Börsen-Bericht

Kaum Umsätze im Dax – Krisen vertreiben Investoren

Angesichts der zahlreichen globalen Krisen haben sich Anleger nur zögerlich an die Aktienmärkte getraut. Der Dax schloss bei sehr dünnen Umsätzen 0,4 Prozent fester bei 6804 Zählern.

Der Euro-Stoxx 50 gewann 0,3 Prozent, die US-Börsen tendierten uneinheitlich. Der Krieg in Libyen, der verzweifelte Kampf japanischer Rettungskräfte gegen den Super-GAU in Fukushima und die Schuldenkrise in Südeuropa machten die Investoren nervös. Am Nachmittag gerieten die Indizes weiter unter Druck, nachdem bekanntwurde, dass die Modalitäten zur Stärkung des Euro-Rettungsfonds EFSF voraussichtlich nicht beim EU-Gipfel Ende der Woche festgelegt werden. Hinzu kamen Meldungen über einen Bombenanschlag an einer Bushaltestelle in Jerusalem, bei dem bis zu 30 Menschen verletzt wurden und ein Mensch starb.

Einige Experten raten Anlegern angesichts dieser Gemengelage zur Zurückhaltung. „Das Spannungsfeld ist erheblich zwischen der sehr guten Konjunktur und den enormen Unsicherheiten“, sagte Volkswirt Matthias Thiel von MM Warburg. „Solange sich nicht wenigstens bei ein, zwei Krisenherden Perspektiven abzeichnen, wird der Markt auch keine neue Orientierung finden. Abwarten kann derzeit durchaus die richtige Strategie sein.“

In Libyen hielten die Kämpfe zwischen der westlichen Allianz und den Rebellen auf der einen sowie den Truppen von Machthaber Muammar Gaddafi auf der anderen Seite an. Meldungen aus Japan erhöhten die Angst vor einer radioaktiven Katastrophe. Über dem Reaktor 3 des Atomkraftwerks Fukushima war am Morgen schwarzer Rauch ausgetreten, später folgte die Nachricht über ein erneutes Erdbeben in der Nähe des Kraftwerks.

Mit bis zu 220 Milliarden Euro ist das Desaster in Japan nach Einschätzung der Regierung die mit Abstand teuerste Naturkatastrophe aller Zeiten. Die Aktien der Rückversicherer standen folglich wieder auf den Verkaufslisten. Im Dax verloren die Titel der Münchener Rück bis zu drei Prozent und schlossen 0,4 Prozent tiefer. Der Konzern hat die Kosten für das Beben höher als die Konkurrenz angesetzt und zugleich das Erreichen seiner Gewinnziele für 2011 bezweifelt. Hannover Rück büßten 1,1 Prozent ein, Credit Suisse beendeten den Handel 0,1 Prozent niedriger.

In Europa hatten Investoren die Regierungskrise in Portugal im Blick. Im Parlament in Lissabon zeichnete sich keine Mehrheit für das jüngste Sparpaket der sozialistischen Minderheitsregierung von Jose Socrates ab. Der Ministerpräsident kündigte einem Radiosender zufolge für Mittwochabend eine Erklärung an. Sollte die Regierung am Widerstand der Opposition zerbrechen, müsste das Land womöglich sehr schnell zum finanziellen Überleben Hilfe aus dem europäischen Rettungsschirm beantragen.

Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou warnte zudem am Tag vor Beginn des EU-Gipfels vor den Folgen einer Umschuldung Griechenlands. An den Finanzmärkten wurde diese Frage heftig diskutiert; Bankwerte wurden vorsorglich verkauft. Die Aktien von Deutsche Bank und Commerzbank gaben 0,5 beziehungsweise 0,3 Prozent nach. Der europäische Bankenindex schloss 0,2 Prozent schwächer. Gegen den Trend stemmen konnten sich die Unicredit-Papiere, die 2,2 Prozent fester schlossen. Die Münchner Tochter HypoVereinbank (HVB), bei der das Investmentgeschäft angesiedelt ist, konnte 2010 mit einem Gewinnsprung glänzen.

Gefragt waren im Dax unter anderem weniger konjunkturabhängige Werte wie Linde, Fresenius Medical Care und Beiersdorf, die zwischen 1,2 und 0,6 Prozent zulegten. Auch Autowerte wurden geordert, nachdem eine Studie von Bernstein den deutschen Herstellern gute Absatz- und Profitabilitätschancen prognostiziert hatte. Daimler fuhr mit einem Aufschlag von 1,9 Prozent als größter Dax-Gewinner durchs Ziel, BMW und VW gewannen 1,3 und 0,5 Prozent.

Am europäischen Markt zogen die Titel der Zara-Mutter Inditex um sechs Prozent an. Ein rasantes Wachstum in den Schwellenländern verhalf dem spanischen Modekonzern im vergangenen Jahr zu einem kräftigen Umsatz- und Gewinnplus. Die Aktien des Zara-Rivalen Hennes & Mauritz (H&M) legten um drei Prozent zu.