Japanische Währung

Was die Yen-Scheine mit Fukushima verbindet

Von Japans Geldscheinen blickt nicht der Kaiser, sondern Autoren und Wissenschaftler. Sie lernten eine atomare Bedrohung gar nie kennen.

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Würde er heute leben, so wäre er womöglich inzwischen evakuiert worden. Denn der japanische Wissenschaftler Hideyo Noguchi wurde in Inawashiro geboren, einer Kleinstadt in der Präfektur Fukushima, nur wenige Kilometer von dem Unglücksreaktor entfernt, der die Welt dieser Tage in Atem halt. Doch der Bakteriologe hatte das Glück, zu einer Zeit zu leben, als es in Japan noch keine atomare Bedrohung gab. 1928 starb er, im Alter von 51 Jahren.

Er lebt jedoch auf Japans Geldscheinen fort, namentlich auf dem 1000-Yen-Schein. Seit 2004 ziert er dessen Vorderseite. Das Erstaunliche daran ist für Außenstehende vielleicht vor allem, wer nicht darauf abgebildet ist: der Kaiser. Denn schließlich bannen die meisten Monarchien ihr jeweiliges Staatsoberhaupt auf die Banknoten. Nicht jedoch Japan, und dies nicht erst seit der Niederlage im Zweiten Weltkrieg, dies galt auch schon davor. Denn der Kaiser spielte traditionell meist eine weit weniger wichtige Rolle als die Militärführer, die Shogune, die de facto regierten. So erschien der Kaiser auch nicht auf den ersten Yen-Geldscheine, die 1871 eingeführt wurden.

Damals lösten sie ein kompliziertes Währungssystem ab, das noch nicht auf dem Dezimalsystem basierte. Der Name Yen kommt dabei wortgeschichtlich vom chinesischen Yuan, was „etwas Rundes“ bedeutet. Abgebildet wurden auf den Yen-Scheinen in früheren Zeiten oft legendäre Staatsmänner, deren Existenz vor vielen Jahrhunderten mehr oder weniger verbürgt ist – mehr, wie im Falle von Wake no Kiyomaro, weniger, wie im Falle von Takenouchi no Sukune.

Die heute abgebildeten Persönlichkeiten lebten dagegen allesamt Ende des 19. Jahrhunderts. Es sind neben Noguchi die Schriftstellerin Higuchi Ichiyo (5000 Yen) sowie der Autor und Philosoph Fukuzawa Yukichi (10.000 Yen). Das ist aber auch schon die gesamte Palette der auf den Banknoten vertretenen Personen, denn auf dem 2000-Yen-Schein ist das Shureimon-Tor abgebildete, ein altes Tor zu einem Schlossbezirk in der Präfektur Okinawa.

Es wurde anlässlich des G8-Gipfels im Jahr 2000, der in Okinawa stattfand, auf den Schein gebannt. Und das wär’s dann auch schon, denn es gibt nur vier verschiedene Scheine. Und der 10.000-er ist der nominell höchste – das entspricht gerade mal knapp 90 Euro. Die Rückseiten der Scheine geben einerseits ebenfalls Einblick in die Kultur und Geschichte des Landes. Auf dem 10.000-Yen-Schein ist ein Phönix zu sehen, der vom Dach einer Tempelanlage in Kyoto stammt. Diese Anlage gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Auf dem 2000-Yen-Schein dagegen ist ein Auszug aus der „Geschichte vom Prinzen Genji“ abgedruckt. Der Roman ist vor rund 1000 Jahren entstanden und gehört zu den ältesten überlieferten literarischen Werken. Andererseits zeigen die Rückseiten aber auch Natur – Iris-Blumen auf dem 5000-Yen-Schein, und natürlich den unvermeidlichen Fujiyama auf dem 1000-er von Hideyo Noguchi.

Dieser starb übrigens fern seiner Heimat, in Ghana. Dort betrieb er Feldstudien zur Ursache des Gelbfiebers. Tragischerweise erkrankte er jedoch selbst daran und erlag der Krankheit. Seine letzten Worte sollen gewesen sein „Ich verstehe das nicht“. Vielleicht würde er das auch heute sagen, wenn er sähe, was in der Umgebung seiner Heimat derzeit vor sich geht.