Börsen-Bericht

Dax knackt wieder die 7000-Punkte-Marke

Der deutsche Leitindex schafft erstmals seit dem Japan-Beben wieder die 7000 Zähler. Börsianer blenden die Situation in Japan völlig aus.

Angetrieben von festen Autowerten hat der Dax am Mittwoch erstmals seit dem Erdbeben in Japan wieder über der Marke von 7000 Punkten geschlossen. Der deutsche Leitindex stieg um 1,8 Prozent auf 7057 Punkte.

So hoch hatte das Börsenbarometer seit dem 10. März nicht mehr notiert, bevor Japan vom schwersten Beben seit Beginn der Aufzeichnungen und einem darauffolgenden Tsunami erschüttert worden war.

„Es schaut so aus, als ob der Aktienmarkt derzeit alle schlechten Nachrichten ausblendet“, zeigte sich ein Händler verwundert. „Es interessiert nicht die Atomkatastrophe in Japan und nicht, dass der Krieg in Libyen anhält.“

Dank der schwer gewichteten Autowerte fuhr der Dax vielen anderen Märkten in Europa und den USA davon. Der EuroStoxx50 für die Euro-Zone legte nur 0,8 Prozent auf 2933 Zähler zu. In New York lag der Dow-Jones-Index bei Handelsschluss in Europa nur 0,6 Prozent fester.

Daten zum US-Arbeitsmarkt stimmten Anleger skeptisch. Die private Arbeitsagentur ADP vermeldete einen Aufbau von gut 200.000 Stellen in der US-Privatwirtschaft im März. „Vom Konjunkturzyklus her müssten doppelt so viele neue Stellen entstehen. Man muss bedenken, dass die Bevölkerung der USA wächst und Arbeitsplätze benötigt“, sagte ein Börsianer.

Die Situation in dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima ist laut der japanischen Regierung außer Kontrolle. Nach Einschätzung von Börsianern haben sich viele Anleger mit der Situation in Japan arrangiert. Dies zeigte sich auch an der Börse in Tokio, wo der Nikkei-Index 2,6 Prozent fester mit 9708 Punkten aus dem Handel ging.

Sobald die Folgen des Bebens für die Wirtschaft deutlich würden, könne die Stimmung aber drehen. „In der Autoindustrie sitzen viele wichtige Zulieferer in Japan. Wenn die nicht bald wieder liefern können, werden die Lager in Europa leer sein und die Produktion wird stocken“, gab ein Händler zu bedenken.

Dennoch griffen Anleger bei den Titeln der Autohersteller und -zulieferer zu, der europäische Stoxx-Branchenindex gewann 1,6 Prozent. MAN profitierten von einem positiven Analystenkommentar und waren mit einem Kursanstieg um 3,3 Prozent auf 87,56 Euro größter Dax-Gewinner.

JP Morgan erhöhte das Kursziel für die Papiere des Lkw- und Maschinenbauers auf 117 von 110 Euro. Der Ausblick für das Geschäft im Diesel- und Turbo-Bereich verspreche ein gleichbleibendes Niveau 2011 und ein Umsatzwachstum von rund fünf Prozent 2012, erklärten die Analysten.

Die Aktien der beiden schwedischen Konkurrenten Scania und Volvo legten 3,2 beziehungsweise zwei Prozent zu, Daimler-Titel gewannen 3,1 Prozent.

Die in keinem großen Index gelisteten Aktien von Porsche verloren ex Bezugsrechte 2,5 Prozent auf 47,88 Euro. Die Bezugsrechte haben einen Wert von 8,34 Euro. Das Unternehmen platziert mehr als 131 Millionen neue Aktien am Markt. Der Bezugspreis für die neuen Stamm- und Vorzugspapiere liegt bei 38 Euro. Die Aktien des designierten Fusionspartners Volkswagen verteuerten sich um 2,8 Prozent.

Die zuletzt wegen der Atomkatastrophe gefragten Wind- und Solarwerte weiteten ihre Vortagesverluste aus. Der ÖkoDax gab zwei Prozent nach. Die Aktien des Windanlagenherstellers Nordex rutschen nach einer Herabstufung durch die Commerzbank um knapp zehn Prozent ab.

Zwar dürften in Deutschland künftig alternative Energien favorisiert werden, doch werde Nordex vermutlich davon nicht so stark profitieren, schrieben die Analysten.

In New York schossen die Aktien des Pharma-Unternehmens Cephalon nach einer 5,7 Milliarden US-Dollar schweren Übernahmeofferte des kanadischen Arzneimittel-Herstellers Valeant um 28 Prozent in die Höhe. „Rein aus Marktperspektive ist das ermutigend“, sagte Portfoliomanager James Dailey von TEAM Asset Strategy Fund. „Es zeigt, dass die Zuversicht zunimmt unter den amerikanischen Unternehmen.“