ZEW-Umfrage

Finanzprofis sehen den Dax weiter ansteigen

Die robuste deutsche Wirtschaft wiegt für die Experten des ZEW mehr als die Nachteile der Katastrophe in Japan.

Foto: Infografik WELT ONLINE

Während der vergangenen vier Wochen erlebte der Dax mehrere Rückgänge in Folge und verließ das hohe Niveau, das er infolge der starken Kursanstiege der vergangenen Monate erreicht hatte. Begleitet wurden die Kurskorrekturen von wechselnden Ereignissen. Erst die Entwicklung in der arabischen Welt, dann die noch schwelende Staatsschuldenkrise in den europäischen Peripherieländern und nun das tragische Erdbeben in Japan.

Zwar zeigt sich die wirtschaftliche Lage in Deutschland einmal mehr von ihrer Schokoladenseite, aber am zweiten leichten Dämpfer in Folge für die deutschen Aktienmarkterwartungen wird deutlich, dass die jüngsten Kursspitzen des Dax in Anbetracht eines unsicherer werdenden weltwirtschaftlichen Umfelds von den Experten inzwischen etwas kritischer betrachtet werden.

Dies sind Ergebnisse des aktuellen Finanzmarkttests des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. Vom 28. Februar bis zum 14. März 2011 befragte das Wirtschaftsforschungsinstitut 270 Analysten und institutionelle Anleger aus Banken, Versicherungen und großen Industrieunternehmen zu ihren Erwartungen bezüglich der Entwicklung an den Finanzmärkten in den kommenden sechs Monaten.

Zum Ende der Woche, in der der Finanzmarkttest für den Februar veröffentlich wurde (15. Februar), erreichte der Dax eine Notierung von über 7400 Punkten. Damit wurde eine Rekordmarke erreicht, die zuletzt im Januar 2008 überschritten wurde. Trotz guter Stimmungsindikatoren aus der deutschen Wirtschaft folgte der Dax in der letzten Februarwoche dann allerdings einem abwärts gerichteten Trend.

Die anhaltenden Unruhen in arabischen Raum, insbesondere in Libyen, gaben den Takt an den europäischen Börsen vor. Daraufhin pendelte sich der Dax während einer ereignisarmen ersten Märzwoche zwischen 7100 und 7200 Punkten ein. Aussagen der EZB, die so interpretiert wurden, dass ein erster Zinsschritt bereits in den kommenden zwei Monaten zu erwarten sei, nahmen keinen erheblichen Einfluss auf den Dax-Stand.

Staatsschulden und Herabstufungen

Den Auftakt zu weiteren Kurseinbußen gab ein Aufflackern der noch immer schwelenden Staatsschuldenkrise am Rand der Eurozone: Portugal konnte sich nur zum Preis hoher Zinsen refinanzieren, Spanien musste eine Herabstufung seiner Bonität von Aa1 auf Aa2 durch die Ratingagentur Moody’s hinnehmen. Dadurch rutschte der Dax bis Donnerstag, 10. März, auf knapp über 7000 Punkte ab. In den vergangenen Tagen führten die tragischen Entwicklungen in Japan zu Kurseinbrüchen. Am Freitag rutschte der Dax unter die 7000 Punkte-Marke. Montag und Dienstag setzte sich die Talfahrt zeitweise bis auf unter 6500 Punkte fort.

Bleibt die Frage, in welche Richtung sich die Aktienmärkte in den kommenden Monaten entwickeln werden. Die vom ZEW befragten Finanzmarktexperten stehen der Aktienmarktentwicklung weiterhin grundsätzlich optimistisch gegenüber. Immerhin 63,9 Prozent der Teilnehmer gehen von steigenden Dax-Kursen auf Halbjahressicht aus. 23,4 Prozent der Teilnehmer rechnen mit tendenziell gleichbleibenden Kursen. Die restlichen 12,7 Prozent erwarten fallende Kurse.

Sonderauswertung nach dem Erdbeben

Der Saldo der positiven und negativen Antwortanteile steht nun bei 51,2 Punkten nach 52,9 Punkten im Februar. Die Ergebnisse sind allerdings insoweit mit Vorsicht zu genießen, als sie vorwiegend die Erwartungslage vor dem großen Erdbeben in Japan beschreiben: Die aktuelle Umfrage begann am 28. Februar und endete am 14.?März.

In Anbetracht der Ereignisse im Befragungszeitraum wurde eine Sonderauswertung der Umfrageergebnisse für die Zeit vor dem Erdbeben in Japan und für die Zeit danach vorgenommen. Die Sonderauswertung zeigt, dass der Saldo der Aktienmarkterwartungen für den Dax vor dem Unglück in Japan bei 53,3 Punkten lag. Wären dagegen alleine die Antworten seit dem Erdbeben ausgewertet worden, dann hätte der Saldo einen Stand von 48,0 Punkten erreicht.

Die beiden Werte deuten darauf hin, dass die Finanzmarktexperten nur von einem geringen Einfluss der jüngsten Ereignisse in Japan auf die Entwicklung des Dax in den kommenden sechs Monaten ausgehen. Aufgrund der Umfrageergebnisse ist es allerdings nicht möglich, zu beurteilen, wie sich der erdrutschartige Dax-Kurssturz am zurückliegenden Dienstag auf die Kurserwartungen der Finanzmarktexperten ausgewirkt hat: Der Tag des Kurssturzes lag nämlich außerhalb der aktuellen Umfrageperiode.

Der Autor ist wissenschaftlicher Mitarbeiter beim ZEW