Geldanlagen

Mittelstandsanleihen sind das nächste heiße Ding

Beinahe täglich offeriert das Mittelstandssegment der Börse Stuttgart neue Traumrenditen. Doch Sparer übersehen gerne die extremen Risiken.

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Wundern Sie sich nicht, wenn sich Ihr nächster Taxi-Smalltalk um Bond-M dreht. Das ist nicht der neue 007-Agentenfilm, sondern das neue heiße Ding für Privatanleger. Bond-M ist das Segment für Mittelstandsanleihen der Börse Stuttgart.

Beinahe täglich werden neue Papiere mit Traumrenditen zur Zeichnung offeriert. Es handelt sich um Anleihen von kleineren und mittelgroßen Unternehmen, die sich Geld beschaffen und hierfür Zinsen von sieben Prozent und mehr bieten. Die Sparer lassen sich nicht lange bitten. Viele dieser Emissionen sind weit vor Ablauf der Angebotsfrist vergriffen.

Jüngstes Beispiel ist die German Pellet GmbH. Innerhalb von nur fünf Tagen und damit fast doppelt so schnell wie geplant waren Schuldscheine im Wert von 80 Mio. Euro bei Anlegern platziert. Kein Wunder, bietet der Produzent von Holzpresslingen, die zur Stromerzeugung in Heizungsanlagen und Kraftwerken verbrannt werden, doch einen Zins von 7,25 Prozent. Ein anderer Hochprozenter, die Firma Underberg – Hersteller des gleichnamigen Kräuterschnaps sowie Asbach – ist schon vor Beginn der Zeichnungsphase so gut wie platziert. Ab kommenden Montag können Sparer über das neue Mittelstandssegment der Börse Düsseldorf ein paar Stücke zu 7,125 Prozent des Spirituosenmittelständlers ordern.

Denn der Erfolg in Stuttgart hat auch andere Börsen auf den Plan gerufen. Bond-M hat seit Mai 2010 über eine Milliarde Euro bei Anlegern locker gemacht. Nun ziehen Düsseldorf und Frankfurt nach. Die Deutsche Börse wird ihr Mittelstandssegment für Aktien, den Entry Standard, auf Anleihen ausweiten.

„Die euphorische Situation erinnert ein wenig an den Neuen Markt“, sagt Heinz Steffen, Analyst beim unabhängigen Researchhaus Fair Research. In der momentanen Niedrigzinsphase würden sich viele private Investoren von den hohen Zinsen verführen lassen und dabei die Risiken aus den Augen verlieren.

So wären die Anleger in den meisten Fällen ihrer elementaren Rechte beraubt. Der Blick in die Prospekte vieler Unternehmen offenbare gewaltige Risiken. „Dabei ist die Idee der Mittelstandsbörsen großartig“, sagt Steffen. Allerdings habe die Euphorie auch viele fragwürdige Finanzierungskonzepte an den Markt gebracht. „Viele Banken nutzen die Möglichkeit, alte Kredite durch die Emissionen abzulösen. Dann bleiben die Anleger mit den Risiken allein.“

Und diese sind oftmals sehr hoch. Einige der Firmen erwirtschaften derzeit keine ausreichenden Gewinne. Die Zinszahlungen müssen dann aus neuen Anleihen bedient werden. Außerdem fehlen bei den meisten Papieren Schutzklauseln für den Fall, dass ein Unternehmen einen neuen Eigentümer bekommt. Nicht selten werden gerade Mittelständler von Private-Equity-Investoren übernommen und der Kaufpreis wird dem Unternehmen als neue Schulden aufgebrummt.

Damit verschlechtert sich die Situation der Altgläubiger erheblich. Die meisten Anleihen enthalten daher Sonderkündigungsrechte für die Sparer bei Übernahmen. Diese fehlen aber bei den meisten Mittelstandbonds. Auch beim Rating müssen Investoren Abstriche machen. Nicht nur, dass die Bonitätsnoten nicht von den etablierten großen Agenturen S&P, Moody's oder Fitch stammen. Auch werden nicht die Anleihen, sondern lediglich die Firmen bewertet. In der Regel gibt es hier Unterschiede, weil die einzelne Anleihe weniger sicher ist.

Die Börse Stuttgart verweist auf die Finanzmarktcoachs, die die Unternehmen an die Börse bringen und auch mit ihrem Namen für die Güte bürgen. Allerdings hat sie bislang noch nicht veröffentlicht, welcher Coach welche Anleihe an den Markt gebracht hat.

„Angesichts der Risiken sind die Renditen nicht mehr so überwältigend. Acht Prozent bekomme ich derzeit auch, wenn ich Portugal Geld leihe. Bei den Mittelständlern müssten die Zinsen oftmals zweistellig sein“, sagt Steffen. Trotzdem will er das Segment nicht verdammen. Anleger müssten vielmehr selektiv vorgehen. Weniger angetan ist er von den Anleihen der Joh. Friedrich Behrens AG. Und auch Schuldscheine der Firma Windreich finden nicht sein Gefallen. Überzeugter ist er von Rena-Anleihen. Das Unternehmen sei solide. René Parmantier von der Close Brothers Seydler Bank, der selbst etwa die Underberg-Anleihe platziert, rät Anlegern dazu, nur auf solide Mittelständler mit Tradition zu setzen, die Gewinne schreiben.