Naturkatastrophe

Die Deutschen spenden nur zögerlich für Japan

Die Deutschen überweisen für Japan deutlich weniger Geld als bei früheren Katastrophen. Grund dafür scheint die Haltung der Hilfsorganisationen zu sein.

Nach der Katastrophe in Japan zögerten die Hilfsorganisationen zunächst. Sollten sie zu Spenden aufrufen für ein Industrieland, das so reich ist wie Deutschland? Es gab heftige interne Diskussionen – und einige Organisationen entschlossen sich schließlich, keine Kampagne zu starten. Viele andere Nothelfer, vom Roten Kreuz bis zur Caritas, aber werben um Geld für das Land in Fernost. Die Bundeskanzlerin, Künstler, TV-Sender und Großkonzerne haben sich angeschlossen.

„Nach wie vor sind die Aufrufe aber immer noch verhalten im Vergleich zu anderen Katastrophen“, sagt Burkhard Wilke vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI), das seit vielen Jahren die Hilfsorganisationen auf ihre Seriosität prüft. Dies liege einmal daran, dass manche Organisation in Japan nicht über die nötigen Kontakte verfügen: „Die Frage, ob man einem Land wie Japan überhaupt helfen soll, ist aber natürlich auch entscheidend.“

Die Bundesbürger sind ähnlich zurückhaltend. Zwar flossen jüngsten Umfragen zufolge bereits mehr als sieben Mio. Euro an Spendengeldern. Doch zehn Tage nach dem Erdbeben in Haiti waren es im Januar 2010 bereits 86 Mio. Euro gewesen. Bei der Flut in Pakistan im vergangenen Sommer waren es nach zehn Tagen immerhin noch 24 Mio. Euro – obwohl die Katastrophe nur langsam ins Bewusstsein der Bundesbürger gedrungen war.

Wer sich dafür entscheidet, Geld zu geben, sollte die Organisation gut auswählen. Das DZI verleiht seit Jahren sein Spenden-Gütesiegel. Für die Katastrophe in Japan hat das Institut im Internet zudem eine Liste seriöser und sinnvoller Spendenempfänger veröffentlicht. "Eine Organisation, für die man spendet, sollte gute Verbindungen und Kontakte in Japan haben“, so DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke: "Nur so kann sie in der unübersichtlichen Lage derzeit einschätzen, wo wirklich Hilfe nötig ist und wo das Geld hin sollte“. Gute Organisationen haben langjährige Partner in Japan, mit denen sie zusammenarbeiten.

Spenden sind in der Regel von der Steuer absetzbar, vorausgesetzt der Adressat ist als gemeinnützig anerkannt. Dies kann man erkennen am Hinweis "Spenden sind steuerbegünstigt“ oder "gemeinnützig im Sinne der §§ 51ff. der Abgabenordnung“. 20 Prozent des gespendeten Betrags sind von der Steuer absetzbar. Für Spenden bis 200 Euro verlangt das Finanzamt in der Regel nur den Überweisungsbeleg.

Ab 200 Euro muss zusätzlich eine Spendenquittung vorgelegt werden, die von der Hilfsorganisation meist automatisch ausgestellt wird. Inzwischen kann man bei so gut wie allen Hilfsorganisationen auch bequem im Internet spenden. Das Formular ist meist binnen weniger Minuten ausgefüllt.

Allerdings warnt das DZI auch davor, dass sich im Netz immer mehr dubiose Seiten unseriöser Organisationen tummeln. Ketten-Mails, in denen zu Spenden aufgerufen wird, sollten nicht weitergeleitet werden. Erste Betrugsfälle sind bereits bekannt geworden.

Wer unschlüssig ist, ob er in Japan helfen will, hat Alternativen: Das katholische Hilfswerk Misereor, das bisher keine Japan-Kampagne gestartet hat, ruft dazu auf, in den Überweisungsträger schlicht "Nothilfe“ einzutragen. Dann kann die mit Spenden bedachte Organisation frei darüber verfügen. Sollte in Japan schließlich weniger Geld gebraucht werden als ursprünglich gedacht, wäre die gespendete Summe nicht blockiert.