Devisen

Der Euro ist wieder Anlegers Liebling

Der Kurs des Euro steigt über 1,40 Dollar. Die meisten Spekulanten setzen auf eine weitere Aufwertung. Auch Kleinanleger können mitmischen.

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Die Europäische Zentralbank gab in der vergangenen Woche das Startsignal. Mit ihrer mehr oder weniger direkten Ankündigung, im kommenden Monat die Leitzinsen zu erhöhen, erwischte sie viele Investoren auf dem falschen Fuß. Diese hatten zwar damit gerechnet, dass die Zinsen in Europa irgendwann in diesem Jahr wieder anziehen, dass es so schnell geht, hatte jedoch kaum jemand auf der Rechnung. Daher fallen die Reaktionen umso hektischer aus. Vor allem der Euro befindet sich seither in einem steilen Aufwärtstrend.

„An den Terminmärkten haben sich die Spekulanten bereits eindeutig für einen steigenden Euro-Dollar-Kurs positioniert“, sagt Christian Appelt, Währungsexperte bei der Landesbank Hessen-Thüringen. Sie trieben den Kurs am Montag sogar wieder über die Marke von 1,40 Dollar. Das Entscheidende daran: es sieht so aus, als ob sich damit nun wieder ein klarer Trend etabliert. Denn in den vergangenen Monaten schwankte der Euro in einem Band zwischen 1,30 und 1,40 Dollar hin und her – eine eindeutige Richtung war jedoch nicht auszumachen. Nun scheint das anders. Und der Trend lautet: aufwärts.

„Der Euro sollte als Folge der Ankündigung einer Zinserhöhung weiter nach oben streben“, sagt Michael Sneyd von der Société Générale. Viele Banken schrauben ihre Prognosen auch schon nach oben. Die UniCredit erwartet nun beispielsweise, dass der Euro im ersten Halbjahr in einem Band zwischen 1,40 und 1,45 Dollar schwankt, im zweiten Halbjahr sogar zwischen 1,45 und 1,50. Denn die UniCredit erwartet nicht nur im April eine Zinserhöhung, im September und Dezember werde es weitere geben, sind die Analysten überzeugt. Der Grund ist vor allem die deutlich erhöhte Teuerungsrate im Euroraum.

Sollte die Gemeinschaftswährung tatsächlich bald wieder über 1,50 Dollar steigen, dann wäre der Weg offen für neue Rekordstände. Im Sommer 2008 hatte der Kurs die Marke von 1,60 Dollar gestreift, und es ist sehr wahrscheinlich, dass die spekulativen Anleger den Euro wieder in diese Richtung treiben, wenn die Marke erst mal in Sichtweite ist.

Doch nicht nur zum Greenback, auch im Vergleich zu anderen Devisen konnte die europäische Währung seit vergangener Woche deutlich zulegen, beispielsweise gegenüber dem japanischen Yen oder dem Schweizer Franken. Allerdings sind die Kurse hier noch weit von den einstigen Höchstständen entfernt. Gegenüber dem Yen lag der Rekord vor knapp drei Jahren bei rund 70 Yen, gegenüber der Schweizer Währung bei etwa 1,68 Franken.

Das zeigt, dass die Euro-Stärke derzeit teilweise auch eine Schwäche des Dollar ist. Denn die USA leidet nicht nur unter den Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise. Mehr und mehr zeichnet sich ab, dass der Dollar in den kommenden Jahren seinen Status als Handels- und Reservewährung einbüßen könnte. Chinas Notenbank verkündete erst in der vergangenen Woche, dass die Firmen der Volksrepublik noch in diesem Jahr die Erlaubnis bekommen sollen, alle Im- und Exporte in der eigenen Währung abwickeln zu können. Bisher dominierte hier der Dollar. Der Yuan dürfte daher künftig eine wesentlich wichtigere Rolle spielen, die amerikanische Währung sollte im Gegenzug weniger gefragt sein.

Die Aussichten auf einen neuen, klaren Trend im Währungsgefüge machen es auch für Kleinanleger wieder attraktiv auf die Verschiebungen am Devisenmarkt zu setzen. Sie können dies einerseits über so genannte „Exchange Traded Currencies“ (ETC) tun, also börsengehandelte Währungspapiere, die die Entwicklungen am Devisenmarkt eins zu eins abbilden.

Sie können aber auch so genannte Knock-Out-Zertifikate einsetzen. Diese bieten den Vorteil, dass sie den Einsatz hebeln. Dies kann sinnvoll sein, da die Bewegungen am Devisenmarkt prozentual oft nur gering sind. Allerdings bergen sie – wie der Name Knock-Out-Zertifikat nahe legt – auch hohe Risiken.

Diese Anlageinstrumente verfügen stets über eine so genannte Knock-Out-Schwelle. Fällt oder steigt der Kurs des Basiswertes (in diesem Falle also des jeweiligen Währungspaares) auf oder unter/über eine festgelegte Schwelle, so verfällt das Papier wertlos. Je näher andererseits die Schwelle am aktuellen Kurs ist, desto höher ist der Hebel, um den die jeweiligen Kursbewegungen vervielfacht werden. Kurz: Je höher das Risiko, desto höher auch die Chance.

Kleinanleger sollten jedoch eine Schwelle wählen, die recht weit vom aktuellen Kurs entfernt ist, um so das Risiko eines Totalverlustes zu begrenzen. Wer auf ein weiteres Ansteigen der Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar setzen will, kann das beispielsweise mit einem Papier der Royal Bank of Scotland (WKN: 325095) tun. Es hebelt Gewinne (und Verluste) 5,5-fach und es verfällt erst, wenn der Euro entgegen der Erwartung nicht weiter steigt, sondern unter 1,1523 Dollar fällt. Das wäre immerhin noch ein ganzes Stück unter der Marke von 1,19 Dollar, die der Euro im Juni vergangenen Jahres erreicht hatte, also am Höhepunkt der Euro-Krise. Entsprechende Papiere gibt es natürlich auch für Euro-Pessimisten oder für andere Währungspaare.