Barclays seit mehr als 300 Jahren zu Hause ist. Manager Marcus Agius sagte aber schon im August 2010, Barclays und andere Institute müssten sich wegen der weltweit geänderten Aufsichtsregeln Gedanken über ihre Firmensitze machen.

Sein HSBC-Kollege Douglas Flint sagte, unter Umständen könnten die britischen Banken durch Auflagen Kunden verlieren und müssten daher „Entscheidungen treffen, um ihre Geschäfte zu sichern“. Und Konkurrent Standard Chartered sprach zuletzt von einer nachlassenden Attraktivität des Finanzplatzes London.

Abzug wegen Aktionären

Barclays könnte sich nach Einschätzung der Analysten der Schweizer Bank UBS aus Rücksicht auf die eigenen Aktionäre zu einem Abzug gezwungen sehen. „Während die Bezahlung des Personals durch den internationalen Vergleich bestimmt wird, wird die Entlohnung der Anteilseigner offenkundig zunehmend von den nationalen Aufsehern bestimmt“, heißt es in einer UBS-Studie. „Wenn sich dieser Unterschied verfestigt, hat Barclays unserer Auffassung nach kaum eine andere Wahl, als eine Änderung des Firmensitzes ins Auge zu fassen.“

Wenn Banken ihre Geschäfte mit mehr Eigenkapital absichern müssen, schränkt das ihre Gewinnchancen ein – und damit am Ende auch die Ausschüttungen an die Aktionäre. Die unter dem Schlagwort Basel III bekannten künftigen internationalen Regeln sehen eine harte Kernkapitalquote von sieben Prozent vor.

In bestimmten Ländern wie Großbritannien und der Schweiz setzen die Aufseher hier die Latte noch höher. Außerdem gibt es in Großbritannien Überlegungen, dass die Institute ihre Investmentbanken gesondert mit Kapital ausstatten. Dazu müssten Milliarden aufgebracht werden. Experten zufolge könnte ein Wegzug aus London auch ein großer finanzieller Verlust für die Stadt sein. Allein in Großbritannien zahlte Barclays im vergangenen Jahr 2,8 Milliarden Pfund (3,2 Milliarden Euro) Steuern.