Börsen-Fusion

Aktionäre feiern die kommende Megabörse

Die deutsche und die New Yorker Börse stehen kurz vor der Fusion. Aktionäre schlagen zu. Doch zuvor müssen die Wettbewerbshüter zustimmen.

Foto: Infografik WELT ONLINE

Mit kräftigen Aktienkäufen haben Anleger auf die Fusionspläne von Deutscher Börse und Nyse Euronext reagiert. Die Papiere des Frankfurter Börsenbetreibers schossen zunächst um bis zu 8,8 Prozent auf ein Eineinhalb-Jahres-Hoch von 62,48 Euro. Am Nachmittag betrug das Plus immerhin noch rund vier Prozent. In New York hatte die Nyse-Aktie schon am Mittwoch um 14 Prozent zugelegt, in den gestrigen Handel ging sie dann mit einem leichten Verlust.

Die Deutsche Börse und der amerikanisch-europäische Börsenbetreiber Nyse Euronext hatten am Mittwochabend „fortgeschrittene Fusionsgespräche“ bestätigt. Es gebe aber noch keine Übereinkunft, hieß es offiziell. Allerdings ist man offensichtlich schon sehr weit. Wie aus Verhandlungskreisen verlautete, stehen die Gespräche kurz vor dem Abschluss. Bereits am kommenden Dienstag sollen die Aufsichtsgremien beider Unternehmen zusammenkommen und die Pläne absegnen. Es entstünde der größte Börsenbetreiber der Welt, zu dem Handelsplätze für Aktien und Derivate in Frankfurt, New York, Amsterdam, Paris, Lissabon, Brüssel und London gehören.

Entsprechend der aktuellen Börsenbewertung soll Frankfurt rund 60 Prozent am neuen Unternehmen halten, auch im künftigen Verwaltungsrat hätten die Frankfurter dem Vernehmen nach ein deutliches Übergewicht. Verantwortlich für das operative Geschäft wird mit Nyse-Lenker Duncan Niederauer allerdings ein Amerikaner sein, Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni wird Chef des Verwaltungsrats. Neben dem Spitzenpersonal gibt es auch über die Standorte weitgehend Klarheit. Der Aktienhandel wird von New York aus gesteuert, der Derivatehandel von Frankfurt aus, die Wertpapierabwicklung bleibt in Luxemburg, die neu zu schaffende übergeordnete Holding hat ihren Sitz in den Niederlanden.

In die Feierlaune vieler Anleger mischten sich aber auch kritische Stimmen. „Die Umsetzung ist kompliziert und wird eine ganze Weile dauern“, so Analyst Bernd Müller-Gerberding von der italienischen Großbank UniCredit. Er sieht, wie viele seiner Kollegen, vor allem in der noch ausstehenden Zustimmung der Wettbewerbsbehörde einen Knackpunkt. Die beiden Derivatetöchter Liffe (Nyse Euronext) und Eurex (Deutsche Börse) hätten in Europa zusammen einen Marktanteil von 93 Prozent. Und auch die bei der hessischen Landesregierung angesiedelte Börsenaufsicht redet bei der Transaktion mit. „Die Prüfung muss im Interesse Frankfurts gemacht werden“, sagte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Es gehe darum, die Rolle des heimischen Finanzplatzes zu sichern und auszubauen. Zwar sei die Fusion, wenn sie gelänge, eine beeindruckende Leistung, doch müsse man sich erst die Details anschauen. Die Landespolitik hatte schon in der Vergangenheit bei ähnlichen Plänen auf den Erhalt der Arbeitsplätze bestanden.

Diese Sorge treibt naturgemäß auch die Gewerkschaft um. „Wir befürchten einen Arbeitsplatzabbau“, sagte Herbert Bayer von der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di und Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Börse. Er stellte in Zweifel, ob der Zusammenschluss zweier profitabler Unternehmen unbedingt sein müsse. Noch sei die Arbeitnehmerseite aber über die genauen Pläne nicht informiert. In US-Medien war unter Berufung auf Verhandlungskreise davon die Rede, dass „weniger als 1000 Stellenstreichungen“ diesseits und jenseits des Atlantiks drohten. Aktuell haben beide Börsenbetreiber zusammen knapp 7000 Mitarbeiter. Angestrebt werden, unter anderem durch den Wegfall von Doppelfunktion, Einsparungen von 300 Mio. Euro.

Grundsätzlich positiv äußerten sich Aktionärsschützer zu den Plänen. „Wir unterstützen das Vorhaben der Deutschen Börse, den Konsolidierungsprozess in der Branche aktiv voranzutreiben und dabei als Leading-Partner am Steuer zu sitzen“, sagte Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Allerdings schränkte auch er ein, dass noch viele Fragen offen seien, die über Sinn und Unsinn einer solchen Megafusion entscheiden würden.