Börsen-Bericht

Der Dax macht wieder kräftig Boden gut

Am Ende des Tages steht ein sattes Plus von 2,3 Prozent: Der Dax hat von der starken T-Aktie und guten Nachrichten aus Japan profitiert.

In der Hoffnung auf eine Entspannung der Lage im japanischen Unglücksreaktor Fukushima haben Anleger bei europäischen Aktien zugegriffen. Der Dax erhielt zusätzlichen Schub vom Rekord-Kursplus der Deutschen Telekom, deren Aktien vom geplanten Verkauf ihrer Tochter T-Mobile USA an AT&T nach oben getrieben wurden.

Der deutsche Leitindex schloss 2,3 Prozent höher bei 6816 Punkten, der EuroStoxx50 gewann ebenfalls 2,3 Prozent auf 2858 Zähler. Im Gegenzug gaben die entsprechenden Volatilitätsindizes, die die Nervosität der Anleger anzeigen, deutlich nach. Auch die US-Börsen verzeichneten Gewinne, der Dow-Jones-Index überstieg mit einem Zuwachs von 1,5 Prozent wieder die 12.000-Punkte-Marke.

„Es ist ein ermutigendes Zeichen, dass über das Wochenende keine neuen Hiobsbotschaften aus Japan kamen und dass man die Lage dort langsam in den Griff zu bekommen scheint“, sagte ein Börsianer. Viele Investoren drängten nun in den Markt, weil sie bei einer weiteren Entspannung der Lage in Japan Kursgewinne erwarteten und diese Bewegung auf keinen Fall verpassen wollten. „Der Kaufdruck ist enorm“, fügte er hinzu.

Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research wies noch auf einen anderen Aspekt hin: „Warren Buffett hat japanische Aktien als günstige Investition bezeichnet. Offenbar nimmt der deutsche Markt die für morgen zu erwartende Erholung beim Nikkei-Index vorweg.“ Der legendäre US-Großinvestor hatte gesagt, die drastischen Kursverluste nach dem verheerenden Erdbeben vor gut einer Woche eröffneten die Chance zum Einstieg in den japanischen Markt. Die Tokioter Börse blieb am Montag wegen eines Feiertages geschlossen.

Mit dem größten Tagesgewinn ihrer Geschichte reagierte die T-Aktie auf den Verkauf von T-Mobile USA: Sie schoss zeitweise 16,3 Prozent nach oben und schloss am Ende 11,3 Prozent höher bei 10,67 Euro. Mehr als die Hälfte des gesamten Geschäfts im Dax gingen auf das Konto der Deutschen Telekom. In New York gewannen die Titel von AT&T 1,5 Prozent. „Endlich eine gute Lösung für das US-Sorgenkind der Deutschen Telekom“, erklärte Analyst Dominik Klarmann von HSBC Trinkaus. Equinet-Analyst Adrian Pehl warnte dagegen vor mögliche wettbewerbsrechtliche Hürden. AT&T und T-Mobile kämen zusammen auf einen Marktanteil von 40 Prozent.

Im Fahrwasser dieses Geschäfts legten auch andere Werte aus der Telekombranche zu. Vodafone gehörten mit einem Plus von 3,6 Prozent zu den größten Gewinnern im Londoner FTSE, France Telecom verteuerten sich in Paris um 3,5 Prozent und an der Wiener Börse notierten Telekom Austria 1,3 Prozent fester. Telecom Italia und Telefonica zogen um jeweils 2,3 Prozent an. Der europäische Branchenindex legte überdurchschnittlich stark um 3,6 Prozent zu. „Diese Geschichte bringt die Fantasie zurück in den Sektor“, sagte ein Börsianer. Die Transaktion diene als Kauf-Signal.

Dagegen brachen die Aktien des AT&T-Rivalen Sprint Nextel um rund 16 Prozent ein. Der hoch verschuldete Konzern werde mit der neuen Aufteilung am US-Markt erhebliche Probleme haben, die Investitionen in das Mobilfunk-Netz der vierten Generation (4G) zu schultern, sagte Analyst Tim Daniels vom Research-Haus Olivetree. Sprint Nextel hatte auch als möglicher Kandidat für eine Zusammenarbeit mit T-Mobile USA gegolten. Auch die Titel des weltgrößten Telekomausrüsters Ericsson gaben nach und schlossen 0,6 Prozent im Minus. Die Schweden beliefern sowohl AT&AT als auch T-Mobile – Analysten zufolge bedeutet die Übernahme für Ericsson vor allem kurzfristig weniger Aufträge.