Immobilien

Das Reihenhaus – eine günstige Alternative

Im Vergleich zu feststehenden Immobilien sind Reihenhäuser etwa 15 Prozent preiswerter. Besonders in Ballungsräumen können solche Immobilien spannend sein.

Foto: picture-alliance / Sueddeutsche / PA/Robert Haas

Vielen gelten sie als Relikt der 50er- und 60er-Jahre: Reihenhäuser haben hierzulande nicht immer den besten Ruf. Zu Unrecht, finden die Marktforscher der Landesbausparkassen (LBS Research). Denn die kleinen, kompakten, wie an einer Perlenschnur aufgereihten Häuser feiern gegenwärtig ein fulminantes Comeback. Gerade in städtischen Ballungsräumen ist das Reihenhaus den LBS-Experten zufolge eine kostengünstige Alternative zur Eigentumswohnung geworden – teils auch unter dem moderneren Namen Townhouse.

Wer Wohneigentum erwerben möchte, für den liegen die Vorteile eines Reihenhauses oft in dessen stadtnaher Lage. Denn Reihenhaus-Siedlungen befinden sich meist in Stadtteilen, von denen aus das Zentrum durch eine gute Verkehrsanbindung schnell und einfach zu erreichen ist. Damit leben die Bewohner zwar in der Stadt, aber dennoch oft im Grünen. „Der Stadtrand ist für viele Eigenheimerwerber hochinteressant: Neben attraktiven Immobilienpreisen finden sie hier eine ideale Kombination aus grüner Umgebung und Nähe zu urbanem Leben“, sagt Marc Stilke, Chef des Onlineportals Immobilienscout24. Einer Umfrage des Portals zufolge sucht mit 65 Prozent die Mehrheit der Kaufinteressenten ihr Eigenheim gezielt in grüneren und ruhigeren Lagen. Besonders begehrt sind dabei die sogenannten Speckgürtel deutscher Großstädte.

Denn Wohneigentum direkt in den deutschen Metropolen wird immer teurer. Dem Wohnpreisspiegel 2010 des Maklerverbandes IVD zufolge lagen die Preise für Eigentumswohnungen in Städten mit einer Einwohnerzahl ab 300.000 um bis zu 2,7 Prozent über dem Vorjahreswert. „Aber auch in kleineren Städten sind die Preise angestiegen“, sagt IVD-Vizepräsident Jürgen Michael Schick: „Im Fünfjahresvergleich erreichen Eigentumswohnungen sogar ein Plus von bis zu 3,6 Prozent.“

Nach Berechnungen des IVD kostet die mittlere, gebrauchte Eigentumswohnung hierzulande aktuell 940 Euro pro Quadratmeter. Für Neubauwohnungen werden gar 1549 Euro pro Quadratmeter fällig. Die Preise variieren jedoch von Region zu Region stark. In Großstädten wird ein Vielfaches des Durchschnittswertes fällig. In Hamburg beispielsweise kostet ein Quadratmeter im Schnitt rund 2300 Euro, in Edel-Vierteln wie Blankenese oder der Hafencity durchbrechen die Quadratmeterpreise oft sogar die 4000-Euro-Marke. Ein Reihenhaus mit 130 Quadratmetern Wohnfläche ist in der Hansestadt hingegen für um die 280.000 Euro zu haben, macht einen Quadratmeterpreis von 2154 Euro.

Laut LBS Research ist der Kostenvorteil von Reihenhäusern in den ostdeutschen Bundesländern am größten. Hier sind Reihenhäuser im Schnitt schon für einen Quadratmeterpreis von knapp 900 Euro zu haben. Am teuersten sind sie gegenwärtig in Süddeutschland mit einem Preis von rund 2200 Euro für jeden Wohn-Quadratmeter.

Als Reihenhaus gilt eine Immobilie mit mindestens drei direkt aneinander gebauten Gebäuden. Für Stadtmenschen, die von eigenen vier Wänden träumen, ist der Erwerb einer solchen Immobilie eine attraktive Eigentums-Möglichkeit. Gegenüber freistehenden Einfamilienhäusern liegen die Kostenvorteile auf der Hand: Der Flächenbedarf beispielsweise ist deutlich geringer. Für ein Einfamilienhaus braucht man laut LBS Research oft 500 Quadratmeter Grund, bei einem Reihenhaus genügen schon an die 200 Quadratmeter Bauplatz. Bei gleich großer Wohnfläche kostet ein Haus in der Reihe rund 15 Prozent weniger als ein freistehendes Eigenheim.

Der Energiebedarf ist ebenfalls geringer: Weil zumeist zwei der vier Seitenwände direkt an das Nachbargebäude angrenzen, teilt man sich Wärmeenergie mit seinen Nachbarn. Der Nachteil: Wenn es sich nicht gerade um ein Reihenendhaus handelt, sind die Seitenwände dadurch dann auch fensterlos.

Vor allem für junge Familien sind Reihenhäuser geeignet – schließlich bieten sie im Vergleich zur großen Wohnung in der Stadt nicht nur niedrigere Erwerbskosten, sondern auch mehr Grün dank eines kleinen Gartens. Üblicherweise wird ein Reihenhaus vom Bauträger verkauft. Der erwirbt ein großes Grundstück von der jeweiligen Kommune oder Privatverkäufern, parzelliert und bebaut es dann nach seinen Plänen. Käufer müssen sich meist mit Hausmodell und Preis abfinden – oder woanders weitersuchen.

Mittlerweile prägen viele Immobilienexperten für das Reihenhaus einen neuen Begriff: Als „Townhouses“ werden sie bezeichnet, zu deutsch: Stadthäuser. Das soll moderner klingen und dazu beitragen, dass der spießige Ruf dieser Wohnform verschwindet. Dem Trend entsprechend entsteht beispielsweise mitten in Berlin auf dem Gelände eines ehemaligen Schlachthofes ein ganzes Viertel mit Reihenhäusern. Ende des Jahres sollen weitere Teile fertig sein, die Nachfrage ist enorm. Ihre Architektur unterscheidet sich aber von den Reihenhäusern der Nachkriegszeit. Heute wird eleganter gebaut, mit Betonsteinen und Glas und mehr Wohnfläche.