Bullenmarkt

Deutsche Bank rechnet mit Dax bei 10.000 Punkten

Optimisten gewinnen an der Börse wieder die Oberhand. Die Kraft der deutschen Wirtschaft und die Charttechnik sprechen für starken Aufwärtstrend.

Wäre der Dax ein Boxer, hätte er in den vergangen Wochen einige herbe Schläge einstecken müssen: Zuerst die Sorge über die Konjunktur im Boomland China, dann die Unruhen in Arabien und der hochschnellende Ölpreis. Schließlich kam noch die Dreifachkatastrophe in Japan dazu. All diese Schläge, ebenso wenig wie die Rückkehr der Inflation und die bevorstehende Zinswende, haben den deutschen Leitindex nicht umwerfen können.

"Die Bullen siegen“, jubelt Christian-Albrecht Kurdum, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter JRC Capital Management und meint damit die Börsen-Optimisten. Alle Anfechtungen würden an der Aufwärtsbewegung nicht ändern: "Wir werden in diesem Jahr noch neue Höchststände sehen.“

Am 16. März, wenige Tage nach Nuklear-GAU in Fukushima, war der Dax kurz zu Boden gegangen und unter die 200-Tage-Linie bei 6600 Stellen gefallen. Skeptiker witterten schon einen Trendbruch und sahen den im März 2009 aufgenommenen Bullenmarkt seinem Ende entgegentaumeln. Doch schon am nächsten Tag sprang der Index wieder über die wichtige charttechnische Linie. Das K.O. blieb aus. Zum Wochenausklang tastete sich der Index sogar wieder an die Marke von 7000 Zählern heran. Zeitweise fehlten nur 13 Punkte zu der psychologisch wichtigen Schwelle.

Der unmittelbare Anlass für das schnelle Wiedererstarken des Dax waren gute Wirtschaftsdaten. Der wichtige Ifo-Index, der am Freitag veröffentlicht wurde, gab zwar ein wenig nach und verzeichnete den ersten Rückgang seit Sommer 2010. Experten zeigten sich jedoch positiv überrascht, dass der Index bei all den Hiobsbotschaften nicht weitaus stärker eingeknickt ist. Genau damit, mit einer Verlangsamung des Wachstums, hatten die Auguren nämlich gerechnet.

"Trotz dem hohen Ölpreis und der Dreifachkatastrophe von Japan ist der Ifo nur marginal gefallen“, freut sich Holger Schmieding, Chefökonom bei der Berenberg Bank. Schmieding erwartet, dass die deutsche Wirtschaft dieses Jahr um mindestens 2,8 Prozent wachsen wird. Auch Klaus Baader von der französischen Großbank Société Générale zeigt sich beeindruckt von der Robustheit der deutschen Konjunktur: "Die Wachstumsdynamik bleibt erstaunlich stark.“

Noch einen Schritt weiter gehen die Experten der Deutschen Bank. In einer 140 Seiten umfassenden Studie haben sie nicht weniger als 16 Argumente zusammengetragen, warum Deutschlands Börse sich nicht nur gut, sondern besonders gut entwickeln wird. Darunter finden sich: Verbesserte Wettbewerbsfähigkeit, starke Position in den Emerging Markets, Weltmarktführerschaft auf vielen Gebieten und relativ geringe Verschuldung von Privaten und Unternehmen.

Damit nicht genug: Die Deutschbanker werfen auch einen Blick in die fernere Zukunft. Indem sie die Trendlinien des deutschen Aktienmarkts seit dem Jahr 1956 fortgeschreiben, kommen sie zu einem verblüffenden Ergebnis: In den nächsten vier Jahren hat der Dax das Zeug, 10.000 Punkte zu erreichen. Gemessen am jetzigen Stand entspräche das einem Plus von mehr als 40 Prozent – und das in einer Zeit, in der Tagesgeld gerade mal ein Prozent abwirft.

Noch zuversichtlicher ist Joachim Paech, Vorstand bei Silvia Quandt & Cie. Der Investmentbanker hält bereits dieses Jahr einen Index-Stand von fast 9000 Stellen für möglich: "8800 Punkte können es 2011 werden“, sagt Paech. Zwar stellten der hohe Ölpreis und die Atomkatastrophe in Japan Belastungsfaktoren dar, ihre Auswirkungen seien jedoch nicht gravierend genug, um die Rallye zu stoppen. Die Gewinnentwicklung der hiesigen Konzerne hält er für "fabelhaft“.

Die Deutschland-Optimisten haben die historische Erfahrung auf ihrer Seite: Zwar hat der Dax gerade die schlechteste Dekade seit den Siebzigern hinter sich, doch kann sich die Bilanz im internationalen Vergleich sehen lassen. Auf Sicht von zwölf Monaten hat der Dax 13 Prozent zugelegt, fünf Prozentpunkte mehr als der amerikanische Dow Jones und um Längen besser als der japanische Nikkei. Auf Zehnjahressicht ergibt sich ein ähnliches Bild: Die Deutschen haben die Nase vorn, nicht nur gegenüber Amerikanern und Japanern, auch gegenüber den Partnern in der Europäischen Union. "Wir leben in einem Zeitalter, in dem die exportstarke deutsche Wirtschaft ihre Stärken voll ausspielen kann“, erklärt Paech.

Die Instabilität der Euro-Peripherie ist für Deutschland Segen und Fluch zugleich. Einerseits profitiert der Standort Bundesrepublik nun davon, dass er wieder mehr Investitionen auf sich zieht. Stabilität wird wieder zum Alleinstellungsmerkmal. Andererseits könnte schlechte Politik der Bundesregierung dazu führen, dass der Ruch der finanziellen Unsolidität vom Rand auf den Kern abfärbt. Hinzu kommt das Risiko starker Währungsschwankungen, die die Handelsnation Deutschland besonders hart treffen würden.

Wer mit den Auguren glaubt, dass der Dax vor neuen Bestmarken steht, sollte schwache Phasen nutzen, um Positionen aufzubauen. Dazu eignen sich Indexfonds, die die Wertentwicklung des Börsenbarometers abbilden, oder Aktienfonds, deren Management seine Qualifikation über Jahre unter Beweis gestellt hat. Zur ersten Gruppe gehört der iShares Dax ETF (Wertpapierkennnummer: 593393), zur zweiten der DWS Aktien Strategie Deutschland (WKN: 976986).