Börsen-Bericht

Sorge um Euro-Zone wieder da – Dax fällt

Der Pessimismus ist zurück. Die Herabstufung Spaniens durch Moody's verunsichert die Anleger. Da hilft nicht einmal der sinkende Ölpreis.

Mit der Herabstufung der Kreditwürdigkeit Spaniens ist am Donnerstag die Sorge um die Schuldenkrise in Südeuropa an die Aktienmärkte zurückgekehrt. Der Dax rutschte um ein Prozent auf 7063 Punkte ab. In London, Paris und Zürich beliefen sich die Verluste auf 0,7 bis1,6 Prozent. In Madrid verlor der Leitindex Ibex 1,2 Prozent. Der paneuropäische Stoxx50 und der Euro-Stoxx50 verloren je knapp ein Prozent.

„Wir haben heute das Thema gewechselt, jetzt geht es wieder um Europa und die Solidität der verschiedenen Euro-Länder“, fasste ein Händler zusammen. Weder relativ gute Bilanzen deutscher Großkonzerne noch ein deutlicher Rückgang der Ölpreise vermochten die Anleger umzustimmen. Auslöser der Katerstimmung war die Entscheidung der Ratingagentur Moody's, die spanischen Staatsanleihen schlechter als bislang zu benoten. Am Freitag wollen die Staats- und Regierungschefs der Euro-Länder in Brüssel über die Schuldenproblematik beraten. Ein Abschlag beim Ölpreis um bis zu drei Prozent stützte die Kurse kaum. Ein überraschendes Handelsdefizit in China sorgte für zusätzliche Angst vor einem Konjunkturdämpfer. Schlechte Konjunkturdaten kamen auch aus den USA, wo der Wochenbericht vom Arbeitsmarkt enttäuschte und sich das Außenhandelsdefizit im Januar stärker als erwartet ausweitete.

Die Sorge um Spanien bekamen die spanischen Bankenwerte zu spüren, die Befürchtungen um die Konjunktur die Aktien der großen Bergbaugesellschaften: Die Banco Santander und die BBVA verloren bis zu 1,7 Prozent, die Bergbauwerte Rio Tinto und BHP Billiton bis zu 3,8 Prozent. Ebenfalls schwächer als der Gesamtmarkt waren UBS, die um zwei Prozent fielen. Banken-Chef Oswald Grübel hatte in einem Interview die Gewinnerwartungen für das Investmentbanking gedämpft. In Frankfurt zählten die Aktien der Commerzbank mit einem Minus von 2,6 Prozent zu den größten Dax-Verlierern. Nach Angaben aus Kreisen plant die Bank eine Kapitalerhöhung von fünf bis sieben Milliarden Euro, um sich bald aus den Fängen des Staates zu befreien. Die Titel der Deutschen Bank sanken wie der Dax um ein Prozent.

Zu den größten Dax-Verlierern zählten zudem die VW-Aktien mit einem Abschlag von 3,6 Prozent, obwohl der Konzern für 2011 Rekordzahlen in Aussicht stellte. Noch stärker ins Minus rutschten die Aktien von Infineon, die ihren Abwärtstrend vom Vortag fortsetzten und 3,8 Prozent verloren. Händler begründeten die Verkäufe mit dem negativen Ausblick des US-Chipherstellers Texas Instruments.

Gegen den Trend behaupteten sich die Aktien der Deutschen Telekom, die ein Prozent zulegten. Laut Händler setzen die Anleger weiter auf ein besseres US-Geschäft. SAP profitierten von einer gut aufgenommenen Präsentation und legten ebenso ein Prozent zu.

Im MDax machten erneut die Aktien des gemeinsam von Daimler und Rolls Royce umworbenen Motorenbauers Tognum das Rennen: Sie verteuerten sich um 2,4 Prozent auf 25,50 Euro. Auch Aussagen von Unternehmenskreisen in Stuttgart, wonach Daimler sein Angebot von 24 Euro je Aktie für angemessen hält, verdarben den Anlegern nicht die Freude an den Papieren. Tognum strebt nach Aussagen aus seinem Umfeld einen Übernahmepreis von 27 Euro an.